wurden erschossen. Löwen, eine herrliche Stadt mit großen prachtvollen Kunstschätzen, wie man sie selten
findet, ist dem Erdboden gleich gemacht.
Auch das Sündenkonto der Serben wird immer schwerer belastet. Die Grausamkeiten an unseren Gefangenen
und Verwundeten, sowie unseren Verbandsplätzen werden immer größer. Die Serben hissen die
Parlamentärflagge und überfallen nach Einstellung des Feuers hinterlistig die österreichischen Truppen.
Die Zivilbevölkerung schießt und wirft Bomben. Alle Beteiligten wurden sofort standrechtlich abgeurteilt.
In Sosnica, wo die Bevölkerung ebenfalls Feindseligkeiten beging, wurde zur Strafe eine sofortige Geldkontribution
erhoben.
In Bouge (Belgien) wurde ein Geistlicher, der die geflohenen Belgier und Franzosen in die Kirche einließ
und diese zuschloß, von wo aus dann auf die Deutschen geschossen wurde, erschossen. —
Frankreich zieht seine afrikanischen Truppen in die Nähe von Belfort heran und gegen die Schweizer
Grenze hin. Ob diese die Neutralität der Schweiz respektieren? Das wird sich um aufe der kommenden Tage
zeigen.
Kaiser Wilhelm telegraphierte an Kaiser Franz Josef:
Gerührt und erfreut danke ich Dir für Dein Telegramm, das Deine und Deiner Wehrmacht Empfindungen
für meine Armee verkündet, auch für Deine höchste Ordensauszeichnung, mit der Du mich
und meinen Generalstabschef bedachtest, meinen tiefgefühlten Dank. Unsere begeisterte Waffenbrüderschaft,
die sich auch im fernen Osten so fest bewährt hat, ist das Schöne in dieser ernsten Zeit. Inzwischen
haben auch Deine Truppen im Siege von Krasnik Proben der altbewährten Tapferkeit abgelegt. Nimm
als Zeichen meiner Hochachtung und Wertschätzung dieser Taten den Orden pour le merite für Dich
freundlichst an. Dem General von Hötzendorf verleihe ich das Eiserne Kreuz zweiter und erster
Klasse. Gott hat bis hierher geholfen. Er segne auch weiter unsere gemeinsame gerechte Sache. Wilhelm.
Kaiser Franz Josef hat darauf geantwortet:
Erfüllt es mich mit freudigem Stolze, daß Du den militärischen Maria Tberesien-Orden in dem Sinne
angenommen hast, in dem ich Dir das Zeichen höchster militärischer Verdienste gewidmet habe, so bewegt
mich die Anerkennung, die Du den bisberigen Leistungen meiner Armee dadurch zollst, daß Du mich mit
dem Orden pour le merite beglückwünschest und den General Freiherrn Konrad von Hötzendorf mit
dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet hast, aufs Tiefste. Habe hierfür allerwärmsten Dank. Gott helfe
weiter. Franz Josef.
Die Herzogin von Schleswig-Holtstein-Sonderburg-Augustenburg hat ihre Prüfung
als Helferin in der Kriegskrankenpflege abgelegt.
Kaiser Wilhelm hat dem Großherzog von Baden telegraphiert:
Nimm warmen Glückwunsch zu der hervorragenden Haltung Deiner braven Truppen. Besondere
Anerkennung gebührt den heldenmütigen Landwehr- und Ersatzbrigaden, die im Oberelsaß den vierfach
überlegenen Gegner erfolgreich festgehalten haben. Du kannst stolz sein auf Deine Landeskinder. Gott
sei weiter mit uns. Wilhelm.
Unsere Truppen in Preußen, unter Führung des Generalobersten von Hindenburg haben die von Narew
anrückende russische Armee in Stärke von fünf Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen in einer
dreitägigen Schlacht in der Gegend von Gilgenburg und Ortelsburg geschlagen und verfolgen sie jetzt
über die Grenze.
Kronprinz Rupprecht von Bayern telegraphierte auf die Nachricht vom Tode seines Sohnes dem
König von Bayern in bewundernswerter Seelengröße: Die Pflicht heischt jetzt zu handeln und nicht
zu trauern.
Der Chef des großen Generalstabes hat, wie bekanntgegeben, angeordnet, daß seine sämtlichen englischen,
russischen und japanlschen Orden, die größtenteils Edelsteine enthalten, zugunsten des Roten Kreuzes
verkauft werden sollen.
Der neue Sieg über die Engländer bei St. Quentin ist dadurch zustande gekommen, daß unsere Kavallerie-
48