Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1874. (1)

Beil.  II.  7

Gemäß  Beschlusses  des  k.  Bezirksgerichts  Ansbach  vom  1.  August  1873  wurde  die  bereits
  angeordnete  Zeugenvernehmung  gleichwohl  gepflogen  und  hienach  der  angeregte  Competenzconflict
  vorschriftsmäßig  instruirt.

Am  29.  August  1873  übergab  der  klägerische  Anwalt,  k.  Advokat  Dr.  Berlin  zu
Ansbach,  eine  Denkschrift  zu  den  Acten,  in  welcher  er  die  Anregung  des  Conflictes  zunächst
als  verfrüht  bezeichnete,  eventuell  die  Zuständigkeit  der  Gerichte  auszusprechen  beantragte.

Von  Seite  der  Beklagten  kam  eine  Denkschrift  nicht  ein.

Nach  Aufruf  der  Sache  in  der  heutigen  Sitzung,  in  welcher  von  Seite  der  geladenen
Parteien  Niemand  erschienen  war,  wurde  von  dein  ernannten  Referenten,  Rath  Dr.  A.  v.  Langlois,
  Vortrag  erstattet,  worauf  der  k.  Generalstaatsanwalt  den  motivirten  Antrag  stellte,  die
Gerichte  in  dieser  Sache  für  zuständig  zu  erklären.  Diesem  Antrage  war  aus  nachstehenden
Erwägungen  auch  statt  zu  geben.

Es  ist  ein  Competenzconflict  gegeben,  dessen  Anregung  nicht  als  verfrüht  zu  erachten  ist,
da  durch  Entschließung  der  k.  Regierung  von  Mittelfranken,  Kammer  des  Innern,  vom
31.  Juli  1873  die  Zuständigkeit  in  der  vorliegenden  Sache  für  die  Verwaltungsbehörden  in
Anspruch  genommen  wurde,  nachdem  bereits  unterm  21.  und  25.  Juli  dess.  J.  von  dem  k.  Bezirksgerichte
  Ansbach  auf  Grund  der  Bestimmung  der  Art.  347  bis  350  der  P.-O.  in  derselben
  Sache  und  zwar  unter  ausdrücklicher  Hinweisung  auf  die  Bestimmung  des  Art.  348
Abs.  1  eine  Beweisaufnahme  zum  ewigen  Gedächtnisse  angeordnet  worden  ist.

Was  die  Sache  selbst  betrifft,  so  stützt  sich  das  Gesuch  des  Müllermeisters  Winkler
um  Vernehmung  von  Zeugen  zum  ewigen  Gedächtnisse  auf  die  Behauptung,  daß  der  sich  durch
seinen  Grundbesitz  hinziehende  Weg,  welchen  Schwegler  und  Kirchhof  zur  Abfuhr  ihrer
aus  einem  in  der  Nähe  der  Hohenmühle  gelegenen  Steinbruche  gewonnenen  Producte  benützen,
von  jeher  und  seit  undenklichen  Zeiten  im  Besitze  und  Eigenthume  der  jeweiligen  Mühlbesitzer
gewesen  und  stets  von  denselben  unterhalten  worden,  daß  derselbe  nur  den  Mahlgästen,  anderen
Fuhrwerken  aber  nur  vergünstigungsweise  oder  gegen  Entschädigung  gestattet  worden  sei,  daß
Schwegler  und  Kirchhof  demnach  diesen  Weg  unbefugt  benützen  und  Winkler  sich  daher
genöthigt  sehe,  gegen  dieselben  klagbar  aufzutrcten.

Hienach  beabsichtigt  Winkler  durch  Anrufung  des  Gerichtes  Schutz  seines  Eigenthumes
gegen  Eingriffe  Dritter  und  derselbe  macht  mithin  einen  privatrechtlichen  Anspruch  geltend.

In  Folge  dessen  ist  es  unerheblich,  daß  Schwegler  und  Kirchhof  bei  der  Verwaltungsbehörde
  geltend  machten,  fraglicher  Weg  sei  ein  öffentlicher  Gemeindeweg,  daß  dieselben  in