Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1909. (36)

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Auslieferung.

(1)  Das  Gepäck  wird  gegen  Rückgabe  des  Gepäckscheins  ausgeliefert.  Die  Eisenbahn
ist  nicht  verpflichtet,  die  Berechtigung  des  Inhabers  zu  prüfen.

(2)  Der  Inhaber  ist  berechtigt,  auf  der  Bestimmungsstation  die  Auslieferung  des
Gepäcks  an  der  Ausgabestelle  zu  verlangen,  sobald  nach  Ankunft  des  Zuges,  zu  dem  es
aufgegeben  war,  die  zur  Bereitstellung  und  etwa  zur  zoll=  oder  steueramtlichen  oder  polizeilichen
  Abfertigung  erforderliche  Zeit  abgelaufen  ist.  Müssen  Fahrzeuge,  die  nicht  im
Packwagen  verladen  werden  können,  unterwegs  auf  einen  anderen  Zug  übergehen,  so  kann
ihre  Weiterbeförderung  erst  mit  dem  nächsten  Personenzuge  verlangt  werden.

(3)  Werden  Gepäckstücke  nicht  innerhalb  24  Stunden,  Fahrzeuge  nicht  innerhalb
2  Stunden  nach  Ankunft  des  Zuges  abgeholt,  so  ist  das  tarifmäßige  Lagergeld  oder  Standgeld
  zu  entrichten.  Kommt  das  Fahrzeug  nach  6  Uhr  Abends  an,  so  wird  die  Abholungsfrist
  vom  nächsten  Morgen  8  Uhr  ab  gerechnet.

(4)  In  der  Regel  ist  das  Gepäck  nur  auf  der  Station  auszuliefern,  wohin  es  abgefertigt
war.  Auf  Verlangen  des  Reisenden  kann  es  jedoch,  wenn  Zeit  und  Umstände  dies  gestatten
  und  keine  Zoll-,  Steuer=  oder  Polizeivorschriften  entgegenstehen,  gegen  Rückgabe  des
Gepäckscheins  und  Vorzeigung  der  Fahrkarte  auf  der  Aufgabestation  zurückgegeben  oder  auf
einer  Zwischenstation  ausgeliefert  werden.

(5)  Wird  der  Gepäckschein  nicht  beigebracht,  so  ist  die  Eisenbahn  zur  Auslieferung
des  Gepäcks  nur  verpflichtet,  wenn  die  Empfangsberechtigung  glaubhaft  gemacht  wird;  auch
kann  Sicherheitsleistung  verlangt  werden.

(6)  Der  Reisende,  dem  das  Gepäck  nicht  rechtzeitig  ausgeliefert  wird,  kann  verlangen,
daß  ihm  auf  dem  Gepäckscheine  Tag  und  Stunde  der  Abforderung  bescheinigt  werden.

§  35.
Haftung  der  Eisenbahn  für  Verlust,  Minderung  oder  Beschädigung.

(1)  Für  Reisegepäck  haftet  die  Eisenbahn,  soweit  nicht  in  diesem  Abschnitt  Abweichungen
vorgesehen  sind,  nach  den  Vorschriften  über  die  Haftung  für  Güter  (Abschnitt  VIII).

(2)  Bei  besonderen  Betriebsverhältnissen  kann  die  Eisenbahn  mit  Genehmigung  der
Landesaufsichtsbehörde  nach  Zustimmung  des  Reichs-Eisenbahnamts  die  bei  Verlust,  Minderung
  oder  Beschädigung  von  Reisegepäck  zu  leistende  Entschädigung  im  Tarif  auf  einen
Höchstbetrag  beschränken.  Wegen  Beschränkung  der  Höhe  des  Schadensersatzes  bei  Gegenständen
  des  §  54  Abs.  (2)  B  Ziffer  1  gilt  §  89  Abs.  (2).  Wenn  Vorsatz  oder  grobe  Fahrlässigkeit
  vorliegt,  kann  die  Beschränkung  auf  den  Höchstbetrag  nicht  geltend  gemacht  werden.