Kurze Geschichte der Rheinpfalz. 401
5*#21. Friedrich V (1610 — 1621) unter der Vormundschaft des
Pfalzgrafen Johann II von Pfalz-Simmern zu Zweibrücken. Der
junge Kurfürst vermählte sich 1613 mit Elisabeth, des Königs Jakob 1
von England Tochter, und regierte von 1614 an selbstständig, ##e aber
durch die Annahme der böhmischen Königskrone (1619) sich und sein Land
in unsägliches Elend. Von seinem Vetter Maximilian I1 von Bayern,
dem Haupte der im Jahre 1609 gestifteten Liga, in der Schlacht am weißen
Berge bei Prag (1620) gänzlich geschlagen floh Friedrich V, nachmals der
„Winterkönig“ genannt, über Breslau zu Moritz von Oranien nach Haag,
ward im Januar 1621 geächtet und kam um alle seine Länder. Der unerwartete
Tod Gustav Adolfs, von dessen Gunst und Glück er die Wiedererlangung
wenigstens eines Theiles seiner pfälzischen Lande gehofft, war für
ihn ein solcher Schlag, daß er dreizehn Tage später (29. November 1632)
vor Gram starb. Sein unglückliches Geschick theilten seine dreizehn Kinder.
Der Kurprinz, Heinrich Friedrich, fand 1629 den Tod im Harlemer
Meere vor den Augen des Vaters, als das Schiff, auf dem sie nach England
übersetzen wollten, durch ein größeres überfahren wurde. Der zweite Sohn,
Karl Ludwig, erhielt durch den westphälischen Frieden #r die um die
Aemter an der Bergstraße verkleinerte Rheinpfalz mit der neu gegründeten
achten Kurwürde und dem Erzschatzmeisteramte. Der dritte Sohn, Rupert,
wurde im dreißigjährigen Kriege gefangen, diente dann unter den Königen
Karl 1 und Karl II von England und starb 1682 als Viceadmiral in London.
Der vierte Sohn, Moritz, diente zuerst den Schweden und dann
Karl 1 von England und verunglückte 1652 zur See bei Westindien. Der
fünfte, Eduard, vermählte sich in Frankreich, trat dort zur katholischen
Religion über und starb 1663 in Paris. Der sechste Sohn, Philipp, starb
1650 in lothrinzischen Diensten in der Schlacht bei Rethel. Unter den Töchtern
Friedrichs V ward die jüngste, Sophie, die Stammmutter des jetzigen
königlichen Hauses von Großbritannien, denn als man nach dem Teode der
Königin Anna alle katholischen Glieder der königlichen Familie Stuart vom
englischen Throne ausschloß, wurde Georg I, den Sophie ihrem Gemahle,
dem Kurfürsten Ernst August von Braunschweig-Hannover, geboren hatte, als
Enkel der englischen Prinzessin Elisabeth Stuart auf den Thron von Großbritannien
gerufen.
#622. In der durch den westphälischen Frieden wieder hergestellten
Kurpfalz regierte zuerst Friedrichs V zweitgeborner Sohn, Karl Ludwig
(16 G160, der den zerrütteten Verhältnissen seines Landes durch Sparsamkeit
im Staatshaushalte und durch Herbeiziehung von Auswanderern
aus der Schweiz, aus England, Frankreich und Piemont
aufzuhelfen suchte. Wie sein Vater, so war auch er ein strenger
Verfechter des Calvinismus und erlaubte sich beim Beginne seiner Reierung
große Härte gegen die Lutheraner und Katholiken, baute aber
später zur Einigung der drei Confessionen in Mannheim den sogenannten
„Eintrachtstempel“ (Ecclesia Sanctae Concordiae), der 1679 eingeweiht
wurde. Mit seinem Vetter, dem Kurfürsten Ferdinand Maria von
Bayern") und seinen übrigen Verwandten, selbst mit seiner Gemahlin
Charlotte, einer Tochter Wilhelms V von Hessen-Kassel, lebte er in beständigem
Zwist, ließ sich von dieser 1658 scheiden und heirathete Marie
7) Diesem bestritt Karl Ludwig das Recht des Reichsvikariats,
weil dieses, wie er behauptete, nicht mit der an Maximilian 1 von Bayern
übergegangenen Kurwürde, sondern mit der Pfalzgrafschaft verbunden
sei (ausgeglichen 1724).
Sattler, bayer. Geschichte. 26