234 Zweiter Zeitraum.
Wittenberg den Grundstein zu einem Lutherdenkmal. Auf der Freiheit der
Uberzeugung sollte die Union beruhen, Zwang nicht angewandt werden; aber
fast in allen Gemeinden des Landes und dann auch in anderen deutschen
Staaten, wie in der bayrischen Pfalz, fand das Beispiel des Königs freiwillige
Nachfolge. Erst als der König 1822 seiner unierten Landeskirche
statt der vielen, in den einzelnen Landesteilen bestehenden gottesdienstlichen
Ordnungen eine gemeinsame Agende empfahl, erhob sich lebhafter
Widerspruch, und es bildeten sich neben der unierten Landeskirche mehrere
altlutherische Gemeinden. Auch darin folgte Friedrich Wilhelm dem
Vorbilde seiner Ahnen, daß er verfolgte Protestanten schützte; den bedrängten
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Das Schauspielhaus in Berlin.
Waldensern Sardiniens verschaffte er Erleichterung, 500 Tiroler aus dem
Zillerthale, die wegen religiöser Bedrückung ihre Heimat verlassen mußten,
siedelte er bei Erdmannsdorf in Schlesien an. So bewährte sich Preußen
abermals als Hort des Protestantismus.
Der wichtigen Stellung, welche Kirche und Schule im Staate einnahmen,
entsprach es, daß der König (1817) die Abteilung des Ministeriums des
Innern, welche bis dahin die geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten bearbeitet
hatte, zu einem selbständigen (sechsten) Ministerium der geistlichen,
Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten erhob. Als diesem untergeordnete
Behörden verwalteten die Konsistorien die inneren, die Regierungen
die äußeren Schulangelegenheiten ihres Bezirks; später (1825) wurde die