Volltext : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1908. (74)

—  216  —

6.  Unmittelbar  nach  der  Allgemeinen  Prüfung  und  nach  jeder  einzelnen  Fachprüfung
hat  der  Prüfende  die  Hauptgegenstände  der  Prüfung  zu  vermerken  und  auf  Grund  aller  in
Betracht  kommenden  Leistungen  des  Kandidaten  sein  Urteil  zu  Protokoll  zu  geben.  Wird
die  Allgemeine  Prüfung  für  bestanden  erklärt,  so  sind  die  Leistungen  des  Kandidaten  nach
den  Abstufungen:  Sehr  gut  (1),  Gut  (2a,  2),  Genügend  (3  a,  3)  zu  zensieren.  Nach  jeder
Fachprüfung  ist  zu  Protokoll  zu  geben,  ob  dem  Kandidaten  die  Lehrbefähigung  in  dem  betreffenden
  Fache  und  welcher  Grad  derselben  ihm  zuzuerkennen  ist,  und  in  dem  Falle,  daß
eine  Lehrbefähigung  zuerkannt  wird,  das  Gesamtergebnis  in  dem  Fache  nach  den  Abstufungen:
Sehr  gut  (1),  Gut  (2  a,  2),  Genügend  (Za,  3)  für  die  Lehrbefähigung  ersten  Grades,
Gut  (2a,  2),  Genügend  (3a,  3)  für  die  Lehrbefähigung  zweiten  Grades  zu  zensieren.
Gehen  die  Leistungen  des  Kandidaten  in  einem  Nebenfache  über  die  zu  stellenden  Anforderungen
  erheblich  hinaus,  so  ist  der  Prüfungsausschuß  berechtigt,  ihm  in  dem  betreffenden
Fache  eine  Lehrbefähigung  ersten  Grades  zuzuerkennen  und  entsprechend  zu  zensieren.  Doch
werden  dadurch  etwaige  unzureichende  Leistungen  in  dem  gewählten  Hauptfache  nicht  ausgeglichen.


7.  Tritt  der  Kandidat  während  der  mündlichen  Prüfung  zurück,  so  bleibt  es  dem  Ermessen
  des  Ausschusses  überlassen,  ob  die  Prüfung  für  nicht  bestanden  zu  erklären  oder
dem  Kandidaten  ein  neuer  Termin  für  die  mündliche  Prüfung  zu  bestimmen  ist.

833.
Gesamtergebnis  der  Prüfung.

1.  Nach  dem  Abschlusse  der  gesamten  Prüfung  wird  auf  Grund  der  in  den  Protokollen
  über  das  Ergebnis  der  Allgemeinen  Prüfung  und  der  Fachprüfungen  niedergelegten
Urteile  darüber  entschieden,  ob  der  Kandidat  die  Prüfung  bestanden  oder  nicht  bestanden
hat.  Uber  die  Verhandlung  ist  ein  Protokoll  aufzunehmen,  das  von  den  anwesenden  Ausschußmitgliedern
  zu  unterzeichnen  ist.

2.  Bestanden  hat  der  Kandidat,  wenn  er  in  der  Allgemeinen  Prüfung  mindestens
genügt  und  die  Lehrbefähigung  in  vier  Fächern,  von  denen  wenigstens  eins  ein  Hauptfach
sein  muß  (8  9,2),  nachgewiesen  hat.

Ist  die  Prüfung  bestanden,  so  hat  der  Prüfungsausschuß  zu  erwägen,  ob  nach  dem
gesamten  Ergebnis  der  Prüfung  das  Zeugnis  „Genügend  bestanden"  (3,  3  a),  „Gut
bestanden“  (2,  2  3),  oder  „Mit  Auszeichnung  bestanden“  (1)  zu  erteilen  ist.

3.  Ist  die  Prüfung  nicht  bestanden  oder  einer  nicht  bestandenen  gleichgesetzt  worden,
so  hat  der  Prüfungsausschuß,  sofern  eine  nochmalige  Prüfung  überhaupt  zulässig  ist
(vergl.  §  36),  darüber  zu  entscheiden,  ob  eine  Wiederholung  der  gesamten  Prüfung
(Wiederholungsprüfung)  oder  nur  die  Ergänzung  einzelner  Teile  in  einer  nochmaligen
  Prüfung  (Ergänzungsprüfung,)  zu  fordern  ist.