5. Der Niedergang unter Friedrich Wilhelm II. 157
Friedrich der Große hat Preußen von 2200 Quadratmeilen mit zweieinhalb
Millionen Einwohnern auf 3500 Quadratmeilen mit fast sechs Millionen
Einwohnern und das Heer von 83000 auf 200000 Mann gebracht.
Preußen war durch ihn eine Großmacht geworden. Die Staatseinnahmen
waren verdreifacht, und der Staatsschatz enthielt 150 Millionen
Mark. Im ganzen Lande herrschte unparteiliche Rechtspflege und Gewissensfreiheit,
Landwirtschaft, Handel und Gewerbe blühten. Mit folgenden Worten
schließt Friedrichs Testament: „Meine letzten Wünsche in dem Augenblicke,
wo ich den letzten Hauch von mir gebe, werden der Wohlfahrt dieses Reichs
gelten. Möge es stets mit Gerechtigkeit, Weisheit und Nachdruck regiert
werden; möge es durch die Milde seiner Gesetze der glücklichste, möge es in
Rücksicht auf die Finanzen der am besten verwaltete, möge es durch ein Heer,
das nur nach Ehre und edlem Ruhme strebt, der am tapfersten verteidigte
Staat sein! Omöge Preußen in höchster Blüte bis an das Ende der
Zeiten fortdauern!“
5. Der Aliedergang unter Friedrich ilhelm II.
1286—1797.
1. Die inneren DPerkhälknisse.
Da Friedrichs des Großen Ehe kinderlos und sein ältester Bruder August
Wilhelm (S. 124) bereits verstorben war, so folgte ihm dessen ältester Sohn als
König Friedrich Wilhelm II.
Er war einer der stattlichsten —*
Männer seines Landes, sehr milde "-"—"I"·«-"«-—
und liebenswürdig; daher besaß er
als Prinz die Liebe des Volkes in
hohem Grade; auch seine ersten
Regierungshandlungen zeugten von
großem Wohlwollen und bezweckten,
manche Härten der früheren Regierung
zu mildern. Die in dem —
Arnoldschen Prozeß verurteilteer
Richter wurden für unschuldig erklärt,
die Regie, das Tabaks= und
Kaffeemonopol wurden aufgehoben,
die noch dabei beschäftigten Franzosen
entlassen. Die barbarische ...
Bestrafung der Soldaten wurde Friedrich Wilhelm II.
streng verboten; für die Soldatenkinder
wurde in Potsdam eine Garnisonschule errichtet, den Invaliden Verpflegung
auf Staatskosten zugesichert. Die durch eine Feuersbrunst eingeäscherte
Stadt Küstrin ließ der König auf Staatskosten wieder aufbauen. Deutsche
Sprache, deutsche Gelehrte, Dichter und Künstler kamen am Hofe wieder zu
Ehren; scharenweise strömten Beamte und Bürger wieder zu den Hoffesten.