3. Zerfall der Mark unter den Bayern und Luxemburgern. 13
einen Betrüger, und Ludwig ward von neuem mit der Mark belehnt; doch
zog er sich bald darauf nach Bayern zurück und übertrug die Mark seinen
Brüdern Ludwig und Otto.
Ludwig II., der Römer genannt, weil er in Rom geboren war, ein
thatkräftiger Mann, verdrängte den „falschen Waldemar“, der sich nach Dessau
zurückzog, wo er von den anhaltinischen Fürsten wie ein Fürst gehalten und
demnächst in der Fürstengruft beigesetzt wurde. (Wahrscheinlich ist er ein
Müller Namens Rehbock gewesen und vom Kaiser zu diesem Gaukelspiel verleitet
worden.) Durch die Goldene Bulle wurden auch die Markgrafen
von Brandenburg als Erzkämmerer zu Kurfürsten erhoben, nicht aber die
Herzöge von Bayern, die deshalb sowohl mit dem Kaiser als auch mit ihren
brandenburgischen Vettern in Zwist gerieten. Diese günstige Gelegenheit benutzte
Karl IV. dazu, mit Ludwig und Otto von Brandenburg einen Vertrag
zu schließen, durch welchen Brandenburg nach dem Aussterben seines Fürstenhauses
an die Luxemburger fallen sollte. Nach Ludwigs Tode überließ Otto
der Faule dem Kaiser gegen eine Geldentschädigung die Regierung in der
Mark, und als er sich endlich, von andern Fürsten aufgestachelt, den Schlingen
des Kaisers entziehen wollte, zwang ihn dieser durch ein starkes böhmisches
Heer 1373 zu dem Vertrage von Fürstenwalde, in welchem Otto die
Mark dem Sohne des Kaisers, dem jungen Könige Wenzel von Böhmen,
förmlich abtrat.
Für den minderjährigen Wenzel führte der Kaiser selber die Regierung.
Den Luxemburgern gehörte schon Böhmen, Mähren und Schlesien, die nun
mit Brandenburg und der Lausitz vereinigt ein großes zusammenhängendes
Reich bildeten. Ebenso väterlich, wie früher für seine alten Provinzen, sorgte
Karl IV. jetzt auch für die neue. Solange er lebte, herrschte Ruhe und
Friede in der Mark; den Raubrittern legte er das Handwerk, und mancher
Burgherr wurde an den Bäumen der Landstraße aufgeknüpft. Um für die
Hebung der Landwirtschaft eine sichere Grundlage zu gewinnen, ließ er ein
noch jetzt vorhandenes „Landbuch der Mark“ anlegen, in welchem alle Ortschaften
der Mark, die in denselben wohnenden Besitzer, ihre Grundstücke,
Einkünfte und Abgaben verzeichnet stehen. Zur Hebung des Handels sicherte
und erleichterte er die Schiffahrt auf der Oder und Elbe; am liebsten weilte
er, so oft er sich in der Mark aushielt, in Tangermünde a. d. E., das er
mit prächtigen Bauten — Schloß, Kirche, Rathaus — schmückte und zur
Hauptstadt der Mark zu erheben gedachte. Aber mitten in seiner rastlosen,
für Brandenburg so segensreichen Thätigkeit raffte ihn 1378 der Tod hinweg.
Nach des Vaters Bestimmung sollte Wenzel Böhmen und Schlesien,
der elfjährige Sigismund die Mark und der jüngste Sohn Johann die
Neumark und die Lausitz erhalten.
Sigismund (1378—1415) war ein ritterlicher, aber leichtsinniger,
verschwenderischer Fürst, der sich um die Mark nicht kümmern konnte oder
mochte; während seiner ganzen Regierungszeit hat er sie nur einmal besucht.
Meistens hielt er sich an dem Hofe des Königs von Ungarn und Polen auf,
mit dessen ältester Tochter er sich (1387) vermählte, um die Krone von Ungarn
zu erlangen. Die Mark ließ er von herzlosen Statthaltern verwalten, die für