3. Zerfall der Mark unter den Bayern und Luxemburgern. 11
zahlten nur geringe Abgaben und waren persönlich frei. Die Städte blühten
hauptsächlich durch den Zwischenhandel; gegen die Kunsterzeugnisse des Westens
tauschten sie die Naturerzeugnisse des Ostens ein: Getreide, Talg, Honig,
Wachs, Bernstein, Pelzwerk. Viele märkische Städte schlofsen sich der Hansa
an; sie bildeten darin mit den mecklenburgischen,
pommerschen und schlesischen Städten zusammen das
wendische Quartier, dessen Vorort das mächtige Lübeck
war. Manche Städte erlangten weitgehende Rechte:
die Selbstverwaltung und den Blutbann, d. i. das
Recht der Todesstrafe. Die Gesamtheit dieser Rechte
stellte man sinnbildlich durch einen Roland dar, den
man neben dem Rathause errichtete.
5. Serfall der Mark unter den Bapern
und Luxemburgern.-Mit
dem Aussterben der Askanier begann für
Brandenburg eine trübe Zeit. Vier Jahre blieb es
herrenlos, und von allen Seiten fielen die Nachbarfürsten
darüber her, um Stücke des Landes an sich zu
reißen: Mecklenburg nahm die Prignitz, Pommern
die Uckermark, Böhmen die Oberlausitz. Der Kaiser
konnte sich der Mark nicht annehmen; denn gerade
damals stritten sich Ludwig IV. von Bayern und
Friedrich von Österreich um die Kaiserkrone. Nachdem
aber Ludwig seinen Gegner 1322 bei Mühldorf besiegt
hatte, erklärte er die Mark für ein erledigtes
Reichslehen und belehnte damit 1323 seinen Sohn
Ludwig den Alteren, verwaltete sie indes während
dessen Minderjährigkeit selber. Aber der Papst wollte
Ludwig nicht als Kaiser anerkennen, sondern that ihn
in den Bann, löste die Brandenburger von dem ihrem
jungen Kurfürsten geleisteten Eide und rief die Polen
und die Litauer in die Mark. Wie verheerende Meereswogen
wälzten sich ihre wilden Scharen in die Neumark,
Mord, Brand, Raub und Schändung überall
hintragend; 150 Dörfer gingen samt ihren Kirchen
und Klöstern in Flammen auf, und 6000 Menschen
wurden als Sklaven von dannen geschleppt. Endlich—— «
ermannten sich die Ritter und Städter der Mark, Roland in Stendal.
vereinigten sich mit dem Heere des Markgrafen und
trieben die Feinde aus dem Lande. Dann wandte sich die Wut der Märker
gegen die Priester, welche es mit dem Papste hielten. In Berlin wurde der
Propst aus Bernau erschlagen und die Leiche an der Stätte des Hochgerichts
verbrannt, die Frankfurter verheerten das Gebiet des Bischofs von Lebus
und hielten ihn selber ein Jahr lang in enger Haft; dafür belegte der Papst