12 Erster Zeitraum.
beide Städte mit dem Interdikt, von dem sie sich erst nach Jahren mit hohen
Summen loskauften. Die Berliner mußten außerdem in der Marienkirche
einen Altar errichten, an welchem ein dazu angestellter Priester für die Seele
des Erschlagenen Messe lesen sollte, und an dem Orte der Blutthat selber
ein steinernes Kreuz mit einer ewigen Lampe aufstellen, das die Nachkommen
noch lange an die Strafe der Kirche erinnerte.
Die Not der Mark nutzten die Nachbarn zu ihrem Vorteil aus. Ludwig
vermochte nur wenige der verloren gegangenen Gebiete zurückzubringen; er
mußte sogar auf die Lehnshoheit in Pommern verzichten und sich mit der
Anwartschaft begnügen. Durch seine Ländergier zog er sich die offene Feindschaft
der Luxemburger zu, die schon lange insgeheim gegen ihn gearbeitet
hatten. Der Böhmenkönig Johann aus dem Hause Luxemburg hatte seinen
Sohn Johann mit Margarete Maultasch, der reichen Erbin von Kärnten
und Tirol, vermählt. Da die Ehe nicht glücklich war, trennte sie der Kaiser
unter Nichtachtung der bestehenden Kirchengesetze auf Margaretes Wunsch und
genehmigte die Verheiratung der Geschiedenen mit seinem eigenen Sohne
Ludwig, dem Markgrafen von Brandenburg. Dafür traf ihn abermals der
Bannstrahl des Papstes. Die Luxemburger verwüsteten die Mark und Tirol und
bewirkten, daß Ludwig abgesetzt und Karl, der Sohn des Königs von Böhmen,
als Karl IV. zum Kaiser gewählt wurde. Der Kampf war noch nicht entschieden,
als Ludwig IV. plötzlich auf der Bärenjagd, vom Schlage getroffen, starb.
Markgraf Ludwig der Altere hatte nach dem Tode seines Vaters einen
schweren Stand. Die Liebe der Brandenburger wußte er nicht zu gewinnen:
er war unfreundlich, verachtete die Mark und ihre Bewohner, hatte für ihre
Klagen kein Ohr und kam fast nur zu ihnen, um Geld zu fordern. Zu
Hofbeamten und Vögten nahm er fast nur Bayern oder Tiroler. Weite
Strecken der Mark waren verwüstet, Naubwesen und Faustrecht im Schwange;
dazu raffte (134 8) eine entsetzliche Pest, der Schwarze Tod, Tausende von
Menschen dahin. Voll Sehnsucht gedachten daher die Brandenburger der
Zeit Waldemars. Plötzlich erscholl die Kunde durch das Land: „Waldemar
ist wieder dal“ Beim Erzbischof von Magdeburg erschien nämlich 1348 ein
alter Pilger und sagte: „Ich bin Markgraf Waldemar. Zur Buße für ein
Vergehen bin ich nach Jerusalem gepilgert und jetzt zurückgekehrt, um mein
armes Land zu erlösen.“ Der Erzbischof und viele andere Fürsten, namentlich
die anhaltinischen, die er zu seinen Nachfolgern ernannte, erkannten ihn an;
auch der Kaiser ließ ihn durch ein Fürstengericht für den echten Waldemar
erklären, belehnte ihn mit der Mark und unterstützte ihn gegen Ludwig.
Dafür trat sein Schützling die Lausitz an Böhmen ab. Auch das Volk fiel
ihm fast überall zu; denn er glich dem geliebten Waldemar nach Gestalt und
Sinnesart und verschenkte freigebig Rechte und Freiheiten. Doch blieben auch
manche Städte wie Frankfurt, Spandau, Brietzen (daher seitdem Treuenbrietzen
genannt), Bärwalde und Mittenwalde Ludwig treu. Als dieser und seine Anhänger
aber in Günther von Schwarzburg einen Gegenkaiser aufstellten, hielt es
Karl für geratener, sich die Kaiserkrone zu sichern, und schloß mit dem Markgrafen
Ludwig einen Vertrag, in welchem er diesen als rechtmäßigen Herrn
von Brandenburg anerkannte. Ein neues Fürstengericht erklärte Waldemar für