als einem Beschlusse der Verbündeten im Haag zu Folge der Oberbefehl an
Friedrich III. übergehen sollte, weigerte sich ein Theil der Reichstruppen ihm
zu gehorchen. Ueberhaupt bietet das Reichskriegswesen in jener Zeit ein Bild
der traurigsten Verwirrung. Fast jeder Reichsstand machte Bedingungen, unter
welchen er nur Kriegshülfe leisten wollte, ja die rheinischen Städte weigerten
sich geradezu, dem Befehle des Kaisers, nach welchem sie dem Kurfürsten das
nöthige Geschütz nach Coblenz bringen sollten, Folge zu leisten. In Wien selbst
sah man ein, daß unter solchen Umständen nichts zu leisten war; wenigstens
erklärte ein kaiserlicher Minister sehr naiv, daß bei der obwaltenden Verwirrung nur
Gott helfen könne. Der Hauptgrund des Uebels lag jedoch darin, daß man
in Wien über den österreichischen Interessen die deutschen jedenfalls Preis
gab, weil man damals den Schwerpunkt der habsburgischen Macht auf einer
andern Seite suchte. Dies sahen auch die Bundesgenossen ein, und selbst der
spanische Gesandte äußerte geradezu: „der Kaiser habe Käthe, die wenig darnach
fragten, ob ganz Deutschland zu Grunde gehe, wenn nur in Ungarn
eine elende Hütte erobert würdes".
Während es auf Seiten der Verbündeten an jeder Einheit in den Kriegsplänen,
so wie an einem tüchtigen Oberbefehlshaber, dem hinreichende Mittel
zu Gebote standen und dem vor allen Dingen nothwendiger Gehorsam geleistet
wurde, fehlte, entwickelte der Kriegsminister Louvois eine ebenso kraftvolle als
umfassende Thätigkeit. An der Spitze der vortrefflich ausgerüsteten und geübten
Truppen standen ausgezeichnete, in den vorangehenden siegreichen Feldzügen
gebildete und deshalb mit Zuversicht auf ihre Unternehmungen erfüllte Feldherrn.
Der Marschall von Luremburg, welcher für den bedeutendsten Befehlshaber
aus der Schule Condé's und Turenne's gehalten wurde, leitete die französischen
Truppen in den Niederlanden; mit ihm wetteiferte Catinat in Italien, bald
auch der Herzog von Vendome in Spanien. Nicht minderen Ruhm als sie
erlangte der Admiral Tourville zur See. Im Juli 1690 siegte letzterer über
eine englisch-holländische Flotte bei der Insel Wight, während das Reichsheer
unter dem Fürsten von Waldeck bei Fleurüs dem Marschall von Luremburg
erlag. Einen Monat später vernichtete Catinat den Herzog von Savoyen bei
Staffarda und eroberte das Land dieses für den Besitz Norditaliens so nützlichen
Bundesgenossen.
Die brandenburgischen Truppen hatten nicht der Schlacht bei Fleurüs
beigewohnt, was ihnen von den Holländern hart vorgeworfen wurde, doch war
Friedrich 1II. ohne Schuld, da man ihm troß seiner dringenden Vorstellungen
die Winterquartiere auf dem rechten Rheinufer, statt in der Nähe des Kriegsschauplatzes
angewiesen, und dadurch eine schnellere Mitwirkung unmöglich gemacht
hatte. Des Kurfürsten persönliche Gegenwart, der jetzt in Wesel erschien, übte
wenigstens den Einfluß auf die Kriegsbegebenheiten aus, daß der spanische
Statthalter der Niederlande, in gerechter Besorgniß für den Besitz seines Königs
mit ihm einen Vertrag abschloß, nach welchem sich letzterer verpflichtete, für