210 Zweiter Zeitraum.
schreiten; deshalb trat die Armee am Nachmittage den Rückzug an. Aber
nur eine Landstraße stand ihr offen; daher mußten die meisten Truppen auf
Umwegen das Gebirge zu erreichen suchen, bald waren auch diese vollgepfropft
und nirgends ein Durchkommen mehr. Glücklicherweise kehrte Napoleon, der
den Feind für verloren hielt, nach Dresden zurück; Vandamme aber eilte
weiter, um vor den Verbündeten im Teplitzer Thale anzukommen und ihnen
den Rückzug abzuschneiden. Schon hatte er die Elbe überschritten und die
Straße Pirna-Teplitz erreicht, da kamen ihm in dem Ausgange des Passes
bei Kulm (29. August) 15000 Russen entgegen, die den Kampf anfangs gegen
die mehr als doppelte Ubermacht nicht aufzunehmen wagten, aber von
Friedrich Wilhelm ermutigt den ganzen Tag tapfer aushielten; erst gegen
Abend bekamen sie Verstärkung durch österreichische Truppen. Der König
von Preußen sandte dem General Kleist den Befehl, er solle quer über den
Kamm des Gebirges die Teplitzer Straße zu erreichen suchen und den Franzosen
in den Rücken fallen. Mit großer Kühnheit führte Kleist diesen
Befehl aus. Vandamme wußte nichts von Napoleons Umkehr und griff am
folgenden Morgen im Vertrauen auf die ihm nachrückenden Korps wieder
an, wurde aber zurückgeworfen und war ganz überrascht, bei Nollendorf
auf das Kleistsche Korps zu treffen. Nach verzweiflungsvollem Kampfe wurde
er mit 9000 Mann gefangen genommen. Nur mit Mühe rettete man den
Peiniger Norddeutschlands vor den Fäusten preußischer Soldaten. So war
die Niederlage von Dresden wieder wettgemacht, der Mut auch der Hauptarmee
wieder gehoben. Kleist aber erhielt später von seinem Könige den
Ehrennamen von Nollendorf.
Napoleon hatte die Absicht, selber gegen Berlin zu ziehen; als er aber
Macdonalds Niederlage erfuhr, sandte er Ney, „den Tapfersten der Tapferen“,
gegen die Hauptstadt ab und zog selber nach der Lausitz, um Blücher zur
Schlacht herauszufordern. Ney brach von Wittenberg auf. In der Ebene
von Jüterbog griff ihn Tauentzien mit seinen Preußen am 6. September
an, gleichzeitig faßte ihn Bülow bei Dennewis in der linken Flanke, und
beide vereint schlugen ohne Bernadottes Hilfe, ja gegen dessen Wunsch, den
an Zahl überlegenen Feind zurück. Auch hier wetteiferte die Landwehr
mit den Linientruppen, aber auch hier kämpften Deutsche gegen Deutsche.
Besonders die Sachsen hatten sich tapfer geschlagen; zum Dank dafür bezichtigte
sie Napoleon der Feigheit und erbitterte dadurch dies Volk gegen sich. Schon
gleich nach der Schlacht ging ein sächsisches Bataillon zu den Preußen über.
Nach diesen aufreibenden Kämpfen ruhten die Schwerter der Krieger
einige Tage; desto eifriger arbeiteten die Federn der Diplomaten. Noch
einmal versprachen die verbündeten Fürsten in Teplitz einander, sich mit
Napoleon nicht in Verhandlungen einzulassen und die Waffen nicht eher
niederzulegen, bis Preußen und Osterreich in dem Umfange von 1805 wieder
hergestellt seien. Im Widerspruch damit benutzte Fürst Metternich die ihm
erteilte Vollmacht dazu, mit dem Königreich Bayern (10. Oktober) den Vertrag
zu Ried abzuschließen, durch den er dieser Napoleonischen Schöpfung ihren
Besitzstand mit Enischluß der uralten hohenzollernschen Besitzungen Ansbach und
Baireuth zusicherte, wofür Osterreich Salzburg und Tirol zurück erhielt. Na-