Contents : Unser Preußen.

7.  Erhebung  Preußens  zu  einem  Verfassungsstaate  unter  Friedrich  Wilhelm  IV.  243.

und  preußischen  Abgeordneten  wurden  abgerufen;  seitdem  hatten  die  Demokraten
  die  Oberhand.  An  mehreren  Orten  trieben  sie  das  Volk  zum  Aufstande,
  um  dadurch  die  Regierungen  zur  Annahme  der  Reichsverfassung  zu
zwingen;  aber  preußische  Truppen  stellten  überall  die  Ordnung  bald  wieder
her.  Die  württembergische  Regierung  löste  das  „Rumpfparlament“  zu
Stuttgart  —  den  letzten  demokratischen  Rest  der  Frankfurter  Versammlung  —
auf;  der  Reichsverweser  legte  sein  Amt  nieder.  Durch  Bewilligung  der
Nationalversammlung  und  aus  freiwilligen  Gaben  war  auch  eine  deutsche
Flotte  beschafft  worden,  die  aber  infolge  Geldmangels  gänzlich  verfiel  und
(1852)  im  Auftrage  des  Deutschen  Bundes  versteigert  wurdel

3.  Ruswärkige  Derkältnisse.

Die  Revolutionsstürme  erschütterten  Preußen  nicht  nur  im  Innern  aufs
heftigste,  sondern  brachten  ihm  auch  durch  Verwickelung  in  auswärtige  Verhältnisse
  eine  tiefe  Demütigung,  zunächst  in  der  schleswig-holsteinischen
Frage.  ·

Das  Grenzland  Schleswig-Holstein  hat  in  eigentümlicher  Weise  jahrhundertelang
  sowohl  zu  Deutschland  wie  zu  Pänemark  gehört.  Nachdem  während  der  Völkerwanderung
  Angeln  und  Sachsen  von  hier  nach  England  gezogen  waren,  rückten  vom
Norden  die  Dänen,  vom  Südosten  die  wendischen  Obotriten  und  Wagrier  in  die
verlassenen  Wohnsitze  ein,  während  im  Westen  die  Friesen  sich  behaupteten.  Karl
der  Große  gewann  das  Land  bis  zur  Eider  zurück  und  errichtete  an  der  Elbe  die
feste  Hammaburg.  Ansgar  predigte  hier  die  christliche  Lehre,  doch  nur  mit  geringem
Erfolge;  das  für  ihn  gegründete  Erzbistum  Hamburg  mußte  wieder  aufgegeben
werden.  Heinrich  1.  erweiterte  das  deutsche  Gebiet  durch  Einrichtung  der  Mark
Schleswig  zwischen  Eider  und  Schlei,  infolgedessen  die  Dänen  sich  durch  Aufwerfen
eines  starken  Grenzwalles,  des  späteren  Danewerks,  gegen  das  weitere  Vordringen
der  Deutschen  zu  schützen  suchten.  Unter  den  fränkischen  Kaisern  ging  die  Mark
Schleswig  wieder  verloren;  das  Land  südlich  von  der  Eider  aber  blieb  deutsch  und
umfaßte  Stormarn  an  der  Elbe,  Dithmarsen  an  der  Nordsee  und  das  Gebiet  der
Holsten  (Holtsaten  d.  i.  Waldbewohner).  Das  Deutschtum  machte  erst  wieder  Fortschritte,
  als  Kaiser  Lothar  1110  dem  Grafen  Adolf  von  Schaumburg  Holstein  nebst
Stormarn  als  Lehen  übertrug.  Die  Schaumburger  haben  Lübeck  gegründet,  Wagrien
mit  Holstein  vereinigt  und  in  ihrem  Gebiete  dem  Christentum  und  dem  Deutschtum
zur  Herrschaft  verholfen.  Als  der  Dänenkönig  Waldemar  II.  das  neue  Leben  im
Keime  zu  ersticken  suchte,  besiegten  ihn  die  vereinigten  Sachsen,  Rellsteiner,  Mecklenburger
  und  Lübecker  1227  bei  Bornhöved  (südlich  von  Plön)  vollständig.  Schleswig
stand  unter  einem  besonderen  Herzog  aus  dem  dänischen  Königshause;  als  das  herzogliche
  Haus  ausstarb,  belehnte  der  dänische  König  1440  den  Grafen  Adolf  VIII.
von  Holstein  mit  Schleswig.  Mit  Adolf  erlosch  das  Schaumburger  Haus;  die
schleswig-holsteinischen  Stände  wählten  deshalb  1460  seinen  Schwestersohn,  den  Grafen
Christian  von  Oldenburg,  der  auch  König  von  Dänemark  war,  zu  ihrem  Herzog  und
zwar  unter  der  Bedingung,  daß  Schleswig  und  Holstein  nie  getrennt  und  zu  Beamten
nur  Landeskinder  genommen  werden  sollten.  Der  König  von  Dänemark  suchte  auch
die  Dithmarsen  zu  unterwerfen;  die  freien  Bauern  vernichteten  zwar,  unterstützt  durch
die  Natur  ihres  Landes,  die  Blüte  des  dänischen  und  schleswig  holsteinischen  Adels
bei  Hemmingstedt  (1500),  auf  die  Dauer  aber  vermochten  sie  der  erstarkenden  Königsund
  Fürstenmacht  nicht  zu  widerstehen:  1559  wurden  sie  unterworfen.  Die  Reformation
  fand  unter  Bugenhagens  Mitwirkung  leicht  und  rasch  Eingang;  sie  vermittelte
aufs  neue  den  geistigen  Zusammenhang  mit  Deutschland.  Der  Dreißigjährige,  der
schwedisch-volnische  und  der  Nordische  Krieg  haben  Schleswig-Holstein  in  Mitleidenschaft
  gezogen;  dazu  wurde  die  Westküste  wiederholt  von  heftigen  Sturmfluten  heimgesucht,
  1634  die  Insel  Nordstrand  fast  ganz  von  den  Fluten  verschlungen.  Weil  der

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