Full text : Die Frau als Hausärztin.

156  Kleidung.

seine  Macht  in  der  Eitelkeit  der  Frauen  begründet  ist  und  daß  der  Kampf
darum  so  sehr  verlängert  und  erschwert  wird.  Sie  wissen,  daß  die  schmale
Mitte  ihre  weiblichen  Reize  besser  hervortreten  läßt,  daß  die  Brüste  voller
erscheinen,  wenn  sie  gehoben  werden,  die  Hüften  runder,  kräftiger,  wenn  die
obere  Gegend  schmal  erscheint.  Daß  vielen  Frauen  die  kokette  Berechnung,
die  in  solcher  Bekleidungsart  liegt,  nicht  bewußt  ist,  soll  gleich  hinzugesetzt
werden;  ja,  sie  wenden  sich  entrüstet  und  schamerrötend  ab,  wenn  man  ihnen
sagt,  sie  heben  künstlich  Becken
«  und  Brüste  hervor,  um  reizend
««  auf  das  andere  Geschlecht  zu  wir-1
  „  ken.  Gerade  auf  jene  Franen,  die
4à  »·  dies  aus  Stolz  und  echter  Frauen-"
  würde  nie  mit  Bewußtsein  tun
«  würden,  wollen  wir  Einfluß  gewinnen,
  sie  wollen  wir  ermutigen,  für
Abschaffung  einer  Kleidertracht  ein-L;
  zutreten,  die  mit  dem  Bewußtsein
.  ise  der  selbständigen  Frau  der  Zukunft
6  ’"""  nicht  mehr  übereinstimmt.  Solange
wir  uns  immer  noch  bemühen,  als
—  »«.  Geschlechtswesen  hervorzutreten,
r  GC□  dirfen  wir  uns  nicht  wundern,
«  «vomManneinersterLinienicht
«""nachunseremgeistigenWert,sondern
  nach  unseren  körperlichen
Vorzügen  gemessen  zu  werden.

Es  sei  jedoch  damit  keineswegs

  gesagt,  daß  wir  uns  des-»

  halb  verunschönen  sollen,  im  Gee

  *-  genteil!  Für  eine  edlere,  auf  ge-—n“——33

  sunden  und  wahren  Verhältnissen

aufgebaute  Schönheitspflege

wollen  wir  eintreten  und  für  diese  Verständnis  erwecken.  Im  nächsten  Kapitel

über  die  Schönheit  wollen  wir  unseren  Standpunkt  noch  näher  begründen
und  erläutern.

Wir  wünschen  also  eine  schönere,  aber  keuschere  Frauenkleidung  einzuführen
  und  verweisen  darum  abermals  auf  Fig.  a—-  der  auf  Seite  155
abgebildeten  Frauentrachten.  Man  betrachte  sie  recht  lange!  In  den  faltigen
Gewändern,  richtig  jeder  Figur  angepaßt,  kommt  die  natürliche  Schönheit
des  weiblichen  Körpers  viel  mehr  zur  Geltung;  bei  jeder  Bewegung  entwickelt
sich  ein  neuer  Faltenwurf;  die  Gestalt  ist  verhüllt  und  dennoch  freier  als  in
festgebundenen  Röcken  und  im  eng  anliegenden  Korsett.