1. Die Vorzeit. 3
gegen die südlicher wohnenden wendischen Stämme zog, unterwarfen sächsische
Grafen die Wenden nördlich von der Havel. So vernichtete Markgraf
Bernhard 929 bei Lenzen ein Heer der Redarier, wobei 100000 Wenden
umgekommen sein sollen. Heinrich selber unterwarf von dem Lande der Daleminzier
aus, wo er die Feste Meißen gegründet hatte, die heutige Lausitz.
Heinrichs Sohn Otto der Große (936—973) führte den Kampf gegen
die Wenden eifrig fort, die jede Bedrängnis des Königs benutzten, sich freizumachen.
Er setzte an der Unterelbe Hermann Billing, an der mittleren
Elbe Gero als Markgrafen ein; besonders der letztere lag in fast
beständigem Kriege mit den Wenden. Er war ein erfahrener, aber harter
Kriegsmann, doch gottesfürchtig im Sinne seiner Zeit und der Kirche ergeben.
Noch gefahrvoller als der offene Kampf war die List und Treulosigkeit der
Wenden. Einst machten sie einen Anschlag auf sein Leben; sie wollten sich
freundlich zu ihm stellen und ihn, wenn er sich sicher dünke, überfallen. Doch
er war listiger als sie: er lud dreißig ihrer Häuptlinge zur Tafel und ließ
sie, als sie vom Weine berauscht waren, niedermachen. Diese Blutthat rief
einen allgemeinen Aufstand der Wenden hervor; doch Gero warf jeden Widerstand
zu Boden, und jetzt folgten einige Jahre der Ruhe. Als aber Otto
gegen seinen eigenen Sohn Ludolf und seinen Schwiegersohn Konrad Krieg
führen mußte, fielen nicht nur die Ungarn ins Reich ein, sondern auch die
Wenden erhoben sich wieder. Sobald Otto die Ungarn 955 auf dem Lechfelde
geschlagen hatte, eilte er über die Elbe und drang bis zur Rekenitz
im heutigen Mecklenburg vor. Auch später mußte er seinem Markgrafen noch
oft zur Hilfe eilen. Da er einsah, daß er mit Gewalt nie ein friedliches
Verhältnis zwischen Slaven und Deutschen erzielen werde, so begann er eine
umfassende Missionsthätigkeit unter den Wenden. Er errichtete die Bistümer
Havelberg, Brandenburg, Merseburg, Zeitz und Meißen, die er dem
ebenfalls von ihm 968 ins Leben gerufenen Erzbistum Magdeburg unterordnete.
Gero, der seine beiden Söhne und seinen Neffen früh verloren
hatte, war endlich des blutigen Kriegshandwerks müde. Er wanderte als
Pilger nach Rom, legte seine siegreichen Waffen am Grabe des heiligen Petrus
nieder und schenkte sein ganzes Vermögen dem von jehm gestifteten Nonnenkloster
und der von ihm errichteten Kirche zu Gernrode bei Quedlinburg,
wo er auch (965) seine Ruhestätte gefunden hat.
Nach Geros Tode teilte Otto das eroberte Wendenland in drei Marken:
in die Nordmark (später Altmark) vom Harz bis zur unteren Havel, die
Gauf itz oder Ostmark und die Mark Meißen und setzte über jede einen
rafen.
Aber die Wenden hatten die Taufe nur gezwungen angenommen und
trugen die deutsche Fremdherrschaft nur mit verbissenem Groll. Daher erhoben
sich (983) die Obotriten und Lutizen bei der Nachricht von einer
Niederlage Ottos II. in Italien. Es gelang ihnen, die deutsche Herrschaft
abzuschütteln; dann unterdrückten sie auch das Christentum in ihrem Lande
wieder. Sie ermordeten die Geistlichen, plünderten und verwüsteten die Kirchen
und drangen mit Feuer und Schwert über die Elbe vor. Zwar gelang es
den Sachsen, sie zurückzutreiben; aber zwischen Elbe und Oder lebten die
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