342 Dritter Zeitraum.
der chinesischen Küste: mit einem Hoch auf Kaiser und Reich sank die Besatzung
in die Fluten!") Dem Schutz unserer Küsten dient auch der 1895
eröffnete Kaiser-Wilhelm-Kanal. .
Die Kolonialpolitik hat der Kaiser mit Eifer fortgeführt. Als die
arabischen Sklavenhändler in Ostafrika, denen durch die deutsche Kolonialverwaltung
das Handwerk gelegt wurde, einen Aufstand erregten, sandte das
Deutsche Reich den bewährten Afrikakenner Wißmann mit einer Schutztruppe
dorthin; englische und deutsche Schiffe blockierten die Küste, und mit Hilfe
der Besatzung deutscher Kriegsschiffe gelang es Wißmann 1889/90, den Aufstand
zu unterdrücken. Bei der Niederwerfung eines Aufstandes in Südwestafrika
geriet der gefährlichste Gegner, der Hottentottenhäuptling Hendrik
Witboi, in deutsche Gefangenschaft
und wurde scheinbar ein
Freund der Deutschen. Aber
bei einem Aufstande der Herero
(1903) fiel auch er wieder ab;
Hunderte deutscher Krieger und
Kolonisten sind der Hinterlist
und Grausamkeit der Eingeborenen
sowie der Unwirtlichkeit
des Landes zum Opfer
gefallen; aber noch immer ist
der schwer zu fassende Feind
nicht überwunden. In den
übrigen Kolonien herrschen im
ganzen geordnete Zustände.
Die Schutztruppen sorgen für
— 1 .«- Sicherheit, deutsche Postäniter
I/"D, und selbst kurze Eisenbahn-“M
strecken dienen dem Verkehr
74 im Lande, während die vom
Prinz Heinrich. Reich unterstützten Dampferfahrten
des Bremer Lloyd den
Verkehr mit dem Mutterlande vermitteln. Schon viele Millionen deutschen
Kapitals sind in den Kolonien zur Anlage von Faktoreien und Plantagen
verwandt.
Als 1897 in Süd-Schantung zwei deutsche Missionare ermordet wurden,
ließ der Kaiser zur Sühnung dieser Bluttat ein Geschwader in die Kiautschoun-Bai
einlaufen und sandte gleich darauf seinen einzigen Bruder, den
Prinzen Heinrich, mit einem zweiten Geschwader dorthin. Schon vor dessen
Landung hatte China dem Deutschen Reiche die Bucht von Kiautschou nebst
dem sie umgrenzenden kohlenreichen Gebiete von etwa 500 qcklmm auf 99 Jahre
—“
*) Vgl. hierzu: Der Freiwillige des „Iltis“. Erzählung für die reifere
Iugend von Kart Tanera. Mit vielen Abbildungen von E. Zimmer. 3. Auflage.
leipzig, Ferdinand Hirt & Sohn.