60 Zweiter Zeitraum.
holländische und dänische Schiffe erschienen in der Ostsee, die ein schwedisches
Meer zu werden drohte; die Russen, die damals ganz von der Ostsee abgedrängt
waren, fielen in Livland ein; dazu rüstete auch der Kaiser gegen
Schweden. Die Polen sammelten sich wieder und eroberten Warschau abermals
zurück; die Tataren verheerten Preußen und bedrohten sogar Berlin.
Der Kurfürst wünschte daher, von dem gefährlichen, ihm aufgedrungenen
Bündnis loszukommen, Karl Gustav aber bot alles auf, ihn festzuhalten, und
erkannte ihn 1656 in dem Vertrage zu Labian als unabhängigen
Herzog von Preußen an. Als nun der Kaiser ein Heer in Schlesien einrücken
ließ und die Dänen in das Herzogtum Bremen sowie in Holstein einfielen,
mußte der Schwedenkönig Polen aufgeben und an die Weser eilen.
Gegen den Kurfürsten war er längst mißtrauisch geworden, und auf seinem
Durchzuge durch die Mark hauste er dort wie im Feindeslande. Friedrich
Wilhelm war weder geneigt noch imstande, den Kampf gegen Schwedens
Feinde im Osten allein auf sich zu nehmen, sondern stand schon in Unterhandlung
mit den Polen, von denen die Neumark hart bedrängt wurde. Er
verlangte die Anerkennung seiner Unabhängigkeit in Preußen; Johann Kasimir
fürchtete die Uberlegenheit der schwedisch- brandenburgischen Waffen, dazu trat
der Kaiser für den Kurfürsten ein, dessen Stimme er für die nächste Kaiser--wahl
gewinnen wollte, und so kam es 1657 zu dem Vertrage zu Wehlau,
in welchem auch Polen den Kurfürsten als unabhängigen Herzog von Preußen
anerkannte. Inzwischen errang Karl Gustav Sieg auf Sieg, er vertrieb die
Dänen aus dem Herzogtum Bremen, gewann im Fluge Holstein, Schleswig
und Jütland, setzte über die gefrorenen Belte, rückte gegen Kopenhagen vor
und gewährte den Dänen den Frieden nur gegen Abtretung mehrerer Gebiete.
Dem Kurfürsten schwur er bittere Rache und begann sofort zu rüsten. Friedrich
Wilhelm versuchte, auch andere deutsche Fürsten gegen die Schweden aufzurufen,
um diese aus ihren deutschen Besitzungen zu verdrängen. In einer Denkschrift
an die „Christlichen Deutschen“ schrieb er: „Wir sind mit dem
letzten Kriege schier Dienstknechte fremder Nationen geworden; was sind Rhein,
Weser, Elbe, Oderstrom anders als fremder Nationen Gefangene? Was ist
unsere Freiheit mehr, als daß andere damit spielen? Gedenke ein jeder, der
kein schwedisches Brot essen will, was er für die Ehre des deutschen Namens
zu thun habe, um sich gegen sein eigenes Blut und sein einst vor allen
Nationen berühmtes Vaterland nicht zu versündigen! Gedenke, daß du ein
Deutscher bist!“ Vergebens! Mehrere deutsche Fürsten schlossen sich sogar
Frankreich an; drei Kurfürsten wollten nach dem Tode Kaiser Ferdinands I.
(1637—1657) den unter französischem Einfluß stehenden Kurfürsten von
Bayern wählen, drei waren für die Wahl eines Habsburgers, die Stimme
Friedrich Wilhelms gab den Ausschlag. Um seine Stimme zu gewinnen,
schloß Osterreich daher mit ihm ein Bündnis, und Ferdinands Sohn, Leopold 1.
(1658 —1705), wurde gewählt.
Plötzlich fiel Karl Gustav wieder Dänemark an und belagerte Kopenhagen.
Allein diese Stadt schlug alle Angriffe heldenmütig ab; Osterreicher
und Brandenburger rückten bis Jütland vor; das Kriegsglück schien die
Schweden verlassen zu haben. Da nahmen sich ihrer die Holländer und