Metadaten : Ein Volk in Waffen.

Begleitet  von  dem  liebenswürdigen  Konsul  Petri  reiste  ich  am

20.  Oktober  mit  besonderer  Erlaubnis  des  Generalgouverneurs
nach  Ostende  ab.  Es  war  trübes  Wetter,  Regen,  und  schwere,
schwarze  Wolken  hingen  über  dem  flachen  Lande.
Znun  Gent,  das  völlig  unbeschädigt  war,  übernachteten  wir.
Die  Stadt  hatte  ihr  gewöhnliches  Aussehen,  die  Straßenbahnen
waren  in  Betrieb,  alle  Geschäfte  offen  und  viele  Menschen  unterwegs
  trotz  des  schlimmen  Wetters;  nur  die  zahlreichen  deutschen
Uniformen  verrieten,  was  geschehen  war.

Durch  das  berühmte,  altertümliche  Brügge  mit  seinen  malerischen
  Häusern  und  Brücken  und  seinen  gewaltigen  Stadttoren
mit  den  runden  Türmen  fuhren  wir  am  folgenden  Tag  ohne
Aufenthalt  durch.  Hinter  dem  Dorfe  Ghistelles  hielt  uns  an
einem  Kreuzweg  ein  Posten  an,  und  als  wir  haltmachten,  hörten
wir  in  der  Nähe  wahnsinnigen  Kanonendonner.

Der  Soldat  berichtete,  in  Middelkerke  stehe  ein  harter  Artilleriekampf,
  und  die  Deutschen  hätten  ihre  Stellungen  diesseits  des
langen  Kanals,  der  Ostende  mit  Nieuport  und  Dünkirchen  verbindet.
  Ein  Geschwader  von  englischen  Kriegsschiffen  liege  vor
der  Küste  und  beschieße  die  deutschen  Stellungen,  die  auch  von
der  Landseite  von  belgischen  und  französischen  Truppen  angegriffen
würden.  Aber  die  Straße  nach  Ostende,  die  erst  nach  Nordwesten
und  dann  nach  Nordnordost  geht,  sei  ziemlich  sicher.  Der  gefährlichste
  Punkt  sei  die  Biegung  jenseits  des  Kanals,  wo  der
Weg  seine  Richtung  ändert.  Von  Ostende  kamen  Munitionskolonnen,
  die  an  die  Front  bei  Middelkerke  gingen,  und  von  der
Front  kamen  Kolonnen  mit  verwundeten  Soldaten,  die  auf  dem
Wege  nach  Ostende  waren.

Wohlbehalten  fuhren  wir  an  der  gefährlichen  Ecke  vorüber,
und  dann  in  die  schöne,  vornehme  Stadt  am  Meer,  die  von
Baedeker  das  Zeugnis  erhält:  „Ostende  ist  vielleicht  zurzeit  das
eleganteste  Meerbad  Europas.“  Wir  bogen  in  die  Strandstraße
ein,  wo  eine  endlose  Reihe  großer  Hotels  auf  das  Meer  hinaussieht.
  Die  meisten  sind  nur  während  der  Saison  geöffnet,  die

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