Volltext : Deutsches Kolonialblatt. XI. Jahrgang, 1900. (11)

nur  durch  ein  Fell  vertreten  und  daher  sehr  willkommen.
  Die  Reptilien  enthielten  einige  werthvolle
Stücke,  und  auch  beide  Fische  waren  des  Fundortes
wegen  recht  brauchbar.  Der  eine  scheint  eine  durch
Regeneration  bedingte  Mißbildung  des  Schwanzendes
zu  haben.  Die  Insekten,  die  mit  genauen  Angaben
über  die  Fundzeit  und  die  Fundörter  versehen  sind,
bilden  durchweg  eine  dankenswerthe  Bereicherung
unserer  Sammlungen.

Hamva.

Die  HSelbstverwaltung  der  Samoaner.

1.  Ansprache  des  Gouverneurs  an  die  amoanischen
  Häuptlinge  in  Mulinun  am  14.  August
1900,  betreffend  die  Selbstoerwaltung  der  Samoaner.

Es  ist  ein  freudiger  Anblick  für  mich,  die  hohen
Häuptlinge  vor  mir  zu  sehen,  die  Vertreter  der
großen  Familien,  die  seit  Alters  her  Herrscher  waren
auf  den  samoanischen  Inseln  von  Upolu,  Manono,
Apolima  und  Savaii.  Ihr  alle  wißt,  daß  die  früheren
  Regierungen  Samoas  nicht  gut  und  auch  nicht
mächtig  waren.  Und  es  herrschte  kein  Wohlwollen
unter  Euch  und  keine  Freundschaft  zueinander,  sondern
Aufstände  und  Kriege  beunruhigten  das  Land  Jahr
für  Jahr.

Deswegen  haben  die  Herrscher  der  drei  großen
Mächte  beschlossen  und  bestimmt,  daß  Samoa  der
Fürsorge  Seiner  Majestät  des  Deutschen  Kaisers  anvertraut
  werde,  auf  daß  Er  mit  Seinem  starken  Arm
das  schöne  Inselreich  beschützen  möge.  Und  alle
hohen  Häuptlinge  haben  Seiner  Majestät  dem  Kaiser,
Ihrer  Majestät  der  Königin  von  England  und  dem
Präsidenten  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika
gedankt,  dafür,  daß  nun  die  Grundlage  geschaffen  ist
für  eine  ersprießliche  und  hoffnungsreiche  Entwickelung
der  Inseln.  Mit  Genugthuung  hat  der  neue  Kaiserliche
  Herr  die  Versicherungen  der  Treue  und  Loyalität
  von  den  hohen  Häuptlingen  Samoas  entgegengenommen.


Seine  Moajestät  der  Kaiser  hat  Allergnädigst
geruht,  mich  zum  Gouverneur  von  Samoa  zu  erneunen,
  und  ich  verkünde  Euch  heut  die  Anordnungen
der  Kaiserlichen  Regierung  über  die  Verwaltung  des
Landes:

„Niemand  hat  im  Lande  zu  befehlen  außer  dem
Gouverneur;  seine  Macht  erstreckt  sich  auf  die  weißen
Bewohner  der  Inseln  und  auf  Euch  Samoaner.

Es  ist  nicht  die  Absicht  der  deutschen  Regierung,
Euch  zu  zwingen,  unsere  Sitten  und  Gewohnheiten
anzunehmen,  die  Regierung  nimmt  Räücksicht  auf
Euere  alten  Traditionen  und  achtet  sie,  soweit  sie
nicht  verstoßen  gegen  die  Gebote  des  Christenthums
und  gegen  die  Wohlfahrt  und  die  Sicherheit  des
Einzelnen.

Die  Regierung  setzt  das  Vertrauen  in  Euch,  daß
Ihr  es  vermögt,  Euch  selbst  zu  verwalten,  unter  der

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Aussicht  und  Kontrolle  des  Gouverneurs,  und  es

werden  solche  Gesetze  und  Verordnungen  erlassen
werden,  wie  sie  zum  Besten  des  Landes  sind  und
übereinstimmend,  soweit  angängig,  mit  Eueren  Anschauungen.


An  der  Spitze  der  samoanischen  Selbstverwaltung
soll  ein  hoher  Häuptling  stehen.  Er  soll  den  Titel
»  Le  Alii  Silic  führen.  Er  soll  die  Vermittelungsinstanz
  bilden,  durch  welche  die  Wünsche  und  Befehle
des  Gouverneurs  den  Samoanern  bekannt  gegeben
werden.

Der  Alü##  Sili  soll  einen  Rath  —  Faipule  —
haben.

Die  Distrikte  sollen  verwaltet  werden  durch  Häuptlinge,
  die  den  Titel  °Taitai  Ituc  führen.

Für  jeden  Distrikt  wird  die  erforderliche  Anzahl
von  Richtern  —  Faamasino  —  angestellt  werden.

Für  die  Ordnung  in  den  Dörfern  sollen  Dorfschulzen
  —  Pule  Nuu  —  sorgen.

Zur  Ausführung  der  Befehle  der  Verwaltungsorgane
  sollen  Polizisten  —  Leoleo  —  angestellt
werden.“

Ich  gebe  meiner  Zufriedenheit  Ausdruck  über  die
wohlgeordnete  festliche  Versammlung  heut;  laßt  uns
froh  sein  des  Friedens,  der  nunmehr  in  Samoa
herrscht  durch  die  Gnade  Gottes;  laßt  uns  danten
Seiner  Majestät  dem  Kaiser,  der  mit  seinem  eisernen
Willen  Kriege  unter  Euch  verboten  hat;  Er,  der
Deutsche  Kaiser,  der  Tupu  Sili  von  Samoa,  hat
Euere  Hände  in  Freundschaft  geeint,  Sein  Koaiserlicher
  Wunsch  ist,  daß  ganz  Samoa  glücklich  sei  und
gedeihe  im  Gehorsam  den  Gesetzen  der  deutschen
Herrschaft,  die  jetzt  und  für  alle  Zeiten  in  Samoa
eingesetzt  ist.

Und  nun  ernenne  und  setze  ich  ein  zum  Ali  Sili
Dich,  hoher  Häuptling  Mataafa,  und  betraue  Euch,
Ihr  hier  versammelten  Häuptlmge,  mit  den  aus
Eueren  Anstellungsurkunden  ersichtlichen  Posten.

Ihr  alle,  Mataasa  und  die  hier  versammelten
Häuptlinge,  werdet  nun  den  Etd  der  Treue  und  des
Gehorsams  leisten.

2.  Verordnung  des  Gouverneurs,  betreffend
die  Eintheilung  Samoas  in  Distrikte.
§  1.

Die  Inseln  Uvolu,  Manono,  Apolima  und  Savaii
werden  für  die  Selbstverwaltung  der  Samoaner  in
folgende  Distrikte  eingetheilt:

I.  Upolu.
1.  Atua,  2.  Vag-o-Fonoti,  3.  Tuamasaga,  4.  Aana;

II.  Manono  und  Apolima.

III.  Savaii.
Faasaleleaga,
Saleaula
Safotu  Itu-o-Tane,
Vaisigago
Palauli  4  S
Satupaitea  Q.  Itu-o-Fafine.

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