Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

ummer  138

„Nach  weiterer  kurzer  Drbatte  werden  die  drei
Gesetzentwürse  einem  21  gliedrigen  Ausschuß
Üübsrwiesen,  die  beiden  vom  Ausschuß  gestrichenen
wortragenden  Räte  bewilligt  und  schließlich  der
ganze  Etat  genebmigt.

Bwwerischer  Landtag.
*  München.  13.  Juni.
Kurze  Ansragen.  —  Verhältniswahl.
—  Etat  der  kal.  Bank.=  Verlängerung
  der  Landtagswahlzeit.  —  Versicherungsgeseh#e.
  —.  Knappschafts.
wesen.

Zunächst  beschäftigte  sich  das  Haus  mit  kur.
zen  Anfragen
Darauf  wurde  die  Abstimmung  über  die
Wahlrechtsanträge  vorgenommen.  Die
Anträge  der  Sozialdemokraten  und  Liberalen
auf  allgemeine  Einführung  der  Verhältniewahl
zum  Landtag,  Herabsetzung  des  Wahlalters  auf
21  Jahre  und  Einführung  des  Frauenstimmrechtes
  wurden  abgeleh  nt,  angenommen
wurde  mit  den  Stimmen  des  Zentrums  der
Antrag  Held,  der  die  Verhältniswahl  für
die  Städte  München,  Nürnberg.  Firth,  Augshurg
  und  Ludwigshafen  vorsieht.

Es  folgte  der  LOaushalt  der  kgl.  Bank.
Bezüglich  der  Rechnunge  nachweisungen  für  1914
ist  vom  Ausschuß  die  Fritttellung  gemacht  worden,
  daß  die  Art  der  Verteilung  des  Reingewinnes
  der  Igl.  Bank  für  das  Jahr  1914
nicht  dem  einstimmig  gesaßten  Veschluß  der  beiden
  Kammern  des  Landtages  entspricht.

In  der  Nachmittagssitzung
wird  der  Ausschußantrag  einstimmig  angenom.
men,  der  Geschäftsbericht  der  kal.  Bank  zur
Kenuntnis  genommen  und  der  Etat  selbit  mit
dem  Abänderungsantrag  Held  bewilligt.

ie  Staals  regierung  hat  einen  Gesetzenkwurf

 

vorgelegt,  uelcher  eine  Aenderung  des
Brand-,  Lagel  .  Viel-  und  Pferdeversicherungeg

  eie  bhes  bezweckl.  Durch  die
Aenderung  und  Ergänzung  verschiedener  Paragraphen
  soll  eine  bessere  Vertretung  der  Versicherten
  bei  der  Brandversicherungsanitalt,  eine
gleichmaßigere  Vecteilung  der  Beilragsüber.
schüsse  der  Anftalt  und  eine  Anpafung  der
Brandversicherung  an  die  Bedurinisse  der
Kriegszeit  ermöglicht  werden.  Verbesse  rungen
bringt  der  Gesetzentwurf  auch  fur  die  Hagelversicherung,
  die  Vieh=  und  Pferdeversicherung.
Nach  Bemerlungen  verschiedener  Abgeordneter
  und  erläniernden  Darlegungen  des  Prästdenten
  der  Igl.  Bersicherungsiammer,,  Dr.  v.
Englert,  zu  den  Anregungen  aus  dem  Hause
wird  die  Sitzung  vertagt.

Die  namentliche  Absiimmung  über  den  Gesetzentwurf
  wird  wegen  der  schwachen  Besetzung
des  Hauses  auf  nächsie  Woche  verschoben.

#anerische  Auchchler

Tödlicher  Sturz.  Der  Bräumeister  Joseph
  Aigner  in  Schongan  slürzte,  als  er  abends
um  10  Uhr  nach  Hause  zurücksuhr,  zwischen
Ramsauer  Verg  und  Rottenbuch  (bei  Peißenberg
  auf  fan  ebener  Strecke  und  ohne  sichtlichen
  Grund  rom  Fahrrad  und  erlitt  dabei
einen  doppelten  Schädelbruch.  Die  Verletzung
führte  den  baldigen  Tod  des  Mannes  herbei,
der  eine  Frau  mit  sieben  unmündigen  Kindern
Dinterläßt.

Nachalimenswert.  Die  Privatiere  Regina
  Matbeis  aus  Reichert:  beuern  führt  beuer
in  Tölz  ihr  50.  Patenlind  zur  Firmung.  Sie
hat  sich  damit  ein  um  so  größeres  Verdienst
erworben.  als  es  sich  bei  ihren  Firmlingen  meist
um  Kinder  aus  dürftigen  Familien  handelt,
welche  oft  nicht  wissen,  mo  sie  anklopfen  sollen,
um  eine  Firmpatin  zu  finden.

Vom  Blitz  erschlagen.  In  Barbing  bei
Regensburg  wurde  der  19  jährige  Sohn  des
Oekonomen  und  Bürgermeisters  Georg  Freidl,
als  er  während  eines  Gewitters  aus  der  Wiese
mit  Mähen  beschäftigt  war,  vom  Blig  erschlagen.
  Seine  beiden  Brüder,  die  neben  ihm  beschäftigt
  waren,  kamen  mil  dem  Schrecken  davon.
  An  seinem  Todestage  traf  seine  Einbe,
rufung  zum  Heeresdienst  ein.  Die  hochgeachtete
Familie  wird  allgemein  betrauert.

Ein  unerquicklicher  Auftritt  spielte
sich  jüngst  nächtt  der  Maschinenfabrik  Augsburg
  auf  der  Straßenbahminic  5  ab,  weil  sich
der  Wagenführer  weigerte,  abzufahren,  solange
die  Triktbretter  und  Pusser  von  Fahrgästen
besetzt  gehalten  wären.  Einige  Rohlinge  rissen
den  Wagenführer  wom  Wagen  herunter  und
werprügelten  ihn.  Das  Verhalten  des  Führers
war  um  so  berechtigter,  als  sich  erst  vor  kurzem
durch  den  Unsug,  auf  die  Puffer  zu  steigen,
ein  tödlicher  Unsall  ereignete.

Das  Eisenbahnunglück  bei  Augs
burg.  Die  Strecke  Westheim---Gessertshausen
lonnte  gestern  nachmittag  mit  den  Zügen  906,
908  den  eingleisigen  Betrieb  wieder  aufnehmen.
Die  beiden  Soldaten,  die  bei  dem  Unfall  ge.
tötet  wurden,  konnten  festgestellt  werden  als  der
Soldat  Friedrich  Schmid  und  der  Gefreite  Viktor
  Klingler,  beide  von  der  Fliegerersatzabtein
lung  1  in  Schleibbeim.  Ersterer  ist  in  Bayreuth.
  letzterer  in  Augsburg  wohnhaft.  Weitere
  Personenverletzungen  auch  des  Lokomotiopersonals
  find  nicht  eingetreten.  Die  Sanitätslolonne
  Augsburg  unter  Führung  des  Herrn
Heinrich  Ammon  war  zur  Bergung  der  Leichen
anwesend.  Die  Wfrallmungekrichter  lind  im

 

 

Aofenhemer  Anzesgen

Verlaufe  des  gestrigen  Tages  zum  großten  Teil
durchgeführt  worden  und  werden  vorauesichtlich
im  Laufe  des  heutigen  Tages  beendel  werden.

er  Mangel  an  Klei  dern  macht  selbst
die  Hasen-  und  Vogelscheuchen  auf  den  Feldern
unsicher.  Dieser  Tage  sahen  zwei  Soldaten  in
Psassenhosen  a.  d.  Jlm  einen  Mann  an  eine
Dogelscheuche  heranschleichen,  den  dort  hängenden
  alten  Ueberzieher  an  sich  nehmen  und  damit
  verschwinden.  Auch  aus  anderen  Landgemeinden
  wird  die  „Beraubung'“  von  Vogelscheuchen
  gemeldet.

Gefallener  Feldgei##licher.  Der  48
Jayre  alte  Pfarrer  Fridolin  Eisele  von  Inneringen
  bei  Lindau,  der  als  Felddivisionspfarrer
  der  52.  Jnsanterie-  Division  wirkie,  hat
mitten  in  ausopfernder  Ausübung  seines  Berufes
  den  Heldentod  erlitten.  In  einem  Nachruf
  rühmt  der  Dioisionekommandeur  den  unermüdlichen
  Eifer  und  die  vorbildliche  Pflichttreue,
  die  1  Geistlichen  bei  Offizieren  und
Mannschaften  hohes  Ansehen  erwarben.  Er  war
mit  dem  Eisernen  Kreuz  1.  und  2.  Klasse  ausgezeichnet.


Suverisches  Oberlans.

Ampfing,  13.  Juni.  Leichensund.  In
der  Isen  nächst  der  Himmühle  wurde  die  Leiche
de#„  #l  jährigen,  verheirateten  Grenzaussehers
Hugo  Seifarth  von  Haiming  bei  Burghausen
aufgesunden.  Seifarth.  Vater  von  fünf,  Kindern,
  dürste  den  Tod  in  der  Isen  gesucht  haben.

VBad  Reichenhall,  14.  Juni.  Gesperrte
Straße.  Infolge  graßer  nach  dem  Wolken,
bruch  am  Dienetagabend  niedergegangener
Steinlawinen  ist  die  Slaatsstraße  Thumsee-Wegscheid
  (Richtung  Mauthäus  bis  auf  weileres
  gespertt.

Cokalnachrichten.
Rosenheim,  15.

Die  „Zwangvdeinquartierung'“.
Im  Feichen  der  Wohnungs  not  wird  neuerdings
  vielsach  eine  er  zwangsweisen  Unterbringung
  obdachloser  Ka#ilien  in  übermäßig  großen
Wohnungen  das  Wort  geredet.  Die  „Verbrauchswirtichaft

  im  Kriege“  schreibt  hierzu:
Noch  unglücklicher  erscheint  die  jetzt  mit
besonderem  Nachdrut  propagierte  „Zwangseinquartierung“.
  Gewiß,  wenn  alle  anderen  Mittel
Versigirn,  wenn  gar  keine  Möglichkeit  bestände,
die  abdachlosen  Familien  in  eigenen  Wohnungen
unterzubringen,  damm  könnte  man  allenfalls  dam
schreiten,  von  denjenigen,  die  übermäßig  große
Wohnungen  inne  haben,  die  Abtretung  einiger
NRäume  zu  verlangen.  Aber  man  gebe  sich  doch
leinen  Illusionen  darüber  hin,  daß  dadurch  den
wohnungelosen  Familien  ein  behagliches  Heim,
wie  sie  es  verdienen,  auf  das  sie  billigen  Anspruch
  haben,  geschaffen  werde!  Beide  Teile,
die  Quartiergeber  wie  die  Einquartierten,  werden
  das  erzwungene  Beisammensein  in  den  mei- 



 

Juni.

sten  Fällen  als  einen  höchst  ungemütlichen  Zu„

stand  empfinden.  Und  einer  gesunden,  vernünftigen
  Wohnungspoli  til  sprechen  solche  Pläne  geradezu
  Hohn.  Der  Apell  an  den  Patriotis  emus,  der
bei  den  VBersuchsballous,  die  man  in  dieser  Sache
jetzt  steigen  läßt,  natürlich  auch  wiederkehrt,  ist
gar  micht  am  Platze.  Es  seblt  nur  noch,  daß  man
behauptet,  solch  ein  Zufammenpferchen  von  mehreren
  Familien  in  einer  Wohnung  trage  zur
Verminderung  der  Klassengegensätze  bei,  oder
daß  man  den  berüchtigt  gewordenen  Ausspruch
des  Vorsitzenden  des  Zentral-Verbandes  deutscher
  Haus=  und  Hrundbesitzervereine,  Justizrat
Baumert,  wiberholt,  der  sich  von  der  gemeinsamen
  Benurung  eines  Aborts  durch  mehrere
Familien  eine  Erzieh  ung  zur  Sauberkeit  versprach.
  Gunz  schief  ist  auch  der  Vergleich  mit
der  Aufnahme  der  oftpreußischen  Flüchtlinge.
In  der  nur  eine  kurze  Belastungsdauer  annehmenden
  und  deshalb  so  opferbereiten  Begeisterung
  der  eriten  ##egszeit  erschien  manches  möglich,
  was  sich  heute  als  undurchführbar  erweist.
Zudem  wußte  damals  jeder,  daß  die  Aufnahme
nur  für  kurze  Zeit  verlangt  wurde.  Und  vor
allen  Dingen  fehlte  damals  noch  die  bittere  Erfahrung,
  daß  die  Lasten  in  der  Hauptsache  immer
von  denselben  Schichten  getragen  werden  müssen,
daß  es  außerhalb  dieser  Schichten  immer  noch
Kreise  gibt,  die  verhältnismäßig  wenig  von  Einschränkung
  und  Opfern  erfahren,  während  jetzt
jedermann,  ohne  prophetische  Gaben  zu  besitzen,
im  voraus  sagen  kann,  daß  man  vielleicht  zuallerletzt,
  wahrscheinlich  aber  auch  garnicht,  die
Palãste  und  Schlosser  zu  „Acylen  für  Obdach—
lose“  herrichten  wird.
*

 

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Unterjäger
  Martin  Nagele  wurde  mit  der  kleinen
silbernen  Tapferleitsmedaille  ausgezeichnet.  Die
große  Silberne  und  zwei  weitere  Aus=  reichnungen
wurden  ihm  bereits  früher  verliehen.  Gleichzeitig
  wurde  er  zum  Zugführer  besördert.  Nagele
  steht  seit  Beginn  des  Krieges  im  Felde  und
davon  zwei  Jahre  bei  einem  Kailerschützen.
giment  an  der  Tiroler  Front.  Er  ist  ein  Sohn
Der  Pächterseheleute  Nagele  in  Regau  bei  Brannenburg.
  —  Georg  Berr  beim  16.  bayer.  Inf.=Rgt.,
  der  vor  kurzem  zum  Gefreiten  befördert
wurde,  hat  nunmehr  auch  das  Eiserne  Kreuz
2.  Klasse  belommen.  Dos  Verdienstkreuz  er-Hielt
  er  schon  früher.  Er  ist  ein  Sohn  des  Stadt.
musikmeisters  Berr  hier  rokuristen

Dem
Fustav  Martin,  zurzeit  esreiter!  im  baper.  Inf- 



Ngt.  10,  welcher  bereits  mil  dem  Militär-Verdienstlreuz
  J.  Klasse  mit  Schwertern  ausgereichnel
  ist,  wurde  für  sein  tapferes  Verhalten  auch
das  Eiserne  Kreuz  2.  Klasse  verliehen.  Der
seit  Kriegebeginn  bei  einem  Fußartillen##e-Bat.
an  der  Westfront  stelende  Unteroffizier  Mar
Lerch,  Sohn  des  kgl.  Oberbauführers  Bortenlänger
  hier,  wurde  mit  dem  Eisernen  Kreuz  2.
Klasse  ausgezeichnet  und  rum  Sergeanten  befördert.


diözesa  nnachrichten.  Der  König  hat
die  kath.  Pfarrei  #  Lenggrie?,  Bu.  Tölz,  dem
Beueli.  iumsverweser  bei  U.  L.  Frau  in  München
DTer  Joseph  Holzuer,  zurzeit  Divisionspfarrer
im  Feld,  übertragen.

Feierlicher  Kriegsgottesdienst.
Morgen,  Sonntag,  um  8  Uhr  sindet  in  der
Stadtpjarrkirche  seierlicher  Kriegsgottesdienst
statt,  bei  dem  der  H.  H.  Dioisionspfarrer  P.
Rupert  Mayer  S§.  J.  die  Festpredigt  halten  wird.

Vortrag.  Am  Montagabend  8  Uhr  wird
der  Landesfelretär  der  Organisalion  der  Katloliken
  jür  Schule  und  Erziehung,  H.  H.
Pfarrer  Werthntamn  Müürhbur!  in  einer  Versammlung
  des  kath.  Frauenbundes  im
Flötzinger-  Saal  sorechen  über  das  Thema:  „Die
schwebenden  aktuellen  Schul=  und  Erziehungsfragen“.
  Die  Organisation  verdient  das  ganze
Interesse  aller  Freunde  der  christlichen  Schule
und  christlichen  Weltanschauung.  Duher  wäre
sehr  zu  wünschen,  daß  die  hiemit  angekündigte
Versammlung  eines  recht  zahlreichen  Besuches
gewürdigt  würde.  Daher  gewährt  der  kath.
Frauenbund  gerne  allen  Interessenten  Zutritt
zu  derselben  und  ladet  zur  Teilnahme  ein.

Die  freie  Schneiderinnung  der
Stadt  und  des  Bezirksamts  Nosenheim
  lat  am  Dommerstag,  den  13.  Juni  im
Gasthof  Wendl  eine  Mitgliederverst  amm#ung  abgehalten.
  Die  Beratungsgegemstände  waren
Stellungnahme  zum  Bundestag  und  eine  Lohnaufb
  eĩserung  der  Gehilfen.  Herr  Schneider—
meister  Wehber  Ebersberg  als  Kreisvertreter
murde  mit  der  VNertretung  der  Wünsche  der
Schneiderimnung  Rosenheim  beim  Bundestag  beaustragt.
  Die  Aufbesserung  der  Gehilsen  wurde
von  Obermeister  Ries  mit  60  Prozent  vom
Grundlohn  der  örtlichen  Tarise  während  des
Krieges  bis  zum  Heutligen  sestgelegt  und  auch
genchmigt.  Schneidermeister  Langenegger  nahm
sich  warm  der  Lehrlinge  an,  die  nur  bei  guter
Bezahlung  während  und  nach  der  Lehr’reit  dem
Gewerbe  erhalten  bleiben  können.  Der  Zulauf
während  des  Krieges  zu  den  Fabrilen  nach
der  Lehrzeit  sei  zwar  ein  momentaner  sinan-Fieller
  Vorteil;  es  soll  daher,  um  dem  Gewerbe
seinen  Nachwuchs  zu  erhalten,  mit  mahnenden
Worten  und  Belehrungen  von  seiten  der  Eltern
und  Lehrherren  auf  die  gute  Zeit  des  Schneidergewerbes
  bei  Eintreffen  der  Nohprodukte  nach
dem  Kriege  bingewiesen  werden.  Für  die  Zulieferung
  der  Furnitur  nach  dem  jetzigen  Schema
können  sich  die  Mitglieder  nicht  erwürmen.  Der
Vorsitzende  wurde  beauftragt,  bei  den  maßgebenden
  Stellen  um  erhöhte  Zuweisung  zu
ersuchen.

Die  Brennessel  als  Baumwoll-=ersatz.
  Am  Domnerstag,  den  20.  Juni,  nachmittags
  2  Uhr  sindet  im  Vahnhofhootel  in  Freilassing
  ein  Vortrag  des  Herrn  Oberingenieur
Hammer,  Vorstand  der  Landesgewerbeanstalt
in  Augsburg,  über  „Die  Vrennessel  als  Baumwollersatz“
  flatt.  Der  Vortrag  ist  mit  der  Einsübrung
  von  Nesselerzeugnissen  verbunden.  Er
wird  von  großem  Interesse  sein  und  außerordentlich
  zur  Aufklärung  über  die  Nesselbewirtschaftung
  beitragen.

Die  militärische  Verwendung  der
aus  der  Kriegsgesangenschaft  Heimgekehrten.
  Als  Antwort  auf  viele  beim
Kriegeministerium  eingelende  Ansragen  wird
solgendes  bekannt  gemacht:  Die  aus  russischer
Kriegsgefangenschaft  Zurückgekehrten  können
ohne  Einschränkung  im  Militärdienst  wieder  verwendet
  werden.  Es  würde  dem  Grundsatz  der
allgemeinen  Wehrpflicht  widersprechen,  wenn
diese  Heeresangehörigen  nach  Ablauf  ihres  Urlaubes
  anders  verwendet  werden  würden,  als
die  übrigen  Heeresdienstpflichtigen,  von  denen
viele,  selbst  nach  mehrfacher  Verwundung,  der
Front  wieder  zugeführt  werden.  Soweit  aus
besonderen  Gründen,  z.  B.  infolge  vorgeschrittenen
  Aliers  oder  aus  Familienrücksichten,  von
einer  Verwendung  an  der  Front  abgesehen  werden
  darf,  kommen  diese  Sonderbestimmungen
auch  den  aus  russischer  Gefangenschaft  Zurückgekehrten
  zugute.

Vostverkehr  mit  Rußlan  d.  Nach  Rußland
  werden  fortan  gewöhnliche  und  eingeschrie.
bene  offene  Briefe  und  Postkarten  des  allgemeinen
  Verkehrs  und  Gefangenenb  rief  post  befördert.
  Zugelassen  sind  folgende  Sprachen:  deutsch,
russisch,  kleinrussisch,  polnä#h,  finnisch,  dänisch,
englisch,  französisch,  holländisch,  italien#ch,  norwegisch,
  schwedisch,  spanisch  und  ungarisch.  Sendungen
  des  allgemeinen  Verkehrs  nach  Rußland
sind  nach  den  Sätzen  des  Weltpostvertrages  frei
zu  machen.  Für  Sendungen  aus  Rußland  gelten
einstweilen  folgende  Gebühren:  für  Briefe:
Kopelen  für  je  15  Gramm;  Postkarten:  12  8
pelen,  mit  Antwort  24  Kopeken.  Einschreibgebühr:
  30  Kopeken.
Eine  Zweimillionen=  Jubiläumsstiftung
  der  Bayer.  Zentraldarke.
henslasse.  Die  Generalversammlung  der
Bayerischen  Tarlehenskasse,  die  am  Mittmoch

 

Sonntag,  10.  Juni  1918

in  München  tagte,  beschloß  aur  Anlaß  des  2
jährigen  Bestehens  der  Bayerischen  a  ,
henslasse  und  des  Vayerischen  Landeoverbander
landwirtschaftlicher  Genossenlchaften  einen
trag  von  zwei  Millionen  ri  aus  Vermogens.
rüdlagen  der  Bayerischen  Zimtraldarlensiase
für  eine  Stiftung  zu  verwenden.  Die  Zinsen  im
Betrage  von  jährlich  109000  Mark  sollen  vermendet
  werden:  1.  zur  Förderung  der  Wohl
sahrtopflege  auf  dem  Lande:  a#.  durch  Schafsung
und  Unterstützung  von  Wohlfahrtseinrichtungon,
insbesondere  der  Landlrankenpflege,  b.  durch
Beihilfe  für  Kriegsinvalide  und  sonstige  Kriegsteilnehmer,
  sowie  Heilung  von  Kriegsschäden
überhaupt,  2.  zur  Förderung  der  Wiobildurg.
der  männlichen  und  weiblichen  Jugend  für  das
landwirtschaftliche  und  genossenschaftliche  Leben,
3.  zur  Verbesserung  des  landwirtschaftlichen  Betriebes.
  Berechtigt  zum  Genuß  der  Stiftung  sind
die  der  Bayerischen  Zentraldarlehenskasse  ange
schlossenen  Venostenshasten  und  deren  Mitglieder,
  sowie  die  Wohlfahrtsgeinrichtungen  in  den
Vereinsbezirekn.

Verbot  der  Ernte  von  Walnüssen.
Nach  einer  Bekanntmachung  der  Landesstelle  füur
Gemüse  und  Obst  ist  es  verboten,  vor  dem  1.
September  1918  Walnüsse  zu  ernten  oder  in
den  Verlehr  zu  bringen.  Das  Verbot  erfmeckt
sich  auch  auf  Walnüsse,  die  nicht  in  Bayern  geern
1e4  wurden.  Zuwiderhandlungen  werden  betraft.


pfe  *-  ag  1918.

Der  Opfertah  dieser  Gedenklag  des  Kriegs
beginns,  an  dem  die  Heimat  in  dankbarer  Erin
nerung  an  die  Leislungen,  die  Taten  und  die

Opfer  des  Heeres  ihrerseils  Opfergaben  für  die
Kriegswob  salrtszwecke  des  Roten  Kreues  dar
zubringen  pflegt,  wird  auch  heuer,  zum  vierlen
Male,  stattfinden.  Die  Regierung  hat  dem  Lan
deskomitee  vom  Noten  Kreuz  die  Genehmigung
zur  Veranstaltung  des  Opfertages  erkeilt.  Als
mesentliche  Neuerung  ist  zu  verinerken,  daß  der
Opfertag  diesmal  nicht  auf  einen  bestimmten
Tag  wurde,  sondern  daß  es  den  ein
zelnen  Ortssammelkomilees  freislekt.  innerhalb
der  Monate  Juli  und  August  einen  ihnen  geeig.
net  ericheinenden  Termin  anzusepen.  Man  gehbt
mohl  nicht  sehl  in  der  Annahme,  daß  hierdurch
die  Möglichleit  gegeben  werden  sollte,  wischen
Opferlag  und  Ludendorffspende,  deren  Haupt.
sammlung  erst  am  1.  Juli  ihren  Abschuß  findet,
einen  größeren  Zeitraum  verstreichen  zu  lassen.

Ueber  die  Verwendung  der  Erträgnisse  des
Obfertages  ist  bestimmt  worden,  daß  ein  Drittel

Zwecken  des  Bayerischen  Landeskomitees  für
freiwillige  Krankenpflege  im  Kriege  zufliehen
soll,  während  Zweidrittel  zugunsten  der  Kriegs,
gefangenenhilfe,  der  Schwesternspende  und  der
ürtlichen  Wohlfahrtstätigkeit  zu  verwenden  sind.
Die  Unterverteilung  auf  diese  drei  Zwecke  bleibt
dem  örtlichen  Sammelkomitee  mit  der  Einschrän.
kung  überlassen,  daß  keinem  dieser  Zwecke  mehr
als  ein  Drittel  des  Gesamtergebnisses  zugewendet
werden  darf.
Die  Schwesternspende  ist  bereits  im  Vorjahre
im  übrigen  Deutschland  als  Sondersammlung
durchgeführt  worden,  um  für  die  Versorgung
der  im  Kriege  invalid  gewordenen  weiblichen
Pflegekräste  die  ersorderlichen  Mittel  zu  erhal
teu.  In  Banern  itt  bisher  von  einer  Lurchführung
  Dieser  Sondersammlung  Abstand  genom.
men  worden.  Banern  kain  sich  nun  nicht  länger
auoschließen;  es  wird  Vorsorge  getroffen  werden,
  dah  die  anfallenden  Mittel  möglichst  für
Bayern  erhallen  bleiben.

Werbe=  und  Vertriebsgegenstände  werden
beuer  nicht  zur  Verteilung  an  die  einelnen
Ortssammelkomitees  gelangen.  In  eriler  Linie
sind  für  diesen  Entschluß  die  chwierigkeiten
bestimmend,  die  der  Mangel  an  Nohttoffen,
Arbeits  kräften  und  geeigneten  Vervielfälligungs.
anstalten  in  der  gegenwärtigen  Jeit  für  die  Herstellung
  derartiger  Gegenstände  in  dem  für  das
ganze  Königreich  benötigten  Umsange  bieten
würde.

Kette  Nachrichtes.

obes  Hauptquartier,  den
W  6.  .  rra5  Amtl.
Westlicher  Kriegsschauplatz.
Kronprinz  Rupprecht.

Rege  Erkundungstätigkeit.  Südwestlt  ch  von
Merry  machten  wir  Gefangene.  Starke  Vorstö:=des
  Feindes  an  der  Ancre  wurden  abgewiesen.
Artillerie=  und  Minenfeuerlämpfe  lebten  am
Abend  Wim  der  Somme  auf.

utlcher  Kronprin

Sthwesdd  von  Noyon  uund  die  Insanterietätigkeit
  auf  örtli  Kampfhandlungen  beschränkt.
  Das  Artilleriesener  ließ  an  Stärke  nach.
Kih  der  Aisne  blieb  der  Artilleriekampf  ge,
eigert
Mehrfache  Teilangriffe,  die  der  Feind  gegen
unsere  Linien  im  Walde  von  Villerd?  Cotteretes
führte,  wurden  abgewiesen.
.Die  Gesangenenzahl  aus  den  letzten  Kämpfen
südlich  der  Aee  ohnt  sich  auf  48  r-*m#  uno
mehr  als  2000  Mann  erhöhl.
Leutnant  1  errang  seinen  30.,  Leutnant
Kirstein  seinen  25.  und  26.  Luftsieg

Osten.
Heeresgruppe  Eichhorn.

Etwa  10000  Mann  starke  russische

Banden,  die  von  Jeisk-Bucht  au  der  #lc-