Rukland. (Januar 27. Februar 1.) 645
und der frühere Minister des Aeußern Ssasonow, angehören. Der Ausschuß
hält am 21. Febr. seine erste Sitzung ab.
27. Jan. Die Ernennung Ssasonows zum Botschafter in
London wird amtlich bekanntgegeben.
Er hat den Posten wegen der pol. Lage in R. nicht angetreten.
1. Febr. (Petersburg.) Eröffnung der Ententekonferenz.
Außer den Botschaftern nehmen daran u. a. teil: für Frankreich Doumergue,
Minister für die Kolonien, und General de Castelnau; für
England Lord Milner, Minister ohne Portefeuille, Lord Revelstoke,
bevollmächtigter Minister, und General Sir Wilson; für Italien Minister
Scialoja. — Die Konferenz ist dazu bestimmt, die bisher in anderen
Hauptstädten (s. S. 490) abgehaltenen Zusammenkünfte fortzusetzen mit dem
Zwecke, durch Uebereinkommen die kräftigsten Mittel zur Fortsetzung des
Krieges festzustellen und die Ausnützung aller den Alliierten zur Verfügung
stehenden Hilfsmittel in wirksamster Weise zu regeln.
Ueber das Ergebnis der Konferenz gibt die „Petersb. Tel.-Ag.“ am
4. März halbamtlich bekannt: Die Konferenz der Verbündeten, die kürzlich
ihre Arbeit beendet hat, hat von neuem den Beweis des immer engeren Einvernehmens
der Alliierten erbracht und gezeigt, daß sie der Sache, die sie
eint, unerschütterlich treu sind. Die Konferenz war berufen worden, um
das Werk der früheren, unter den alliierten Mächten abgehaltenen Konseren
zen fortzusetzen und auszubauen. Die Konferenz in Petersburg hat
den gleichen Weg verfolgt wie die Konferenzen von Paris und Rom und
hat praktische Lösungen gefunden, um das militärische, politische, industrielle,
wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeiten immer enger zu gestalten.
Sie hat daran gearbeitet, die Einheit der Handlung bei der Führung des
Krieges wirksam zu verbessern und zu festigen, indem sie zu diesem Zweck
die Schaffung eines eigenen Organs vorsah. Sie hat geeignete Maßregeln
ergrisfen, um die Bemühungen der Verbündeten besser zu verteilen und
miteinander zu verbinden. Sie hat nach Mitteln geforscht, um so vollständig
wie möglich alle Kräfte der Verbündeten durch immer engere Vereinigung
ihrer Hilfsquellen aller Art auszunützen. Die Petersburger Konferenz
wird so wirksam dazu beigetragen haben, auf allen Fronten durch
Einschließung des Feindes möglichst günstige Bedingungen für den Kampf
vorzubereiten und die Stunde des Sieges schneller herbeizuführen.
Von besonderer Bedeutung war die (freilich ergebnislose) Mission
Lord Milners, der von der engl. Regierung, die der kommenden Revolution
in Rußland augenscheinlich mit größter Sorge entgegensah, beauftragt
war, den Zaren zu einer Verständigung mit den lib. Parteien der Duma
zu veranlassen. Der „Manchester Guardian" hat darüber Mitte März
folgendes mitgeteilt: „Man darf jetzt erklären, daß Lord Milners jüngste
Mission nach Rußland mit den inneren russ. Verhältnissen zusammenhing.
Aus einem Briefe Hardinges an Buchanan, den Dillon im Unterhause
verlesen hat, erhellt, daß die engl. Regierung seit geraumer Zeit über die
ernste Lage in Rußland im klaren war. BuMchanan hat in der Tat den
lib. Elemenien gut geholfen. Man glaubt, daß der Zar der königlichen
Familie mitgeteilt habe, daß seiner Meinung nach etwas im Gange sei,
was er aber hoffe, überwinden zu können. Es ist Grund zu der Annahme
vorhanden, daß Milner nach Petersburg gesandt wurde, um einen Vergleich
zwischen Zar und Duma herbeizuführen und eine Revolution abzuwenden.
Man nimmt an, daß er dem Zaren nahegelegt hat, ein der Duma
verantwortliches Ministerium zu ernennen. Tie Duma selbst scheint nicht so