Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

Volke  die  tiefe  fittliche  und  geistige  Grundlage  kannte  und  achtete.  Herrscher
über  Unterthanen,  die  kaum  den  Namen  eines  Kulturvolkes  verdienten,  barg
dieser  liebenswürdige  Fürst  einen  selten  regen  Sinn  für  edle  und  wahre  Humanität.
  Er  begriff  vollkommen,  wenn  Stein  ihm  die  sittlichen  Motive,  welche
in  dem  Unwillen  der  niedergedrückten  Völker  schlummerten,  als  wichtige  Bundesgenossen
  rühmte.  Schrieb  er  doch  an  demselben  Tage,  nämlich  am  18ten  Junius
1812,  wo  er  eine  Denkschrift  Steins  darüber  erhalten  hatte,  diesem  zurück:  „Ich
habe  Ihre  Denkschrift  mit  der  größten  Aufmerksamkeit  gelesen;  ich  habe  darin
das  Genie  erkannt,  welches  Sie  stets  auszeichnet.  Die  gute  Sache  hat  unendlich
gewonnen,  da  dieselbe  Sie  zum  Mitarbeiter  besitzt!  Jetzt,  wie  Sie  sehr  wohl
bemerken,  kommt  es  darauf  an,  die  Ausführung  alles  dessen,  was  Ihre  Denkschrift
  enthält,  zu  veranstalten,  und  Sie  werden  mir  einen  wahren  Dienst  erzeigen,
  wenn  Sie  sich  sogleich  damit  beschäftigen;  ich  meinerseits  werde  versuchen,
Ihnen  alle  Erleichterung  zu  gewähren,  die  in  meiner  Gewalt  ist.  In  unserer
ersten  Zusammenkunft  wollen  wir  die  dringendsten  Maßregeln  festsetzen.“

Auf  die  Anforderung,  die  nothwendigen  Punkte  aufzuzählen,  empfahl
Stein  Folgendes:

„I.  Man  muß  Personen  wählen  und  ernennen,  welche  den  Mittelpunkt  bilden
sollen,  von  dem  die  Leitung  der  Mittel,  um  auf  Deutschland  zu  wirken,
ausgeht.

II.  Herrn  Gruner  geheime  Instruktionen  und  Geldmittel  geben,  und

a)  ihn  bevollmächtigen,  sichere  Leute  an  die  bezeichneten  Punkte  zu  schicken,
um  die  bewaffneten  Haufen  zu  bilden,  welche  übrigens  erst  dann  handeln
  werden,  wenn  der  Krieg  begonnen  hat.  Gruner  besitzt  Agenten,  die
in  Thätigkeit  gesetzt  zu  werden  erwarten,  und  die  den  Stoff  für  ihre
Maßregeln  unter  dieser  Menge  unzufriedener  preußischer,  hesfischer,  hannovrischer
  Soldaten  finden  werden;

b)  er  muß  durch  seine  Agenten  Verbindungen  mit  den  Anführern  der  Schleichhändler
  an  der  böhmischen  Grenze  anknüpfen,  um  die  Druckschriften  an
seine  Vertheiler  in  Deutschland  gelangen  zu  lassen;

e)  er  muß  geheim  eine  wohlfeile  Ausgabe  des  „Geist  der  Zeit“  veranstalten,
oder  man  könnte  das  hier  in  Dorpat  thun.  Herr  Fabre  wäre  aufzufordern,
  sein  Werk  über  das  Innere  von  Frankreich  zu  vollenden  und
davon,  sowie  von  allen  denen,  welche  die  verderblichen  Maßregeln  Napoleons
  ins  Licht  setzen,  z.  B.  von  Sir  Francis  und  Ivernois  deutsche
Uebersetzungen  zu  besorgen;

d)  er  muß  die  Einrichtungen  zum  Druck  der  Kriegsbülletins  treffen,  für
welche  man  von  hier  aus  den  Stoff  liefert.  Man  würde  dem  Herrn
Gruner  Eingangs=  und  Postpässe  für  Herrn  Arndt  senden;  diesen  hätte
er  als  Kaufmann  oder  auf  eine  andere  Weise  durch  Galizien  hierher  zu
befördern.  Es  würde  äußerst  nützlich  sein,  Herrn  von  Oubril  in  Deutschland
  zurückzuhalten,  sei  es  zu  Berlin  oder  unter  dem  Vorwande  seiner