Haltung Hamburgs, der thüringischen Staaten, Badens. 7
Berlin, den 19. Juni 1866.
Ew. pp. brauchen auf Mobilisirung der Hanseatischen Contingente nicht weiter zu
insistiren, nur Geneigtheit dazu oder Abneigung constatiren. Wir sind mit befreundeter
Neutralität zufrieden. Finden sich dort brauchbare Offiziere, die in unsern Dienst treten
würden?
E. Baasch, Geschichte Hamburgs 1814—1914, I, 197.
*414. Telegramm an den Gesandten in Weimar Freiherrn von Pirch.
(Eigenhändiges Konjept.)
Nach einer Meldung des Gesandten in Weimar Freiherrn von Pirch vom 17. Juni
traten dort an diesem Tage die Minister der thüringischen Staaten zusammen, um über die
Antwort auf die preußische Note vom 16. (vgl. Nr. 408, Anlage) zu beraten. Wie Pirch am 19.
weiter meldete, waren auf der Konferenz; die Ansichten weit auseinandergegangen. Entschieden
für Preußen wären nur Gotha, Schwarzburg-Sondersbausen und Reuß j. L. gewesen, entschieden
feindlich dagegen Sachsen-Meiningen, während Weimar und Schwarzburg-Rudolstadt zu Neutralität
und Hinhaltung neigten (vgl. auch das Protokoll dieser Konferen; bei Ernst II., Aus
meinem Leben und aus meiner Zeit, III, 537 f.). Gegenüber diesem Hinundherschwanken der
thüringischen Kleinstaaten schien Bismarck volle Klarheit und Festigkeit geboten zu sein.
Berlin, den 19. Juni 1866.
Denjenigen, die neutral bleiben, gewährleisten wir natürlich weder Souveränetät, noch
irgendwelchen Domanialbesitz; unsern Bundesgenossen vollen Besitzstand u[nd] Souv[eränität];
unsrer Gegner Zukunft hängt vom Ausfall des Krieges ab.
*415. Telegramm an den Gesandten in Karlsruhe
Grafen von Flemming.
(Eigenhändiges Konzept.)
Am 19. Juni war in Berlin über Paris ein Telegramm des Grafen Flemming eingelaufen,
in dem dieser für den Fall um Instruktion bat, daß badensche Truppen dem Bunde
gegen Preußen zur Verfügung gestellt wurden. Weitere Telegramme Graf Flemmings vom
19. bis 21. bei H. Oncken Großherzog Friedrich I. von Baden und die deutsche Politik von
1854—1871, I, 532, Anm.; in ihnen gelangt die Hoffnung zum Ausdruck, daß ein entschiedenes
Vorgehen der preußischen Truppen am Main noch Wunder wirken könne. Am preußischen
Hofe hielt man, angesichts zumal des nahen Verwandtschaftsverhältnisses zu dem badenschen
Hofe, noch an der Hoffnung fest, Baden, das ja auch am 14. am Bundestage sich gegenüber
dem österreichisch-bayrischen Mobilisierungsantrage der Stimme enthalten hatte zur Neutralität
bestimmen zu können.
Berlin, den 20. Juni 1866.
Bevor Sie diplom[atische] Verbindung abbrechen, warten Sie jedenfalls Weisung ab,
da Verwandtschaft Ausnahme-Verhältniß bedingt. Wir hoffen, in 8 Tagen mit 60 000
Mann am Main zu stehn. Wenn Baden nur fest bleibt, so wird sogar Frankreich nicht
leiden, daß ihm Gewalt geschieht. Sagen Sie das dem Großherzog.¹
¹ Noch am 20. Juni ergänzte Bismarck das obige Telegramm durch ein welteres: „Ich habe Grund
zu glauben, daß der Kaiser- Napoleon von jeder Gewalttat gegen Baden ohne weitre Elnmischung
abmahnen werde, sobald die Großh[erzogliche] Reg[ierung] in Paris den Wunsch äußert, daß
es geschehe.