Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXII. Jahrgang, 1911. (22)

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35  fl.;  schon  im  Februar  wurden  aber  für
Australien  37,50  fl.  gezahlt,  und  im  Märgz  zahlte
Singapore  für  Manila  bereits  39  fl.  und  im
April  und  Juni  40  bis  43  fl.  Auf  diesem  Preise
behauptete  sich  das  Produkt  bis  zum  Schlusse  des
Jahres.

(Aus  einem  Berichte  des  Kaiserl.  Generalkonsulats

in  Batavia.)

 

Kopragewinnung  auf  den  Dhilippinen.

Der  Ausfuhrwert  der  wichtigeren  philippinischen
Erzeugnisse  leidet  empfindlich  unter  den  unvollkommenen
  Zubereitungsweisen,  denen  die  Waren
vor  ihrer  Verschiffung  unterliegen.  Insbesondere
trifft  dies  auf  die  in  den  Philippinen  gewonnene
Kopra  zu,  deren  Preis  an  den  europäischen
Märkten  infolgedessen  hinter  den  für  Kopra  anderweiter
  Herkunft  gezahlten  Sätzen  erheblich  zurückbleibt.
  Die  Schuld  daran  tragen  die  zum  größten
Teile  wenig  bemittelten  eingeborenen  Pflanzer,
die  wegen  ihrer  beständigen  Geldknappheit  die
zum  Verkauf  ihrer  Ernten  geeignete  Zeit  nicht  in
Ruhe  abwarten,  sondern  die  Kokosnüsse  vor  ihrer
völligen  Reife  pflücken  und  die  Kopra  ungenügend
getrocknet  zu  Markte  bringen.

Den  durch  ein  solches  Verfahren  entstehenden
Ausfall  hat  die  wissenschaftliche  Regierungs-Versuchsstation
  (Bureau  of  Science)  in  Manila
vor  einigen  Jahren  durch  folgende  Einteilung
der  geernteten  Kokosnüsse  in  drei  Klassen  unter
Feststellung  ihres  Handelswerts  zu  veranschaulichen
versucht:

1.  unreife  Nüsse  bestehen  nur  zu  3½  v.  H.

aus  Kopra  mit  64½  v.  H.  Olgehalt;
2.  ziemlich  reife  bestehen  zu  10½  v.  H.  aus
Kopra  bei  gleichem  Olgehalte  wie  zu  1;
3.  völlig  reife  bestehen  zu  153/8  v.  H.  aus
Kopra  mit  66  v.  H.  Olgehalt.

Ferner  wurde  festgestellt,  daß  nicht  genügend
getrocknete  Kopra  bei  der  35  bis  50  Tage  erfordernden
  Verschiffung  nach  Europa  stark  schimmelt,
  wodurch  etwa  ½  des  Olgeholts  in  Säure
verwandelt  und  daher  wertlos  wird.

Von  anderer  sachkundiger  Seite  ist  neuerdings
eine  Berechnung  aufgestellt  worden,  wonach  den
Philippinen  durch  die  unzweckmäßige  Behandlung
der  Kokosnußerträge  jährlich  ein  Gewinn  von
mehreren  Millionen  Pesos  entgehen  soll.  Für
das  abgelaufene  Jahr  wird  dieser  Schaden  auf
5  Millionen  Pesos  beziffert,  und  zwar  auf  Grund
folgender  Gegenüberstellung  der  Kopraverkäufe,
die  von  den  Philippinen  nach  Marseille,  mit
denen,  die  von  der  Insel  Ceylon  nach  Hamburg
stattgefunden  haben.

 

1910  wurden  von  den  Philippinen  nach
Frankreich,  Spanien,  Deutschland,  Italien,  den
Vereinigten  Staaten  von  Amerika  und  Singapore
im  ganzen  120  520  000  kg  =  118  368  Groß--tonnen
  Kopra  ausgeführt,  wovon  65  v.  H.  nach
Marseille  gingen.  Im  gleichen  Jahre  wurden
von  Ceylon  38  958  825  kg  Kopra  verschifft,
wovon  22  154  034  kg  nach  Hamburg  bestimmt
waren.  Die  Frachtrate  für  Kopra  von  Manila
nach  Marseille  ist  etwas  höher  als  die  von  Ceylon
nach  Hamburg.

Die  Preise  für  Manila-Kopra  in  Marseille  für
die  Großtonne  schwankten  1910  zwischen  106,80  8
(Juni)  und  123,33  3  (April);  der  Jahresdurchschnittspreis
  betrug  114,75  8.  Für  Ceylon-Kopra
gleicher  Menge  wurden  in  Hamburg  bezahlt
127,43  3  (Februar)  bis  139,06  3  (Oktober),  im
Durchschnitt  137,35  3.  Danach  brachte  die
böchstbezahlte  Manila-Kopra  4,10  8  weniger  als
die  niedrigstbewertete  Ceylon-Kopra.  Durchschnittlich
  ergab  sich  im  Jahre  1910  für  Ceylon-Kopra
in  Hamburg  für  die  Großtonne  ein  um  22,90  3
besserer  Preis  als  für  Manila-Kopra  in  Marseille.
Dies  bedeutet  für  die  1910  von  den  Philippinen
verschifften  118  368  Großtonnen  einen  entgangenen
  Gewinn  von  etwa  5  Millionen  Pesos.

Eine  gleichartige  Berechnung  des  Ausfalls  für
die  letzten  Jahrzehnte  ergibt  enorme  Summen.

Auf  Grund  dieser  Ziffern  ist  Gelegenheit  genommen
  worden,  eine  öffentliche  Mahnung  an
die  Pflanzer  auf  den  Philippinen  zu  richten,  den
Wert  ihres  Erzeugnisses  durch  sachgemäße  Behandlung
  zu  steigern  und  dadurch  zur  Hebung
des  Wohlstandes  auf  den  Inseln  beizutragen.

(Bericht  des  Kaiserl.  Konsuls  in  Manila.)

Kopra-Rusfuhr  Javos  1910.“)

Java-Kopra  erfreute  sich  früher  eines  guten
Rufes,  der  aber  in  den  letzten  Jahren  durch
Pflücken  und  Verarbeiten  unreifer  Früchte  durch
die  stets  geldbedürftige  Bevölkerung  stark  gelitten
hat.  Neuerdings  wird  regierungsseitig  durch  Einführung
  einer  Kontrolle  auf  eine  Verbesserung  der
Qualität  hingearbeitet.  Die  Kokospalme  wird
sowohl  von  der  einheimischen  Bevölkerung  wie
von  europäischen  Unternehmungen  gezogen.

Die  Kopra-Ausfuhr  ist  nach  den  Ziffern
der  Monatsstatistik  von  1908  bis  1910  mit  einer
Abschwächung  in  1909  von  96,4  auf  108,65  Millionen
  kg  gestiegen.  Die  genaueren  Ziffern  sind
1908:  96  419  619  kg;  1909:  72394  761  kg;
1910:  108  659  967  kg.  Diese  Ausfuhr  ging

*)  Vgl.  „D.  Kol.  Bl.“  1910,  S.  195  ff.  und  S.  635.