Full text: Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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bahn und den Schwierigkeiten der Schiffahrt auf 
dem Kasai belastet. In der Trockenzeit sind 
diese außerordentlich groß, namentlich auf der 
Strecke von Basongo bis Luebo; es gibt Jahre, 
in denen hier selbst die kleinen 25-.-Dampfer 
nicht fahren können. Der noch mögliche Tief- 
gang für die Dampfer soll zur Zeit des Niedrig- 
wassers nicht mehr als 0,80 m sein. Nach 
Djoko-Punda hinauf ist die Schiffahrt etwas ein- 
facher. Aber auch hier können größere Dampfer 
in der Trockenzeit nicht verkehren. Zur Zeit des 
Hochwassers fahren dagegen die 250-t-Dampfer 
nach Luebo und Djoko-Punda. Die Wasserver- 
hältmisse könnten scheinbar ohne große Auf- 
wendungen verbessert werden, wenn bei Bena 
Makima das Tal des dort sich in drei Arme 
teilenden Flusses durch Sperrung eines Armes 
verengt, die Strömung gesteigert und die Wasser- 
tiefe vergrößert würde. 
Den Schiffsverkehr besorgt einmal der Staat 
mit einer regelmäßigen dreiwöchentlichen Linie. 
In der Trockenzeit erfolgt in Basongo eine Um- 
ladung auf kleinere Dampfer. Vom Januar bis 
Juni 1914 waren als Transitgüter in Basongo 
insgesamt 102 840 kg eingelagert und weiter- 
befördert worden, davon in der Zeit vom 
15. Mai bis Ende Juni, d. h. zur Zeit des 
Niedrigwassers 52 108 kg. Die Gesamtmenge 
des Durchgangsverkehrs dürfte während der 
Trockenzeit etwa 200 bis 300 t und während 
der Regenzeit höchstens 100 t betragen. Neben 
den Staatsdampfern befahren auch die Dampfer 
der Schiffahrtsgesellschaft „Citas“, der Compagnie 
du Kasai, der Missionsgesellschaften und der 
Congo Trading Company den Kasai und Lulua. 
Kommen letztere auch für den allgemeinen Handel 
kaum in Betracht, so vermehren sie doch die 
Gelegenheit zur Post= und Personenbefäörderung. 
Die Fahrt von Luebo nach Djoko-Punda dauert 
9 bis 10, umgekehrt 10 bis 11 Stunden. 
Für die an der Nordgrenze des Bezirkes ge- 
legenen Orte bleibt dann noch der bis Pania 
Mutombo schiffbare Sankuru eine gute Verbindung. 
Von den Zuflüssen des Kasai und Sankuru sind 
für Balinièren und eventuell noch für kleine Motor- 
boote der Lubudi, der Loange, der Lubue und 
der Kamtscha bis zu der bereits erwähnten 
Schnellenlinie befahrbar. Ebenso ist der Kasai 
noch einmal oberhalb der Wissmannfälle bis zu 
dem Poggefall bei Maimunene für kleinere Fahr- 
zeuge schiffbar, was die „Forminière“ für ihre 
Zwecke ausnützen will. 
Der Nordsüdrichtung dieser Wasserläufe folgen 
auch die hauptsächlichsten Verkehrsstraßen inner- 
halb des Bezirks selbst (soweit bei den noch 
gänzlich unausgebauten Pfaden des Bezirks von 
  
n 
Verkehrsstraßen die Rede sein kann), die sich noch 
mit wenigen Ausnahmen in Windungen und Zick- 
zacklinien ohne jede Rücksicht auf die Erleichterung 
des Verkehrs durch das Gelände ziehen, wie 
vielleicht der ein Stück Wild verfolgende Einge- 
borene die erste Trasse trat. Der einzige Weg, 
bei dem ein Ausbau versucht ist, ist der Fahrweg, 
den die „Forminière“ von Djoko-Punda nach 
Bantuasanshi zu bauen begonnen hat. Dieser 
Weg ist bisher in 4 m Breite, doch ohne Seiten- 
gräben und ohne besondere Befestigung der Decken- 
wölbung hergestellt. Die für ihn herausgebrachten 
Wagen sind offensichtlich viel zu schwer, und es 
dürfte sich überhaupt fragen, ob der Weg in 
seiner jetzigen Bauart eine Regenzeit überdauert. 
Er war im Juli 1914 auf etwa 10 km bis 
Dumbi fertig. 
Die Regierung hatte im Jahre 1914 be- 
gonnen, für die Strecke von Luebo nach Tshikapa 
eine Trasse für einen Weg für Wagenverkehr 
ausfindig zu machen. Wenn sich auch die gefundene 
Trasse sicher noch in vielen Punkten verbessern 
ließe, so sind ihre Steigungsverhältnisse günstig, 
da der Weg auf der Wasserscheide entlang führt. 
Anderseits macht gerade dieser Umstand den 
Weg für den Trägerverkehr ungeeignet, da die 
Träger nicht die lange wasserlose Strecke zurück- 
legen können. Dasselbe gilt für die neue Trasse 
des Weges von Luebo nach Luluaburg. Auch 
diese vermeidet die tiefen außerordentlich beschwer- 
lichen Täler, die der alte Weg durchquerte. Die 
Eingeborenen werden aber trotzdem den alten 
Weg vorziehen, da sie auf ihm wenigstens in den 
Tälern Wasser finden. Für Automobilverkehr 
könnten dagegen die Trassierungsarbeiten wertvoll 
werden. 
Die wichtigsten Wege sind zur Zeit: 
der Weg von Luebo nach Luluaburg (30 Std.), 
hierbei können auf eine Stunde etwa 4½ km 
gerechnet werden, 
von Luebo nach Mushenge (20½ Std.), 
Lnebo—Kalamba (44 Std.), Trägertarif einschl. 
Verpflegung hin und zurück, bei einmaligem 
Leergehen 4,50 Fr., sonst 6,75 Fr., 
Luebo— Sadi über Kalamba (71 Std.), 
Luebo—Kalamba über Lulnaburg, 
Luebo—Dibaia über Luluaburg, 
Lucbo — Tshibola, 
Kalamba—Loange, 
Luluaburg —Sadi, 
Luluaburg — Luisa, 
Luluaburg — Lusambo, 
Luluaburg—Kandakanda, Trägertarif, hin und 
zurück, einmal leer 5,65 Fr., worin Ver- 
pflegung eingeschlossen,
	        
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