142 Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Max Rubner.
eitig erreichen, so nur wäre das Ziel einer Gesundung unserer
olksschüler in richtige Bahnen geleitet. Jeder kräftige Nachwuchs
ist die Sicherheit für die Herrschaft einer Nation im Kampfe mit den
anderen.
Ob sich diese gestellten Ziele werden erreichen lassen, hängt von den
Aufwendungen ab, die gemacht werden müssen. Darüber läßt sich
aber erst näheres angeben, wenn man die Ernährungsaufgabe eingehender
betrachtet.
Was sollen wir den Kindern bei der Schulspeisung bieten? Es ist
bekannt, daß das Ernährungsbedürfnis namentlich in den oberen Klassen
der Volksschule bereits ein sehr lebhaftes ist. Die Verschiedenheiten der
einzelnen Schüler treten schon sehr ausgeprägt hervor. Das Temperament
äußert sich bereits recht klar, die Ruhe des einen Kindes, die Spiellust und
der Betätigungsdrang des anderen. Wir haben auch schon hervorgehoben,
daß schlecht geheizte Wohnungen, schlechte Kleidung, die Beschäftigung
im Haushalte zu Besorgungen aller Art das Nahrungsbedürfnis steigern.
Eine vernünftige Ernährung in diesem Alter bietet außer den drei
Hauptmahlzeiten noch ein zweites Frühstück und des Nachmittags gleichfalls
eine kleine Mahlzeit. Die Milch soll in der Kost noch immer bevorzugt
werden, Alkoholika müssen den Kindern versagt bleiben und
ebenso soll der Genuß von Kaffee und Tee auf ein sehr bescheidenes
Maß eingeschränkt oder weggelassen werden. Die Hauptmahlzeit verlege
man nicht auf den Abend, überhaupt soll Essen und Trinken kurz vor
dem Zubettegehen und Schlafen wegfallen. Das Frühstück soll warm
eingenommen werden, ebenso die Mittagsmahlzeit. Die Abendmahlzeit
kann man abwechselnd warm oder kalt verabreichen.
Die öffentliche Ernährung macht im Laufe der Zeiten manche Anderungen
durch, man möchte geradezu von Moden sprechen. Im Laufe
der Jahrzehnte hat sich aus unserer Ernährung etwas verloren, was
früher eine allgemeine Bedeutung hatte: das sind nahrhafte Suppen,
die sogar als Frühstück vielfach genommen wurden, aber allmählich
durch einen dünnen Kaffee, Tee oder andere nutzlose Surrogate ersetzt
worden sind. So erhält auch das Kind heutzutage vielmehr von diesen
erregenden Getränken, mehr als ihm gut und wohltätig ist und weniger
nahrhafte Speisen. Speziell die Darreichung von Mehl= und Milchsuppen
verschiedener Zubereitung hat sich aus dem Kindesmenü vollkommen
verloren. Es dürfte sich empfehlen, im Haushaltungsunterricht
auch der Frage der rationellen Schulkinderernährung erneute Aufmerksamkeit
zu schenken. Wird nun von der Schule festgestellt, daß ein
Kind ungenügend ernährt ist, so hat die Schulspeisung die Aufgabe,
das Fehlende zu ergänzen; bald handelt es sich um einen Ersatz des
ersten und zweiten Frühstücks, bald um das Mittagessen oder um die
Vespermahlzeit, je nach den Umständen. Man wird aber bei diesen
Speisungen besonders dort, wo es an einer Mittagmahlzeit fehlt, zu
erwägen haben, daß die Speisung zwei Aufgaben hat:
1. Das heruntergekommene Kind muß zunächst auf das seiner Größe
entsprechende Normalgewicht gehoben, d. h. der Körper muß
wieder gesund gemacht werden.