Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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titelt:  „Field  Notes  on  German  East  African,
General  Staff  India,  August  1914,  das  in  Simla
herausgegeben  ist  und  aus  der  Feder  des  bis
zum  Kriegsausbruch  in  Daressalam  tätigen  englischen
  Konsuls  Norman  King  stammt.

Nachstehend  geben  wir  die  Ausführungen
darüber  so  wieder,  wie  sie  uns  überkommen  sind:

Die  Arbeit  zeigt  deutlich,  wie  die  Engländer  ganz
positiv  mit  einer  vollkommenen  Croberung  unserer
Kolonie  gerechnet  haben,  da  in  einer  ebenfalls  erbeuteten
  englischen  Landkarte  unserer  Kolonie  bereits
von  den  Engländern  zu  erbauende  neue  Eisenbahnlinien
  eingezeichnet  sind.  Wir  erkennen  hieraus  unzweifelhaft,
  welche  Absichten  England  auf  unsere
Kolonie  hat,  und  diese  Erkenntnis  wird  nun  wohl  allen
Deutschen  eine  dringende  Aufforderung  sein,  unser
Letztes  an  die  Verteidigung  Deutsch-Ostafrikas  zu  setzen.

Ferner  kann  jetzt  wohl  von  niemandem  mehr  bezweiselt
  werden,  daß  nur  das  energische,  zielbewußte
Vorgehen  unserer  Schutztruppe  den  Feind  in  seinen
Absichten  ganz  erheblich  gestört  und  schließlich  auch  zu
dem  ersten  glänzenden  Erfolg  in  Tanga  geführt  hat.

Von  größtem  Interesse  für  uns  ist  schließlich  der
Umstand,  daß  die  militärische  Aktion  gegen  unsere
Kolonie  von  dem  Generalstab  in  Indien  aus  geleitet
wird.  —

Der  Bericht  lautet:

Bevölkerung:  Der  Bezirk  Moschi  enthält  die  meisten
englischen  Untertanen,  16  Briten  und  234  Buren.
Eine  zweite  Burenkolonie,  die  300  Köpfe  zählt,  hat
sich  1906  in  Jraku,  südöstlich  Aruscha,  gebildet.  Die
europäische  Bevölkerung  von  Daressalam-Stadt  zählt
über  1000,  darunter  700  Männer,  200  Frauen,  100
Kinder.

Die  Beamten  Daressalams  haben  ihre  Frauen
und  Kinder  in  der  Hauptstadt  gelassen;  im  Falle  eines
Angriffs  sind  sie  angewiesen,  sich  nach  dem  Hospital
zu  begeben,  da  es  im  Innern  kein  passendes  Unterkommen
  für  sie  gibt.

Hilfsquellen:  Weideflächen  scheinen  im  Innern,
spegiell  in  den  Viehländern,  wie  Ruanda,  im  Uberfluß
vorhanden  zu  sein.  An  der  Küfste  gibt  es  keine  Weiden,
der  Futterbedarf  müßte  daher  von  Indien  mitgebracht
werden.  Daressalam  hing  früher  bezüglich  des  größten
Teils  seiner  Zufuhr  von  Sansibar  ab.  Mehrere  europäische
  und  eingeborene  Firmen  haben  Agenten  an
beiden  Plätzen.  Nach  Vollendung  der  Bahn  bezieht
Daressalam  seinen  Bedarf  mehr  und  mehr  vom  Innern

Die  Deutschen  haben  alle  brauchbaren  Magazine
beschlagnahmt,  und  die  Dürre  dieses  Jahres  läßt  stellenweise
  Hungersnot  drohen.  Der  Bedarf  für  die
Truppen  sollte  daher  mitgebracht  werden,  und  es  mag
politisch  angezeigt  sein,  Reis  im  Vorrat  für  die  hungernden
  Eingeborenen  mitzunehmen  und  ihn  entweder
gratis  oder  zu  mäßigen  Preisen  abzugeben.  Das  Bieh
wird  von  den  Besitzern  gleichfalls  weggebracht  oder
von  den  Deutschen  in  Sicherheit  gebracht  sein.  Später
aber  wird  sich  solches  wahrscheinlich  beschaffen  lassen,
obgleich  die  Eingeborenen  sich  nicht  gern  davon  trennen.
(Gemüse  ist  in  Daressalam  nicht  zu  bekommen,  in
Tanga  dagegen  gibt  es  reichlich.

Militär:  Die  für  die  Verteidigung  des  Landes
in  Betracht  kommenden  Truppen  bestehen  aus  14  Kom-ü
pagnien  eingeborener  Infanterie,  befehligt  von  deutschen
Offizieren  der  Armee,  die  meist  aus  Infanteric-Reginentern
  stammen.  Dazu  kommt  die  Poligei,  die  mililürisch
  auogebildet  ist  und  zum  Teil  aus  Leuten  be- 



steht,  die  früher  in  der  Schutztruppe  gedient  haben.
Es  gibt  keine  Kavallerie.  Ferner  sind  vorhanden  3000
deutsche  Einwohner,  Beamte  und  Ansiedler,  die  fähig
zum  Waffendienst  sind.  Die  eingeborenen  Irregulären
besitzen  keinen  großen  Wert.  Es  ist  unwahrscheinlich.
daß  mehr  als  4000  an  einem  gegebenen  Platz  zusammengezogen
  werden  könnten,  um  einem  Angriff  zu

begegnen.

Die  Leute  sind  mit  der  Jägerbüchse  (M.  71)  ohne
Magazin  und  kurzem  Seitengewehr  bewaffnet.  Eine
Umbewaffnung  mit  dem  Karabiner  98  mit  Magazin
und  Seitengewehr  98  war  beabsichtigt,  sic  ist  aber  anscheinend
  nicht  zur  Ausführung  gekommen.  Versuche
werden  auch  mit  einem  automatischen  Repetiergewehr
gemacht,  welches  aber  nur  für  den  Gebrauch  der  europäischen
  Offiziere  bestimmt  war.  Natürlich  ist  die
ursprüngliche  Aufgabe  dieser  Truppen,  Eingeborenen-Aufstände
  in  Deutsch-Ostafrika  zu
unterdrücken  und  nicht  das  Land  gegen  einen
Feind  von  außerhalb  zu  verteidigen  oder  gar
die  Offensive  zu  ergreifen.

Die  eingeborenen  Truppen  sind  gut  diszipliniert
und  als  gute  Schützen  bekannt.  Sie  neigen  zur  Verachtung
  indischer  Truppen,  sie  hassen  sic,  und  man  kann
annehmen,  daß  sie  gut  kämpfen  werden.

Die  deutschen  Ansiedler  sind  wahrscheinlich  recht
gute  Soldaten,  da  sie  an  Jagd  gewöhnt  sind.  Die
Einwohner  der  Städte,  spegiell  Daressalams,  können
kaum  von  großem  Wert  sein  und  haben  wahrscheinlich
wenig  Neigung  zum  Kämpfen  (and  have  probablr
little  stomach  for  fichring).  Schützenvereinc  sind  gebildet
  in  Daressalam,  Tanga,  Morogoro,  Moschi,  Wilhelmstal,
  Aruscha  und  Meru.

Es  gibt  keine  besondere  Artillerie-Abteilung,
  obgleich  eine  Anzgahl  Offiziere  aus  dieser  Waffengattung
  hervorgegangen  ist.  Mitteilungen  hierüber
sind  ungenau.  Die  meisten  Offiziere  entstammen  Infanterie-Regimentern.
  1909  sollen  im  Schutzgebiet  vorhanden
  gewesen  sein:  38  Maschinengewehre.

Von  Nairobi  wird  im  August  1914  gemeldet,  das
es  48  Geschütze  gab,  meist  in  Verteidigungsstellungen
6  Berggeschütze,  eine  Anzahl  leichter  Feld-  und  anderer
kleiner  Geschütze,  ungefähr  42  Maschinengewehre.

Ein  Artillerie-Depot  und  Pulvermagagin  befindet
sich  auf  der  Halbinsel  gegenüber  Daressalam-Stadt.

Im  August  1914  berichtet  Mr.  King,  er  habe  niemals
  Geschützerxerzieren  in  Daressalam  bemerkt.  noch
davon  sprechen  gehört;  er  sagte,  daß  nur  zwoölf  Geschütze
  anderer  Konstruktion  vorhanden  wären,  von
denen  drei  in  Tabora  seien.  Es  gibt  eine  Salutbatteric
  von  vier  Geschützen  alten  Modells  in  Daressalam,
  die  bald  nach  dem  Kriege  von  70  in  der  deutschen
Armee  eingeführt  waren.  „Ein  deutscher  Offizier  teilte
mir  mit,  daß  diese  vier  Geschütze  ausgeschlossen  seien
und  ebensogut  ins  Wasser  geworfen  werden  könnten.
Er  sagte  noch,  daß  die  vorhandene  Munition  nur  für
Salutzwecke  diene.  Das  war  vor  ungefähr  1½  Jahren,
indessen  bemerkte  ich,  daß  diese  Geschütze  weggenommen
und  ins  Innere  geschafft  worden  waren,  wahrscheinlich
um  bei  der  Verteidigung  mitzuwirken.  Das  Artilleriedepot
  in  Daressalam  konnte  wahrscheinlich  Munition
machen,.  Die  Revolverkanonen  der  „Move“  und  ein
Maschinengewehr  wurden  heruntergenommen,  bevor
das  Schiff  versenkt  wurde.  Vorhanden  ist  wenigsteno
ein  Doppeldecker  im  Schugebiect,  er  ist  von  Daressalam
  nach  Bagamoyo  geflogen;  es  soll  eine  Menge
Ol  und  50  Fässer  Benzin  geben.  Zwei  Flugzeuge  sind
seitdem  über  Nairobi  gesehen  worden.“

Im  ganzen  schätzt  Mr.  King  die  Zahl  der  Europäer.

die  bei  der  Verteidigung  in  erster  Linie  in  Betracht