Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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Jeladen  ist,  so  mutet  das  den  Kenner  der  Südseeverhältnisse
  etwas  eigenartig  an.  Der  Häuptling
von  Kusaie  hat  denn  auch  in  einer  Rede,  die  ihm
jedenfalls  von  den  Japanern  suggeriert  war,  erklärt,
daß  ihm  das  japanische  Gesetz  weit  besser  zusage  als
das  deutsche  und  es  sich  unter  ihm  besser  leben  lasse;
mit  dem  jetzigen  Besuch  Japans  sei  ihm  ein  längst
gehegter  Wunsch  in  Erfüllung  gegangen.
Die  armen  törichten  Kerle!“

Auf  den  Marianen-Inseln  Rota  und  Saipan
scheint  ein  Taifun  Verheerungen  angerichtet  zu
haben.  Eine  amtliche  Mitteilung  hierüber  liegt
indessen  noch  nicht  vor,  doch  sind  Schritte  eingeleitet
  worden,  um  näheres  über  die  Vorgänge
auf  den  Inseln  in  Erfahrung  zu  bringen.

2.  Samoa.

Was  hinsichtlich  der  Post=  und  Telegraphenverbindung
  bei  Deutsch-Neuguinea  gesagt  worden
ist,  gilt  auch  für  Samoa,  und  zwar  in  noch
höherem  Maße.  Die  neuseeländischen  Behörden
find  dort  nach  wie  vor  bestrebt,  jeden  Verkehr
der  Deutschen  im  Schutzgebiet  mit  der  Heimat
mit  den  schärfsten  Mitteln  zu  verhindern.

Für  die  Zeit  seit  der  Besetzung  des  Schutzgebiets
  durch  die  Neuseeländer  bis  einschließlich
Juni  d.  Is.  liegt  nunmehr  eine  Finanzübersicht
der  Okkupationsbehörde  über  die  Einnahmen  und
Ausgaben  vor.

Danach  haben  die  Einnahmen  in  der  Zeit
bis  einschließlich  März  d.  Is.  895  204,46  K  und
die  Ausgaben  435  404,16  ./  betragen.  Von
April  bis  Juni  d.  Is.  sind  225  680  J1/4  eingegangen
und  220  033  ausgegeben  worden.  Soweit
sich  von  hier  aus  übersehen  läßt,  können  die  Einnahmen
  an  Zöllen  und  Steuern  als  normal  bezeichnet
  werden.  Dagegen  ist  bei  der  Kopfsteuer
der  Eingeborenen  ein  Ausfall  von  mehr  als  der

 

Hälfte  des  Etatssolls  zu  verzeichnen.  Der  Grund
hierfür  ist  indessen  aus  der  Zusammenstellung
nicht  zu  erkennen.

Neue  einschneidende  Verordnungen  sind  seit
der  letzten  Mitteilung,  so  weit  die  Zeitungsnachrichten
reichen,  nicht  ergangen.

Über  den  Gesundheitszustand  und  die  Behandlung
  der  deutschen  Kriegsgefangenen  aus  Samoa,
die  auf  der  Insel  Motuihi  bei  Auckland  (Neuseeland)
  interniert  sind,  ist  inzwischen  ein  amtlicher
Bericht  des  amerikanischen  Generalkonsuls  in
Auckland  eingegangen.  Der  Generalkonsul  hat
die  Kriegsgefangenen  mit  Genehmigung  der  Behörde
  am  3.  Juli  d.  Is.  besucht  und  alle  auf  der
Insel  internierten  Deutschen  mit  Ausnahme  des
Gouverneurs,  der  an  Erkältungsfolgen  litt,  in
guter  Gesundheit  angetroffen.  Tagsüber  sei  den
Gefangenen  erlaubt,  sich  frei  auf  der  Insel  zu
ergehen;  wenn  nötig,  dürften  sie  auch  unter  Bewachung
  nach  der  Stadt  Auckland  gehen,  um
Einkäufe  zu  besorgen,  den  Zahnarzt  oder  einen
anderen  Arzt  aufzusuchen  usw.  Unter  den  deutschen
Gefangenen  selbst  befinde  sich  ein  Arzt,  ein
anderer  besuche  die  Insel  zweimal  in  der  Woche,
außerdem  habe  die  Insel  telephonische  Verbindung
mit  Auckland.

Seine  gesamten  Eindrücke  faßte  der  Generalkonsul
  sodann  in  folgenden  Worten  zusammen:

„Mir  wollte  es  scheinen,  als  bot  dort  kaum
etwas  zu  besonderen  Bemerkungen  Anlaß.
Gewiß  leben  die  Beamten  dort  unter  Bedingungen,
  die  weit  verschieden  von  denen  sind,
an  die  sie  bisher  gewöhnt  waren;  die  Einrichtungen
  gleichen  indessen  ziemlich  denen,
wie  man  sie  daheim  in  einer  Sommerfrische
antrifft.“

Nachrichten  aus  den  deutschen  Schutzgebieten.

(Abdruck  der  Nachrichten  vollständig  oder  teilweise  nur  mit  Quellenangabe  gestattet.)

 

Koamerun.

Englische  Umtriebe  in  Kamerun.

In  einer  in  Kamerun  während  des  Krieges
aufgefundenen  englischen  Druckschrift  „British
Heroes“  findet  sich  die  Lebensgeschichte  eines
in  Kamerun  gefallenen  englischen  Offiziers,
  Hauptmanns  T.  Wickham,  der  anscheinend

in  Nigerischen  Diensten  gestanden  hat.  Dieser
Nachruf  enthält  folgende  beachtenswerte  Bemerkungen:


p.  It  has  long  heen  the  „Schon  immer  haben

"  Freibeuterc  aus  unseren

hubit  of  rovring  kentlesüdafrikanischen
  Besitzungen

men  from  Our  South

die  Gewohnheit,  nach  Kamerun
  zu  gehen,  dort
Unrube  zu  stiften,  den

Africaun  dominion  to
joOnnev  up  to  the  Cumeroons
  and  organise

 

tronble,  sell  the  nutivrcs
risles  and  ummunittion
and  cvben  help  them
bote  a  few  (iermuns.
This  sort  of  thing  is  not
encournged  by  our  Goverumem,
  but  one  cnunnot
  help  having  some
ampathy  with  the  daring
  alventurers  who
clo  it.“

Eingeborenen  Gewehre
und  Munition  zu  verkaufen
  und  ihnen  sogar
beizustehen,  Deutsche
über  den  Haufen  zu
schießen.  Zwar  wird  derartiges
  Treiben  von  unserer
Regierung  nicht  unterstützt:
doch  kann  man  diesen  verwegenen
  Abenteuern  eine
gewisse  Sympathie
nicht  versagen.“