Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVIX. Jahrgang, 1918. (29)

W  144  20

und  projektierten  Schienen=  und  Kraftwagenwege  sowie  der  schiffbaren  Flüsse  zu  schaffen.  Daneben
sollen  so  viel  wirtschaftlich  nutzbare  und  topographische  Einzelheiten  zur  kartographischen  Darstellung
kommen,  daß  die  Karte  einen  genügenden  Überblick  über  den  wirtschaftlichen  Wert  des  aufgenommenen
Gebietes  gibt.

§  17.  Aufzunehmen  sind
alle  wirtschaftlichen  Anlagen  und  Häuser  von  Europäern,
4.#die  Dorflagen  und  Einzelgehöfte  der  Eingeborenen,

.  die  Verbindungswege  zwischen  den  Dorsfschaften,
4.  die  Gewässer  (Seen,  Flüsse,  Bäche,  Quellen,  Sümpfe),
.  die  Eingeborenen-Farmen  (besonders  Kakaofarmen  und  Olpalmenbestände).

Skizzenhaft  darzustellen  sind  die  Geländehöhenbildung,  Schluchten,  Felswände  und  die
Grenzen  zwischen  primärem  Urwald,  sekundärem  Busch,  Grasland,  Weide  usw.  Außerdem  soll  die
Karte  Angaben  über  die  Bodenbeschaffenheit  enthalten.

*  18.  Die  Erkundungsaufnahmen  werden  in  der  Weise  durchgeführt,  daß  innerhalb  eines
genauer  vermessenen  und  rechnerisch  in  sich  ausgeglichenen  Polygonrahmens  die  nach  8  17  aufzunehmenden
  Einzelheiten  durch  Kompaßschrittmaßzüge  und  Aneroidmessungen  ermittelt  werden,  deren
kartographische  Resultate  auf  die  Horizontal=  und  Vertikalmaße  des  Umringspolygons  ausgeglichen
  werden.

Das  aufzunehmende  Gebiet  ist  zu  diesem  Zwecke  in  einzelne  Landabschnitte  (Vermessungsblöcke)
  einzuteilen,  deren  Figuration  sich  einem  Kreise  möglichst  nähern  und  deren  Querausdehnung
  6  km  nicht  übersteigen  soll,  um  eine  für  die  koordinatorische  Berechnung  des  Umrings
möglichst  günstige  Figur  zu  erhalten  und  die  Kartierung  der  einzelnen  Vermessungsblöcke  auf  Whatmanbogen
  1,00  zu  0,66  m  im  Maßstab  1:10  000  zu  ermöglichen.

Die  einzelnen  Vermessungsblöcke  werden  nach  charakteristischen  Ortsnamen  bezeichnet.

§5  20.  Der  Polygourahmen  der  einzelnen  Vermessungsblöcke  schließt  sich  nach  Möglichkeit
an  vorhandene  Wege  und  Gewässer  an.  Bei  scharfen  Krümmungen  von  Flüssen  oder  Wegen  sind,
um  ein  häufiges  Wechseln  der  Richtung  des  Umringspolygons  zu  vermeiden,  begradigende  Durchbuschungen
  vorzunehmen.  Die  aus  dem  Polygonrahmen  hervorragenden  natürlichen  Grenzen  des
Vermessungsblocks  sind  durch  besondere  Messungen  auf  das  Umringspolygon  aufzusetzen.

Wo  es  nicht  möglich  ist,  den  Polygonrahmen  unter  Einhaltung  der  Querausdehnung  der
Vermessungsblöcke  von  6  km  an  vorhandene  Wege  usw.  anzuschließen,  sind  unter  möglichster  Einhaltung
  bestimmter,  sich  aus  der  Gestaltung  des  Vermessungsblocks  ergebender  Himmelsrichtungen
Durchbuschungen  vorzunehmen,  welche  sich  an  für  die  Vermessung  günstiges  Gelände  anschließen.

§  21.  Wo  infolge  ausgedehnter  Wasserstücke,  Sümpfe  oder  steiler  Berglagen,  welche  wirtschaftlich
  nicht  wertvoll  sind,  sich  die  Einteilung  in  Vermessungsblöcke  von  bis  6  km  Querausdehnung
nicht  durchführen  läßt,  sind  diese  Landabschnitte  durch  ein  sich  der  Ortlichkeit  anschließendes  Umringspolygon
  größeren  Umfanges  aufzunehmen.  Die  Kartierung  erfolgt  in  diesem  Falle  in  dem  Maßstabe
1:25  000  oder  1:50  000.

§*  22.  Wo  mehrere  Vermessungsbeamte  in  derselben  Gegend  arbeiten,  haben  sie  sich  über
die  Abgrenzung  der  einzelnen  Vermessungsblöcke  zu  verständigen.

§*  23.  Der  Polygonrahmen  des  Vermessungsblocks  ist  mittels  doppelt  in  verschiedener
Richtung  gemessener  Kompaßzüge  aufzunehmen,  deren  Seiten  20  m  lang,  deren  Azimute  mit  dem
Stockkompah,  auf  1°  genau  bestimmt  werden,  während  die  Neigungen  gegen  den  Horizont  in  kupiertem
Gelände  mit  einem  Freihandgefällmesser  gemessen  werden.  Wo  sich  der  Vermessungsblock  an  projektierte
  Schienen=  oder  geradlinig  ausgebaute  Wege  bzw.  an  breit  ausgehauene  Schneusen  anschließt,
die  weite  Sichten  gestatten,  wird  der  betreffende  Teil  des  Polygonrahmens  durch  Theodolitpolygonzüge
  gemessen;  die  Längenbestimmung  der  Polygonseiten  erfolgt  durch  tachymetrische  und  Meßbandmessung,
  letztere  in  kupiertem  Gelände  in  Verbindung  mit  Gefällmesser.  Die  Höhenbestimmung
der  Polygonpunkte  erfolgt  durch  den  Tachymeter,  diejenige  der  dazwischen  liegenden  Geländepunkte
auf  Grund  der  durch  den  Gefällmesser  erlangten  Werte.  Die  durch  die  Meßbandmessung  erhaltene
Länge  ist  für  die  Berechnung  anzuhalten.

An  ausgebauten  Schienenwegen  ist  in  allen  Fällen  die  Theodolitwinkelmessung  anzuwenden.

Der  mittels  Theodolitmessung  aufgenommene  Teil  des  Polygonrahmens  wird  bei  der  Koordinatenrechnung
  als  Basis  angehalten.

Falls  für  einen  Teil  des  Polygonrahmens  eine  früher  erfolgte  genauere  koordinatorische
Bestimmung  vorliegt,  ist  diese  als  Basis  anzuhalten.

S.———