Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVIX. Jahrgang, 1918. (29)

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Abmessungen  zu  verwenden.  Die  Grenzsteine  sollen  die  Erdoberfläüche  um  10  cm  überragen.  Außer
an  den  Endpunkten  der  Grundstücksgrenzen  sind  Grenzsteine  so  zu  setzen,  daß  sie  möglichst  gegenseitig
  sichtbar  sind.

§5  10.  Werden  Grenzen  durch  natürliche  Objekte,  wie  Bach=  und  Flußläufe,  Meeresufer,
Wege,  Gebirgskämme,  gebildet,  so  sind  diese  Grenzen  von  besonderen  Messungslinien  oder  mit  Kompaßmeßbandzügen,
  die  an  Polygon=  oder  Dreieckspunkte  anschließen,  aufzunehmen.

§5  11.  Wege  (auch  Eingeborenenpfade),  Bäche  und  sonstige  Wasserläufe  sind  je  nach  ihrer
Bedeutung  mit  Kompaßmeßbandzügen  oder  Kompaßschrittzügen  aufzunehmen,  zuweilen  genügt  auch
eine  gute  Skizzierung  und  Anmessung  der  Schnitte  mit  Grenzen  oder  Messungslinien.

Kompaßrichtungen  sind  in  allen  Vermessungsschriften  rechtläufig  anzugeben,  d.  h.  von
magnetisch  Norden  über  Osten  und  Süden  nach  Westen.

*  12.  Punkte,  auf  denen  trigonometrische  oder  polygonometrische  Beobachtungen  ausgeführt
sind,  müssen,  soweit  sie  nicht  schon  durch  Festpunkte  bezeichnet  sind,  durch  unverwülstliche  Marken
(Hohlziegel,  Dränröhren,  Zementmarken)  dauerhaft  markiert  werden,  so  daß  sie  jederzeit  auffindbar
sind.  In  den  Vermessungsschriften  ist  die  Art  der  Vermarkung  anzugeben.

Triangulationen.

5  13.  a)  Die  Basismessung  erfolgt  entweder  mit  Stahlband  oder  dem  Verfahren  mittels
horizontaler  Distanzlatte")

b)  Die  Winkelermittlungen,  für  welche  in  der  Regel  Theodolite  mit  20“  Angabe  ausreichen,
finden  statt:

entweder
1.  (5.  B.  bei  Rückwärtseinschnitten  und  Vorwärtsabschnitten  sowie  bei  Polygonzügen  und  Polygon-=anschlüssen
  und  dergl.)

durch  Richtungsmessungen  in  Sätzen.  Unter  einem  Satz  wird  das  bei  rechtsläufiger
Alhidadendrehung  erfolgende  einmalige  Durchlaufen  sämtlicher  Ziele  bei  lotrechter  Stehachse  in  einer
Fernrohrlage  unter  Ablesung  an  zwei  Zeigern  für  jedes  Ziel  verstanden.  Die  Sätze  sind  in  einer
geraden  Anzahl  (2,  4  usw.)  zu  beobachten.

Nach  jedem  1.,  3.,  5.  usw.  Satz  ist  der  Limbus  um  einen  ungefähren  Sektor  von  u  zu

verstellen  (n  —  Anzahl  der  Sätze),  das  Fernrohr  durchzuschlagen  und  in  umgekehrter  Zielfolge,  aber
wieder  in  rechtsläufiger  Alhidadendrehung  wie  vorher  weiterzubeobachten.  Das  Verstellen  des  Limbus
um  etwa  geschieht  auch  zwischen  den  übrigen  Sätzen.

Zur  Beurteilung  der  Genauigkeit  sind  die  Mittelwerte  der  reduzierten  Richtungen  aus  1.
und  2.,  3.  und  4.  usw.  Satz  in  Vergleich  zu  stellen,  da  die  in  heißen  Gegenden  meist  sehr  starke
Stativdrehung  sonst  ein  schnelles  Urteil  erschwert.

Die  Anzahl  der  Sätze  ist  auf  ein  Minimum  zu  beschränken  und  richtet  sich  nach  der  für  den
betreffenden  Fall  erderlichen  Genauigkeit  und  dem  zur  Verfügung  stehenden  Theodolit,

(5.  B.  beim  Pertenen,  bei  geschlossenen  Dreiecksnetzen  u.  dergl.)

durch  Winkelmessungen  (Richtungsmessungen  für  einzelne  Winkel).

Unter  Winkel  wird  die  Differenz  der  nach  zwei  Zielen  gemessenen  zwei  Richtungen  verstanden.

Die  Anzahl  der  Winkelmessungen  auf  einer  Station  zerfällt  in  die  Anzahl  der  zu
messenden  verschiedenen  Winkel,  welche  sich  aus  der  Anzahl  -  aller  Kombinationen  der
auf  dieser  Station  zu  beobachtenden  Strahlen  ergibt,  und

in  die  Anzahl  der  Wiederholungen  jedes  einzelnen  Winkels,  welche  sich,  wenn  n
die  Anzahl  dieser  Wiederholungen,  q  die  Anzahl  der  Wiederholungen  auf  einer  Station  mit  nur
einem  Winkel,  s  die  Anzahl  der  Strahlen  auf  einer  Station  bedeutet,  nach  der  Formel  n—  2  ergeben.

Nach  Festsetzung  von  q,  welches  nicht  —  6  zu  nehmen  ist,  entsprechend  der  zu  erzielenden
Genauigkeit  und  dem  zur  Verfügung  stehenden  Theodolit,  wird  n,  wenn  es  sich  nicht  als  gerade
Zahl  direkt  ergibt,  auf  die  nächste  gerade  Zahl  abgerundet.

 

*)  Literaturangaben  s.  Zeitschr.  f.  Vermessungswesen  1910,  Heft  10.  S.  265,  bei  der  Arbeit:  „Neue
Berechnungsweise  der  Basismessung  mit  berigontaler,  Distanzlatte  nach  Böhler-Sgeu  von  J.  Schnöckel  mit
den  Fortsetzungen  in  Heft  11,  12,  18  daselbst.  —  Erste  Veröffentlichung  über  dies  Verfahren  im  Verlage  von
Mittler  &  Sohn  (als  Sonderabdruck  aus  den  Mitt.  w.  d.  D.  Schutzgeb.  noch  erhältlich).