Full text : Geschichte der Hohenzollern.

zenden  Erfolg  hielt  bei  ihnen  den  Muth  aufrecht,  in  eben  dem  Grade,  wie  dieser
den  Belagerten  schwand,  als  ein  allgemeiner  und  mit  großer  Tapferkeit  unternommener
  Ausfall  mit  bedeutendem  Verlust  von  den  Gegnern  zuruͤckgeschlagen
worden  war.  In  Wien  selbst  war  man  in  Muthlosigkeit  versunken,  und  dachte
auf  Mittel,  selbst  unter  großen  Aufopferungen  den  Frieden  zu  erlangen.

Nichtedestoweniger  hatte  Maria  Theresia  es  nicht  an  Anstrengungen  zum
Entsatz  des  bedrängten  Heeres  fehlen  lassen.  Sogleich  nach  der  unglücklichen
Schlacht  war  Daun  mit  14,000  Mann  aus  Mähren  nach  Böhmen  aufgebrochen;
16,000  Flüchtlinge  waren  zu  ihm  gestoßen,  und  in  den  nächsten  Wochen  zog
er  von  allen  Seiten  so  viel  Verstärkung  an  sich,  daß  er  Anfangs  Juni  gegen
60,000  Mann  zählte.  Ihm  gegenüber  stand  der  Herzog  von  Bevern  mit  einem
Beobachtungsheere  von  etwa  20,000  Mann,  zu  schwach,  den  mächtigen  Feind
zurückzuhalten,  doch  ging  er  nur  langsam  vor  demselben  zurück,  wenig  bedrängt,
denn  die  Furcht  vor  den  seit  Jahren  stets  fiegreichen  preußischen  Truppen  war
so  groß,  daß  die  östreichischen  Feldherren,  selbst  bei  entschiedenem  Uebergewicht,
nur  zögernd  zum  Angriff  schritten.  Auch  fehlte  es  von  Seiten  der  Preußen
nicht  an  Heldenthaten  im  Einzelnen;  so  wurden  4000  Croaten,  welche  einen
großen,  nur  von  200  Mann  preußischen  Fußvolks  geleiteten  Provianttransport
angegriffen,  nach  mehrstündigem  Kampfe  zurückgewiesen,  so  daß  die  nöthige
Zufuhr  ohne  allen  Verlust  ins  preußische  Lager  gelangte.

Doch  die  Stellung  des  feindlichen  Feldherrn  bei  Collin,  wenige  Tagemärsche
  von  Prag,  wurde  zu  bedenklich,  als  daß  Friedrich  längere  Zeit  ohne
entschiedene  Maßregeln  verharren  konnte.  Mit  allen  Truppen,  die  er  bei  der
Belagerung  entbehren  konnte,  eilte  er  dem  Beobachtungsheere  zu  Hülfe,  und
rückte,  nach  der  Vereinigung  etwa  34,000  Mann  stark,  gegen  Planian  vor;
am  18.  Juni  wurde  zur  Entscheidung  geschritten;  denn  trotz  der  großen  Uebermacht
und  der  vortheilhaften  Stellung  der  Gegner  war  Friedrich  zum  Kampf  entschlossen.

Mit  großer  Aufmerksamkeit  hatte  er  die  Schlachtordnung  des  Feindes  geprüft,
  mit  kunstgeübtem  Blicke  sich  überzeugt,  daß  ein  kühner  und  wohlgeleiteter
Angriff  auf  den  schwach  geschützten  rechten  Flügel  Daun's  den  Weg  zu  einem
Angriff  auf  die  Flanke  und  in  den  Rücken  des  Feindes  führen,  und  so  den
Sieg  ihm  in  die  Hand  geben  könnte.  Im  Vertrauen  auf  seine  bisherigen  Erfolge
  unternahm  er  das  kühne  Wagstück.  Auf  diesen  Umstand  war  der  ganze
Plan  berechnet;  nur  der  Vortrab  und  der  linke  Flügel  sollte  zum  Angriff  vorgehen,
  der  rechte  sich  dem  feindlichen  Feuer  entziehen  und  ununterbrochen  dem
linken  zur  Verstärkung  nachrücken,  um  so  durch  künstliche  Bewegung  auf  dem
eigentlichen  Platz  der  Entscheidung  die  Uebermacht  zu  entwickeln.  Zwar  hatte
Daun  den  bedrohten  Flügel  noch  zur  rechten  Zeit  verstärkt,  dennoch  drangen
die  preußischen  Grenadiere  unter  dem  General  von  Hülsen  unerschrocken  vor;
sechsmal  blutig  zurückgewiesen,  griffen  sie  zum  siebenten  Male  den  tapferen  Feind
an,  während  der  General  Zieten  mit  seiner  Reiterei  die  des  General  Nadaedi
über  das  Feld  hin  zerstreute.  Es  schien,  als  ob  der  kühne  Plan  des  Königs