Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXXI. Jahrgang, 1920. (31)

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den  Bundesregierungen  für  die  Zwecke  des  Germanischen  Museums  in
Nürnberg  gezahlt  wurden.  Diese  Beiträge  beliefen  sich  auf  1580  Thaler
21  Sgr.  9  Pf.  jährlich.  Davon  kamen  955  Thaler  auf  Preußen.  Zugleich
mit  der  erwähnten  Zusammenstellung  wurde  von  dem  Kanzler  dem  Bundesrat
der  Bericht  mitgeteilt,  den  der  Professor  Dr.  Haupt  als  Sekretär  der  Akademie
der  Wissenschaften  über  den  Zustand  und  die  Leistungen  des  Germanischen
Museums  an  den  Unterrichtsminister  erstattet  hatte.  In  dem  Berichte  war
unter  anderem  hervorgehoben:  das  Museum  habe  namentlich  durch  seine  Reor—
ganisation  eine  wesentlich  verbesserte  Einrichtung  erfahren  und  verdiene  in
erhöhtem  Grade  die  Unterstützung  der  Regierungen.

Auf  den  Bericht  des  Ausschusses  für  Rechnungswesen  beschloß  der  Bundesrat:
  1.  sich  dahin  zu  verständigen,  daß  dem  Germanischen  Museum  in  Nürnberg
  eine  jährliche  Unterstützung  aus  Bundesmitteln  vom  1.  Januar  1870  ab
bis  auf  weiteres  gewährt  und  daß  zu  diesem  Zwecke  der  Betrag  von  6000  Thalern
in  den  Bundeshaushaltsetat  für  1870  aufgenommen  werde;  2.  diese  Bewilligung
an  die  Voraussetzung  zu  knüpfen,  daß  a)  ein  im  Sinne  des  Berichts  des  Professors
  Dr.  Haupt  abgeänderter  Plan  dem  Unternehmen  fortan  zu  Grunde  gelegt
und  b)  für  die  Zeit  der  Unterstützung  aus  Bundesmitteln  ein  etwaiger  Anspruch
auf  Fortentrichtung  der  von  einzelnen  Regierungen  der  norddeutschen  Bundesstaaten
  bisher  gezahlten  Beträge  von  dem  Germanischen  Museum  nicht  erhoben
  wird.

Ein  weiterer  Antrag  Bismarcks  (März  1868)  an  den  Bundesrat  betraf
die  Förderung  des  Grimmschen  Wörterbuchs.  Auf  das  Referat  des
Dr.  Curtius  wurde  beschlossen,  die  Bundesregierungen  zu  ersuchen:  1.  die  Fortsetzung
  und  Vollendung  des  Grimmschen  deutschen  Wörterbuchs,  als  eines  bedeutsamen
  nationalen  Unternehmens,  teils  mit  Geldmitteln  (gemäß  den  Anträgen
der  germanistischen  Sektion  der  deutschen  Philologenversammlung),  teils  und
insbesondere  dadurch  zu  unterstützen,  daß  den  zur  Fortsetzung  und  Vollendung
des  Werkes  berufenen  Gelehrten  solche  Stellungen  zu  teil  werden,  welche  nicht
allein  ihre  notwendigen  Bedürfnisse  decken,  sondern  auch  genügende  Muße  zu
rascher  Förderung  des  Werks  gewähren;  2.  dem  Bundeskanzler-Amt  ihre  entsprechenden
  Entschließungen  mitzuteilen.)

Endlich  erklärten  sich  die  Bevollmächtigten  zum  Bundesrat  bereit,  die  von
der  deutsch-österreichischen  Gesellschaft  auf  16.000  Thaler  berechneten  Kosten  einer
Expedition  zur  Beobachtung  der  am  18.  August  1868  eintretenden
Sonnenfinsternis  nach  dem  Matrikularsatze  zusammenzuschießen.

Von  dem  Vorstande  des  evangelischen  deutschen  Wohlthätigkeitsvereins  in
Konstantinopel  war  bei  dem  Norddeutschen  Bunde  um  die  Gewährung  eines

*)  Wegen  des  Ausschußantrages  vgl.  die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“  Nr.  150
vom  30.  Juni  1868.
Poschinger.  Fürst  Bismarck  und  der  Bundesrat.  I.  13