22
erreichen, hat je nach dem in der betreffenden Gegend herrschenden
Dialekte einen verschiedenen Grad der Schwierigkeit; aber bis zu
einem gewissen Maße muß diese Aufgabe jedenfalls erfüllt werden.
b. Das Maß der für den französischen Unterricht an Gymnasien
verfügbaren Zeit und Arbeitskraft und die Erschwerung,
welcher der Klassenunterricht im Vergleiche zu dem Privatunterrichte
unterliegt, machen es nothwendig, ausdrücklich darauf zu verzichten,
daß eine Geläufigkeit im freien mündlichen Gebrauche der französischen
Sprache erreicht werde. Aber unter Verzichtleistung auf ein
in dieser Höhe nicht erreichbares Ziel find diejenigen Uebungen,
welche der Vorbereitung dazu dienen, angelegentlich zu empfehlen.
Behufs sicherer Gewöhnung des Ohres an das fremde Sdiom und
gleichzeitiger Befestigung in der Orthographie sind in den mittleren
Klassen von Zeit zu Zeit statt der Extemporalien französische Diktate
niederzuschreiben und von dem Lehrer zu korrigiren. Die Anwendung
der französischen Sprache bei Repetition der Lektüre giebt
den natürlichsten Anlaß, die Schüler nicht nur an das Verständnis
der vom Lehrer gesprochenen Worte zu gewöhnen, sondern sie auch
zum eigenen Gebrauche der französischen Sprache zu führen, wenn
derselbe auch anfangs nur in einer wenig variirten Reproduktion
des Gelesenen besteht. Dagegen ist die Behandlung des fyntaktischen
Lehrstoffes in französischer Sprache dem Verständnisse nachtheilig
und für die Sprechübung von unerheblicher Bedeutung. — Jedenfalls
soll erreicht werden, daß dem, der die Gymnasialreifeprüfung bestanden
hat, die französische Litteratur des nachher von ihm erwählten
speziellen Faches leicht zugänglich sei, und daß er für das etwa
eintretende Erfordernis des mündlichen Gebrauches der französischen
Sprache die nothwendigen Grundlagen des Wissens besitze, zu denen
nur die Uebung hinzutreten muß.
c. Das bezeichnete Ziel wird durch die Aenderung des Lehrplanes
leichter erreichbar, da dem französischen Unterrichte in den
beiden ersten Jahren der Lehrzeit eine erhebliche Erweiterung des
Umfanges gegeben ist und derselbe im zweiten Jahre nicht mehr
durch das Eintreten des Griechischen beeinträchtigt wird. Ein
weiterer Grund zur Erwartung günstigerer Erfolge liegt in der
größeren Sorge, welche der Ausbildung der Lehrer der franzöfischen
Sprache gewidmet wird.
Zu 6.
Durch den hebräischen Unterricht auf dem Gymnasium soll erreicht
werden, daß Studirende der Theologie sogleich bei ihrem Eintritte
in die Universität solchen Vorlesungen erklärenden und historischen
Inhaltes, welche einige Kenntnis des Hebräischen voraussetzen,
mit Verständnis zu folgen im Stande sind.