Full text : Die staatsrechtliche Stellung des Königlich Sächsischen Markgrafentums Oberlausitz.

8  1.  Der  Traditionsrezeß.  5

Stände,  besonders  das  Domstift  St.  Petri  zu  Budissin  und  die
Klöster,  sammt  ihren  Leuten  und  Unterthanen  bei  ihren  Rechten  und
Drivilegien,  insbesondere  ihrer  Exemption  in  Spiritualibus  ab  omni
Saeculari  foro,  schützen  und  erhalten;  er  soll  sie  bei  ihren  Ordinariis
und  Generalvisitatoribus  belassen,  so  wie  solche  ihre  Funktionen  vor
der  Böhmischen  Unruhe  ausgeübt  haben;  endlich  soll  er  der  Krone
Böhmen  ihr  oberes  jus  protectionis  über  Stifter,  Klöster  und  Geistlichkeit
  und  die  administratio  in  Spiritualibus  belassen,  soweit  solche
Rechte  von  der  Krone  Böhmen  während  der  Derpfändung  der  Sberlausitz
  ausgeübt  worden  sind.  Diese  Schutzbestimmungen  für  die  Katholiken
  sollen  durch  einen  vom  jedesmaligen  Kurfürsten  bei  seinem  Zegierungsantritt
  der  katholischen  Geistlichkeit  und  den  katholischen  Ständen
ausgestellten  Revers  gewährleistet  werden.  Der  letzte  derartige  Revers
stammt  von  König  Anton.  J7-%%%

2.  Der  Kurfürst  soll  in  Religionssachen,  was  die  katholische  und
die  augsburgische  Uonfession  betrifft,  keine  Meuerungen  vornehmen,
sondern  die  Stände  beider  Konfessionen  bei  ihrer  freien  Religionsübung,
ihren  Ceremonien  und  Gebräuchen  2c.  belassen.

5.  Der  Kurfürst  soll  die  ebengenannten  Stände  beider  Konfessionen
bei  ihren  von  den  Hönigen  von  Böhmen  und  Markgrafen  der  Oberlausitz
  erlangten,  auch  sonst  wohlhergebrachten  privilegiis  und  Freiheiten,
  alten  Herkommen  und  guten  Gewohnheiten  schützen  und  handhaben.
  Diese  Bestimmung  erscheint  als  die  wichtigste  von  allen,  denn
sie  bildet  die  GSewähr  der  Oberlausitzer  Derfassung.  Aus  den  hier  genannten
  guten  Gebräuchen  und  von  den  Böhmischen  Königen  erlangten
Drivilegien  setzt  sich  die  Derfassung  des  Landes  zusammen,  welche  von
dem  TLandesherrn  geschützt  werden  soll.  Durch  diese  Bestimmung  des
Rezesses  wird  aber  keineswegs  jede  Derfassungsänderung  verboten,
sondern  nur  die  ohne  Sustimmung  der  Stände.  Wenn  es  heißt,  daß
man  jemand  bei  seinen  Orivilegien  schützen  und  handhaben  soll,  so
bedeutet  dies  nur  so  viel,  daß  man  ihn  bei  Ausübung  derselben  unter-