230 Ferdinand 1.
Ferdinand I., König von Bulgarien, geb.
26. Febr. 1861 in Wien, jüngster Sohn des Prinzen
August von Sachsen-Koburg, trat 1886 in die Honvedarmee,
wurde 7. Juli 1887 von den Bulgaren zum
Fürsten erwählt, 2. März 1896 vom Sultan als Fürst
von Bulgarien und Statthalter von Ostrumelien bestätigt,
5. Okt. 1908 als unabhängiger König (Zar)
von den Mächten anerkannt. Zu Beginn des Krieges
trat F. für rückhaltlose Neutralität ein, die er trotz
der russ. Agitation im ersten Kriegsjahre bewahrte.
Nach dem Zustandekommen des bulgarisch-türkischen
Vertrages im Sept. 1915 ordnete er die Mobilmachun
an und erklärte am 14. Okt. Serbien den Krieg. Noch
dem Zusammenbruch der bulgarischen Armee (15.
Sept. 1918) und dem Sonderfriedensgesuch seiner
Regierung (26. Sept.) dankte er am 4. Okt. 1918 zuunsten
des Kronprinzen Boris ab und lebt seitdem in
oburg. Vgl. Bulgarien. — Bild s. Bd. bei S. 22.
Ferdinand I., König von Rumänien, geb.
24. Aug. 1865 in Sigmaringen als zweiter Sohn
des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern, 1880 zum
Thronerben proklamiert, wurde 10. Okt. 1914 König.
Vgl. Bd. II, S. 84 sowie Art. -Rumänien. — Bild
s. bei S. 226.
Rere-en-Tardenois, Gem. im frz. Dep. Aisne,
wurde 29. Mai 1918 von den Deutschen erobert, worauf
die Franzosen dem deutschen Vormarsch gegen die
Marne südlich von F. starken Widerstand entgegensetzten.
Vgl. S. 27f.
Fermän (pers.,Befehle), in islam. Ländern Erlaß
des Landesherrm.
Ferngeschütz (Fernkanone), wurde vom deutschen
Heer 1918 zur Beschießung von Paris auf etwa
120 km Entfernung verwendet.
Fernlenkboot, ohne Besatzung fahrendes Boot,
durch elektr. Wellen gelenkt und geleitet, trägt Mast
mit Antenne, die die elektr. Wellen auffängt. Die
Wellen gelangen zu einem Wellenferns Gtter,
der die Bewegungen, Abfeuern von Torpedos und
Geschützen, Abgeben von Leuchtsignalen u. a. veranlaßt,
entsprechend den durch die »Geberapparate« vom
Lande dem Empfänger= an Bord des F.s mit gleicher
Wellenlänge „gefunkten Befehlen. Der Antrieb
des Bootes geschieht durch Elektromotor nebst Alkumulatorenbatterie.
Das F. wurde deutscherseits Herbst
1917 vor der belg. Küste versuchsweise zum Angreifen
engl. Kriegsschiffe r*5
ernrohr. Als F. für Kriegszwecke benutzt man
insbes. Feldstecher und Scherenserohr (l(. d.); vgl.
Panoramafernrohr.
Fernsprecher. über die Bedeutung des F.s. im
Kriege s. »Das Nachrichtenwesen im Weltkriege-, S.
164 u. 167. S. 156.
"wof elballon, s. Luftballon; vgl.Der Luftkriege,
estubert, Gem. im franz. Dep. Pas-de-Calais,
bei Béthune, war Weihnachten 1914, bes. aber April
1918 Mittelpunkt hartnäckiger Kämpfe. Vgl. S. 22.
Festung. über die Bedeutung der F.en im Kriege
s. „Festungen und Festungskriege, Bd. II, S. 286 ff.
Fette, Feithärtung, s. Bd. I. S. 300/301.
Fetwa (arab.), Rechtsgutachten eines Mufti oder
islam. Gesetzeskundigen. Am 13. Nov. 1914 wurde
in Konstantinopel durch eine Sondergesandtschaft des
Scheich ul-Islam das F. verlesen, das den Heiligen
Krieg verkündete (vgl. Bd. II, S. 73).
Feuerschiff, Wasserfahrzeug mit weit sichtbarer
Bezeichnung und hohen Signalmasten, wird als Seezeichen
dauernd verankert. Nachts trägt es Leuchtfeuer,
r
— Finnland
tags zeigt es große Korbbälle, gibt auch oft Sturmwarnungen.
Bei Kriegsausbruch werden die F.e entfernt
oder versetzt, um den Feind irrezuführen.
Feuerwassen, Geschosse durch den Druck entzündeter
Treibladungen abschleudernde Waffen. Dazgehören
Hand= und Faustfeuerwaffen (s. Bd. II, S.
279 ff.), Geschütze (vgl. Die Artillerie im Kriegee,
S. 152), Maschinengewehre, Maschinengeschütze und
Minenwerfer.
Fieri, Gem. im südl. Albanien, nahe der Küste.
Der dort von Osterreichern ausgebaute Brückenkopf
wurde 12. Juli 1918 von den Ital. erobert, 23. Aug.
von den ÖOsterr. wiedergenommen, 2. Okt. geräumt.
Filipescu, Nicu, rumän. Politiker, Russophile u.
Interventionist, ehemaliger Kriegsmin., trat im Weltkriege
durch seine deutschseindl. olitik hervor, wurde
30. Juni 1915 Führer der konservativen Dissidenten.
Filipesti (Filipescii), rumän. Marktflecken in
der Großen Walachei, in der Nähe des Buzau, war
25. und 26. Dez. 1916 Brennpunkt der Kämpfe in der
Schlacht bei Rimnic-Sarat. Vgl. Bd. II. S. 234f.
Filmtrupp, s. Kinematographie.
Findeniggkofel, Grenzgipfel der Karnischen Alpen,
2021 m hoch, östl. vom Plökkenpaß, von den
OÖsterr. 1915 als Sperre zum Oberen Gailtal befestigt,
wurde gegen ital. Angriffe behauptet.
Findlay, Mansfeldt de Cardonnal, brit.
Diplomat, geb. 7. April 1861, seit 1911 Gesandter
in Christiania, suchte Dez. 1914 auf Betreiben Greys
den irischen Nationalisten R. Casement (s. d.) in seine
Gewalt zu bringen. Nach Veröffentlichung des Anschlages
wurde F. 1. März 1915 abberufen.
Flnnland. Geographisches s. Bd. II, S. 107 und
110; über das Volk der Finnen Bd. J, S. 72ff. und
S. 84.— Die letzten Jahre der russ. Herrschaft waren
bhur F. die schlimmsten: die Russifizierung machte starke
ortschritte, und die letzten Reste finn. Selbständig.-keit
drohten dahinzuschwinden. Noch am 10. März
1917 forderte eine zarische Regierungskonferenz vom
finn. Senat die Durchführung der Einheitlichkeit des
Zollwesens mit Rußland u. die Neureglung des Kriegskostenanteils
F.s. Aber am 21. März stellte die provisorische
Regierung in Petersburg durch ein Manifest
die alte Berfassung F.s wieder her. Darauf trat am
6. April der Landtag zusammen und wählte den So-Zialisten
Mannes zum Präsidenten. Als der fiun.
Senat F.s Anteil an den russ. Kriegökosten (17 Milliarden)
strich (Juni) und die Sozialdemokratie die
Autonomie F.verlangte, lehnte die russ. provisorische
Regierung dies mit der Begründung ab, hierüber könne
nur die Konstituante beschließen. Unbekümmert darum
erklärte der Landtag die Selbständigkeit F.s und
nahm am 18. Juli ein Gesetz über die Ausllbung der
höchsten Staatsgewalt in F. an. Der Senat beschloss
darauf am 31. Juli die Auflösung des Landtags, und
Kerenski erklärte F. als Kriegszone (9. Aug.). Als der
aufgelöste Landtag trotzdem am 28. Sept. zusammentrat,
ordnete der neue Generalgouv. Nekrasoff die gerichtl.
Verfolgung der Abgeordneten an. Aber auch der
neue, am 1.Okt. gewählte Landtag blieb bei dem Selbsändi
keitsbeschluß bestehen. Am 7. Okt. veröffentlichte
ie russ. provisor. Regierung einen Geschentwurf nach
dem F. als Republik weiter zur russ. Gesamtrepublik
gehören sollte. Dagegen beschloß der Landtag 13. Nov.,
die Rechte eines Großfürsten von F. selbst auszuüben
und ein Direktorium einzusetzen. Wegen dieses Veschlusses
erklärten die Sozialisten am 14. Nov. den allgemeinen
Ausstand; sie schritten am 16. Nov. zum