Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

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von  Braunschweig  sich  unentschlossen  gezeigt,  und  nachdem  General
  Dumouriez  die  Osterreicher  bei  Jemappes  geschlagen  (November
  1792)  und  die  Niederlande  erobert  hatte,  begannen  die
Franzosen  ihrerseits  Deutschland  anzugreifen.  Die  Hinrichtung
Ludwigs  XVI.  (21.  Januar  1793)  und  der  Sieg  der  Jakobiner
in  Paris  veranlaßte  alle  Nachbarn  Frankreichs  zu  einer  großen
Verbündung  gegen  dies  revolutionäre  Land,  und  die  Deutschen
gewannen  mehrere  Erfolge;  die  Preußen  namentlich  eroberten
(23.  Juli  1793)  Mainz,  siegten  bei  Pirmasens  über  Moreau
(14.  September),  bei  Kaiserslautern  (28.  November)  über
Hoche.  Aber  die  Uneinigkeit  der  Verbündeten  rettete  Frankreich;
denn  während  Preußen  und  Osterreich  wegen  der  polnischen
Angelegenheiten  mit  einander  zerfielen  und  den  franzöfischen
Krieg  lau  und  planlos  führten,  gewann  der  Wohlfahrtsausschuß
der  französischen  Republik  Zeit,  die  ganze  Nation  zu  bewaffnen.
Daher  halfen  auch  die  neuen  Siege  der  Preußen  bei  Kaiserslautern
  (23.  Mai  1794  unter  Möllendorf  und  18.—20.  September
  unter  Hohenlohe  und  Blücher)  nichts.  Osterreichs  Treulosigkeit
  und  die  Zerrüttung  der  preußischen  Finanzen,  die  freilich
  Friedrich  Wilhelm  durch  seine  falsche  Politik  selbst  verschuldet
  hatte,  bewogen  den  König,  sich  von  diesem  unersprießlichen
Kriege  zurückzuziehen.  Am  5.  April  1795  schloß  er  mit  der  französischen
  Republik  den  Frieden  zu  Basel,  in  welchem  er  den
Franzosen  vorläufig  das  linke  Rheinufer  überließ  und  Norddeutschland
  nach  Maßgabe  einer  „Demarkationslinie“  für  neutral
erklärte.  Beim  Eintritt  des  allgemeinen  Friedens  sollte  Preußen,
falls  es  sein  überrheinisches  Gebiet  (43  Quadratmeilen)  nicht
wieder  erhalte,  diesseit  des  Rheins  entschädigt  werden.

§  68.  Der  Verlust  an  Geltung  und  Ansehen,  den  der  unrühmliche
  Ausgang  seiner  Unternehmungen  in  den  Verträgen
von  Reichenbach  und  von  Basel  dem  preußischen  Staate  zufügte,
wurde  durch  große  Erwerbungen  in  Polen  nur  zum  Teil  aufgewogen.
  Es  gab  in  Polen  zwei  Adelsparteien:  die  eine  versuchte
  das  Reich  durch  eine  verbesserte  Verfassung  zu  retten  und
hoffte  auf  Preußens  Schutz,  den  sie  jedoch  nicht,  wie  dieses
wünschte,  durch  Abtretung  der  deutschen  Städte  Danzig  und
Thorn  erkaufen  wollte;  die  andere  stand  im  Solde  Rußlands
und  rief  ein  russisches  Heer  ins  Land.  Die  Patrioten  unter

Pierson,  Leitf.  d.  preuß.  Gesch.  7