Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

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Kosciuszko  wurden  von  den  Russen  bei  Dubienka  (17.  Juli
1792)  besiegt;  damit  Rußland  nun  nicht  ganz  Polen  verschlinge,
ließ  auch  Friedrich  Wilhelm  Truppen  einrücken  und  vereinigte
sich  mit  der  Kaiserin  Katharina  zur  Zweiten  Teilung  Polens
(im  Vertrage  zu  Grodno  22.  Juli  1793).  In  diesem  Vertrage,
den  der  polnische  Reichstag  anerkennen  mußte,  nahm  Rußland
das  östliche  Polen,  Preußen  aber  außer  Danzig  und  Thorn
das  sogenannte  Großpolen,  im  ganzen  ungefähr  1000  Quadratmeilen
  mit  1  100  000  Einwohnern;  diese  neue  Provinz  (deren
Kern  etwa  das  heutige  Großherzogtum  Posen  umfaßte)  erhielt
den  Namen  Südpreußen.

Im  März  1794  empörten  sich  die  Polen  und  vertrieben
ihre  russischen  Unterdrücker.  Friedrich  Wilhelm  warf  den  Aufstand
  zwar  durch  den  Sieg  bei  Szczekocyn  (über  Kosciuszko
6.  Juni  1794)  nieder,  hob  aber  die  Belagerung  Warschaus  wieder
  auf  und  überließ  den  Russen  die  völlige  Bezwingung  des
Landes.  Diese,  geführt  von  Suworow,  besiegten  Kosciuszko  bei
Maciejowice  (10.  Oktober  1794),  erstürmten  Praga,  besetzten
Warschau  und  vernichteten  das  polnische  Reich  durch  die  Dritte
Teilung  Polens  (24.  Oktober  1795).  In  derselben  nahmen
Rußland  und  Osterreich  für  sich  das  meiste  und  nötigten  dann
Friedrich  Wilhelm,  sich  mit  dem  Rest  (Masovien,  Warschau,
Bialystok  —  860  Quadratmeilen  mit  einer  Million  Einwohner  —)
zu  begnügen;  er  nannte  diese  Besitzungen  „Neuostpreußen“
und  „Neuschlesien“.

In  Deutschland  vergrößerte  er  den  Staat  durch  einen  Vertrag
mit  dem  letzten  Markgrafen  von  Ansbach  und  Bayreuth,  nach
welchem  diese  Fürstentümer  1792  an  Preußen  abgetreten  wurden.

Obwohl  nun  unter  Friedrich  Wilhelm  Preußen  an  Umfang
und  Bevölkerung  sehr  wuchs,  von  3524  auf  5537  Quadratmeilen
  von  5⅜  Millionen  Einwohnern  auf  82/,  so  war  doch
seine  Macht,  als  er  (1797)  starb,  im  Sinken;  denn  jener
Zuwachs  belastete  den  deutschen  Staat  mit  polnischem  Volk,
und  die  rechte  Kraft  war  vergeudet.  Friedrich  Wilhelm  hatte
nicht  bloß  den  Schatz  Friedrichs  des  Großen  verbraucht,  sondern
  noch  35  Millionen  Taler  Schulden  gemacht;  und  was
noch  schlimmer  war,  da  nicht  mehr  strenge  und  kluge  Aussicht
gehalten  wurde,  so  verfielen  Heer  und  Beamtenschaft,  wenn  auch
die  Truppenzahl  auf  235  000  Mann  stieg.  Ein  anderes  Übel