Metadata : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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der  auf  der  Erde  hauerte  und  sich  das  Gesicht  mit  den  händen  zu
schützen  suchte.  Und  auf  den  unbedechten  Kopf  dieses  Jungen,  der
keinen  Laut  von  sich  gab,  wurden  die  Schneebälle  geworfen  wie  auf
eine  Sielscheibe.

Mit  einem  kräftigen  Ruck  drängte  sich  Albert  Schlösselmann
in  den  Kreis.

„Was  soll  das  heißen?“  schrie  er  zornig.  „Warum  fallt  ihr
alle  über  einen  her?  Ihr  seid  Feiglinge,  alle  miteinander!“

Die  Schüler  hörten  mit  dem  Werfen  auf  und  begannen  heftig
durcheinander  zu  sprechen  und  zu  rufen:

„Er  necht  uns  immer!  Er  will  immer  alles  besser  wissen!“

Kber  Albert  Schlösselmann  hörte  nicht  auf  sie,  er  stieß  sie  beiseite.
„Steh  auf,  du!  Steh  doch  auf,  Robert  Schmidt!  Warum  läßt  du
dir  das  gefallen?"  schrie  er  dem  Kleinen  zu,  indem  er  auf  ihn  zuging
  und  ihn  an  der  Schulter  faßte.

Robert  nahm  langsam  eine  hand  vom  Gesicht,  seine  Zugen
waren  wie  geschwollen  vom  Meinen,  aber  um  seinen  Mund  zitterte
es  böse  und  verächtlich.  Mit  Mühe  stand  er  auf;  er  war  verwachsen,
sein  Rüchen  durch  einen  Buchel  entstellt,  die  Brust  eng  und  eingefallen.
Sein  Anzug  war  voll  Schnee,  und  er  hatte  eine  Schramme  am  hHals
und  eine  an  der  Bache;  langsam  nahm  er  sich  einen  nassen  Schneeklumpen
  aus  dem  halsausschnitt  seiner  Jache  —  ein  Stein  stechte
in  dem  Schneeball.

Robert  besah  den  Stein,  dann  blichte  er  seine  Mitschüler  zornig
an  und  drängte  sich  weg  durch  die  Knaben,  die  ihm  jetzt  Platz
machten;  alle  schwiegen  einen  Rugenblich,  alle  sahen  nach  Hlbert
Schlösselmann,  den  sie  sehr  gern  leiden  mochten,  da  er  sich  oft  mit
ihnen  abgab.

Aber  ARlbert  Schlösselmann  sah  heute  ganz  anders  aus  als  sonst.
Sein  offenes  freundliches  Gesicht  war  düster,  die  Stirn  zusammengezogen.
  Kls  einer  der  Schüler  der  siebenten  Klasse  die  Hand  auf
seinen  ärmel  legte,  zog  er  den  Krm  an  sich  und  schrie:

„Erbärmliche  Feiglinge  ihr!  Erbärmliche  Jungen!  UMan  sollte
sich  schämen,  mit  euch  in  eine  Schule  zu  gehen!  Rie  wieder  gebe  ich
mich  mit  euch  ab,  das  sage  ich  euch.  Was  habt  ihr  mit  dem  Schmidt?
Seid  mal  ehrlich!  Es  wird  ja  wohl  ein  ehrlicher  Kerl  unter  euch
sein!  Warum  schlagt  ihr  alle  auf  den  Robert  los?“

„Wir  können  ihn  nicht  leiden“,  sagte  eine  keche  Stimme.

„Dahl“  rief  Klbert;  „das  ist  heine  Kutwort,  ihr  schlagt  ihn,
weil  er  sich  nicht  wehren  kann!“