Volltext : Fürst Bismarcks Lebenswerk.

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weisheit  über  die  Menschen;  eine  Volksversammlung  weiß
immer  besser,  was  dem  Lande  gut  ist,  als  der  König  und
seine  Minister.  So  denken  sie  sich  das;  in  Wirklichkeit  ist  es
aber  ganz  anders.

Die  meisten  Menschen  sind  nämlich  etwas  launenhaft.
Erst  sagen  sie,  sie  wollen  es  so  haben,  und  wenn  sie  es  dann
so  bekommen,  wie  sie  es  haben  wollen,  dann  haben  sie  sich
unterdessen  wieder  anders  besonnen  und  wollen  es  nun  nicht
so,  sondern  anders  haben.  Wenn  sie  also  einen  Abgeordneten
wählen,  dann  sind  sie  oft  nachher  gar  nicht  damit  zufrieden,  daß
der  Abgeordnete  nun  stimmen  kann,  wie  er  will;  dann  möchten
sie  ihm  vorschreiben,  wann  er  Ja  und  wann  er  Nein  sagen  soll
zu  dem,  was  die  Regierung  will.  Und  wenn  dann  der  Abgeordnete
  sagt:  „Nein,  ihr  habt  mich  nun  einmal  gewählt,
damit  ich  selber  überlegen  soll,  wann  ich  Ja  und  wann  ich
Nein  sage,  nicht  aber  damit  ich  jeder  eurer  Launen  folgen  soll.“
wenn  er  ihnen  das  sagt,  dann  werden  sie  wütend,  schimpfen
auf  den  Abgeordneten  und  möchten  ihn  am  liebsten  absetzen.
Aber  das  geht  nicht;  denn  wer  gewählt  ist,  ist  gewählt;  er
hat  nun  einmal  das  Mandat,  d.  h.  den  Auftrag,  für  seine
Wähler,  aber  nach  seiner  eigenen  Überzeugung  abzustimmen;
und  dieses  Mandat  läuft  fünf  Jahre  lang.  Nach  fünf  Jahren
wird  ein  neuer  Reichstag  oder  ein  neues  Abgeordnetenhaus
gewählt,  erst  dann  sind  alle  Mandate  abgelaufen.  So  lange
aber  der  Abgeordnete  sein  Mandat  hat,  darf  er  sich  durch
keine  Schimpfereien  bange  machen  lassen.  Denn  wenn  er
das  tut,  dann  geht  es  ihm  hinterher  erst  recht  schlecht.  Wenn
er  dann  sagt:  „Aber  ihr  habt  doch  so  lange  geschimpft,  bis  ich
euch  gefolgt  habe,“  dann  sagen  sie  ihm:  „Das  ist  gar  keine
Entschuldigung;  wir  haben  Dich  gewählt,  damit  Du  selber
überlegen  sollst,  wie  Du  zu  stimmen  hast;  wenn  Du  also
jedem  Geschimpfe  folgst,  dann  bist  Du  ein  schlechter  Abgeordneter.
  Wir  schimpfen  manchmal,  wenn  wir  uns  ärgern;