Full text : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1821. (5)

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2.

Zu  Klagen  moͤchte  es  die  Veranlassung  geben,
  wenn,  wie  der  Entwurf  8.  19.  annimmt,
das  bisherige  Gnaden-Quartal  in  einen,  oder
zwey  Gnaden-Monate  verwandelt  und  somit
herabgesetzt  werden  sollte,  indem  gerade  dieeerste
Zeit  nach  dem  Todestage  des  Familien-Vaters
von  den  Hinterlassenen  für  die  Kosten  der  letzten
  Krankheit,  das  Begräbniß,  den  Abschluß
der  bisherigen  und  den  Anfang  der  neuen
Wirthschaftsführung  so  viele  außerordentliche
Ausgaben  zu  bestreiten  sind,  daß  eine  reichliche
Unterstützung  in  der  Regel  kaum  entbehrt
werden  kann,

3.

Eben  so  dürfte  der  Abzug  von  Pensionen,
welche  außerhalb  Landes  verzehrt  werden,  zum
Vortheile  der  Anstalt  nicht  zu  erhöhen  seyn,
wsewohl  solches  in  dem  Entwurfe  F.  19.  vorgeschlagen
  wird.  Es  sprechen  Gründe  der
Billigkeit  dagegen  um  so  lauter,  je  ausgedehnter
  verhältnißmäßig  die  Gränzen  des  Großherzogthums
  sind  und  je  häufiger  daher  die
Familien  ihre  Verhältnisse  in  Nachbarstaaten
anknüpsen.

4.

Soll  die  Anstalt,  wie  der  Entwurf  annimmt,
  und  der  Bericht  noch  besonders  rechtfertigt,
  Staatsanstalt  sepn,  sollen  die
Nittel  zu  ihrem  Zweck,  zum  größern  Theil
aus  den  Staatskassen  entnommen  werden,
  so,  daß  die  Anstalt  mit  diesen  Kassen
ohnehin  auf  das  engste  verbunden,  von  denselben
  abhängig  ist  und  bleibt:  so  läßt  sich
viel  und  Triftiges  dagegen  sagen,  daß  der
Anstalt  eine  eigene  Behörde  vorgesetzt,  daß
bei  solcher  eine  eigene  Kasse  verwaltet,  eine
eigene  Rechnung  geführt,  eine  eigene  Revision
  angeordnet,  ja  für  solche,  wie  der  Bericht
  wenigstens  nachläßt,  bis  zu  der  dereinstigen,
  gewiß  vorherzusehenden  Consumtien,
ein  eigenes  Vermögen  aufgehäuft  werden  soll.

Weit  einfacher  ist  es  wohl,  wenn  die

Großherzogl.  Diener  ihre  Steuer  in  die
Haupt-Landschaftskasse  zahlen  und  die  Wittwen-Pensionen,
  wie  sie  gesetzlich  ein  für  allemal
  geregelt  sind  (zu  #tel,  oder  zu  riel  der
Besoldung)  gleich  den  Besoldungen  selbst,  auf
diese  Kasse  angewiesen  werden.  In  dem  Etat
der  Haupt-Landschafftskasse  wüurde  dann,
nach  der  Hauptbeilage  L.  zu  dem  Entwurf,
diejenige  Summe  für  Wittwen-Pensionen
  aufgenommen,  welche  in  jedem
Jahre  nach  Wahrscheinlichkeitsgründen
  anzunehmen  ist,  z.  B.  mit  Einschluß
der  schon  bestehenden  Pensionen  im  Jahre
1821.,  13,2283  rthlr.  im  Jahre  1822.,
13,996  rthlr.  20  gr.  3  pf.  u.  s.  w.

Alle  Ersparnisse  an  der  im  Etat  jedes
mal  ausgeworfenen  Summe,  (Ersparnisse,
welche  nach  dem  Berichte  und  den  demselben
zum  Grunde  liegenden  Berechnungen  höchst
wahrscheinlich  sind)  gehörten  der  Haupt-Landschafftskasse,
  würden  den  Vorrath  bei  dieser
mehren,  würden  als  Vorrath  aus  dem  einen
Rechnungsjahre  in  das  andere  übergehen.  Wozu,
  läßt  sich  fragen,  die  Zahlung  aus  der
Haupt-Landschafftskasse  an  die  Wittwenkasse
und  wieder  die  Rückzahlung  aus  der  Wittwenkasse
  an  die  Haupt-Landschafftskasse,  welche  K.
20.  des  Entwurfs  anordnet?  Und  warum  die
Ersparnisse  für  die  Haupt-Landschafftskasse,
welche  der  Bericht  bis  zum  Jahr  7834.  auf
57,302  rthlr.  anschlägt,  durch  die  Wittwenkasse,
  da  solche  bei  der  Haupt-Landschafftskasse
  selbst  gemacht  werden  können?

Uebrigens  würden  Se.  K.  H.,  der  Großherzog,
  diesen  Gegenstand  zur  Aufmerksamkeit
und  Geneigtheit  noch  besonders  und  dringend
empfehlen  lassen,  läge  nicht  schon  in  der  angeführten
  Erklärungsschrift  vom  10.  Januar
1819.  der  Beweis,  daß  derselbe  von  dem  getreuen
  Landtag,  als  sehr  wichtig  angesehen
und  behandelt  wird.