54 Die Werkschule.
und richtigem Verständnis für die jungen Seelen, die unterrichtet
werden sollen, bei der Besetzung der Lehrstellen für die einzelnen
Fächer wünschenswert sind.
Wählt man zum Leiter keinen Berufslehrer, so fällt diesem am
besten, wenn sich dies irgend ermöglichen läßt, der Unterricht in Bürgerkunde
zu, der ungemein große Anforderungen an die allgemeine Bildung
des Lehrenden stellt. Wer das im 5. Kapitel enthaltene Programm vergleicht,
wird dies ohne weiteres zugeben. Gründliche Kenntnisse in
der Volkswirtschaftslehre, den Sozial- und Staatswissenschaften müssen
sich mit einem großen juristischen Wissen vereinigen, und es wird demnach
für denjenigen, der Bürgerkundeunterricht erteilen soll, sehr
vorteilhaft sein, wenn er während seiner Ausbildungszeit mindestens
einige Semester die einschlägigen Kollegs an einer Universität gehört
hat. Wenn ich sage, daß dies vorteilhaft ist, so behaupte ich doch
keineswegs, daß der Universitätsbesuch etwa eine conditio sine qua non
sei. Selbstverständlich kann der Vortragende auch ohne diese hohe
Vorbildung das Material sich noch später aneignen, eine reiche
Literatur steht ihm hierbei zur Seite. Ich führe im 5. Kapitel eine kleine
Auswahl an. Jedenfalls wird dann eine umfangreiche Vorbereitung
für die Stunden in Bürgerkunde unerläßlich sein — besonders in den
ersten Jahren, wo der Lehrer den Stoff erst zu beherrschen beginnt.
Für Buchführung, Handelsrecht, Wechselrecht und Deutsch sowie
für das kaufmännische Rechnen werden am besten kaufmännische Beamte
verwandt, während der Unterricht in Geometrie, Zeichnen, Algebra
und Materialienkunde zweckmäßig technischen Angestellten zu übertragen
ist. In diesen Fächern, besonders in den gewerblichen, kommt
es vornehmlich auf eine große Praxis an. Ist diese vorhanden, so kann
man, wie z. B. im Zeichnen, sogar ein Auge zudrücken, wenn etwa die
Redegewandtheit und Ausdrucksform nicht den höchsten Ansprüchen
genügen. Die Hauptsache ist hier, daß der Lehrer sich dem Ideenkreise der
jungen Zeichner anzupassen versteht, und da der Unterricht in diesem
Fache ein rein individueller sein muß, so gehören ja zusammenhängende
stundenlange Vorträge nicht zum Programm.
Anders liegt natürlich die Sache bei den für Kaufleute geeigneten
Fächern. Hier muß sich mit der absoluten und souveränen Beherrschung
der vorzutragenden Materie auch eine Beherrschung des Worts vereinigen,
will man nicht bald sein Schifflein auf Klippen festgefahren sehen. Für
Handelsrecht und Wechselrecht trifit dies in höherem Maße als für die
übrigen Stunden zu, so daß der Unterscheidungsmöglichkeiten genug
gegeben sind.
Es ist also, wenn wir den Inhalt dieses Abschnittes zusammenfassen,
nicht zu leugnen, daß die Beschaffung guter Lehrer für unsere Fabrik-