Sonder-Amtsblatt
der Königlichen Regierung in Stettin.
Ausgegeben am 30. Juni 1915.
*
Bekanntmachung
berreffend Bestanderhebung und Beschlagnahme von
Chemikalien und ihre Behandlung.
Nachstehende Verfügung wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken,
daß jede Ubertretung — worunter auch verspätete oder unvollständige Meldung fällt — sowie jedes
Anreizen zur Ubertretung der erlassenen Vorschrift, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere
Strafen verwirkt sind nach § 9 Ziffer b') des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851
oder Artikel 4 Ziffer 27*) des Bayerischen Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 oder
nach § 5°““) der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915 bestraft wird.
81.
Inkrafttreten der Verfügung.
a) Die Verfügung tritt am 30. Juni 1915, nachts 12 Uhr, in Kraft.
b) Für die in § 3 Absatz e bezeichneten Gegenstände treten Meldepflicht und Beschlagnahme erst
mit dem Empfang oder der Einlagerung der. Waren in Kraft. «
c)Veschlagnahmtundmeldepflichtigsindauchdienachdem30.Juni1915etwahinzukommenden
Vorräte; bei den durch § 4 betroffenen Personen, Gesellschaften usw. jedoch nur, wenn damit die
zulässigen Mindestmengen überschritten werden.
d) Falls die in § 4 aufgeführten Mindestmengen am 30. Juni 1915, nachts 12 Uhr, nicht
erreicht sind, treten Meldepflicht und Beschlagnahme für die gesamten Bestände an dem Tage in Kraft,
an welchem diese Mindestvorräte überschritten werden. .
e) Verringern sich die Bestände eines von der Verfügung Betroffenen nachträglich unter die
angegebenen Mindestmengen (siehe § 4), so behält die Verfügung trotzdem für diesen ihre Gültigkeit.
çL(Wer in einem in Belagerungszustand erklärten Orte oder Distrikte ein bei Erklärung des Belagerungszustandes
oder während desselben vom Militärbefehlshaber im Interesse der öffentlichen Sicherheit erlassenes Verbot übertritt oder
zu solcher Übertretung auffordert oder anreizt, soll, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit
Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden.
» **) Wer in einem in Kriegszustand erklärten Orte oder Bezirke eine bei der Verhängung des Kriegszustandes oder
während desselben von dem zuständigen obersten Militärbefehlshaber zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit erlassene Vorchrift
übertritt oder zur lbertretung auffordert oder anreizt, wird, wenn nicht die Gesetze eine schwerere Strafe
androhen, mit Gefängnis bis zu einem Jahnre bestraft.
ç .) Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten
Frist erteilt oder wissenklich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis
bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft, auch können Vorräte,
die verschwiegen sind, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Auskunft,
zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder unrichtige ader
unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle
mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. · «