II. Die Heeresschöpfung und der Westfälische Friede. 129
vater ein gutes Einvernehmen mit Frankreich pflegen würde,
dessen Vernachlässigung seinen Vater um Pommern gebracht
habe. Natürlich dachte man nur Brandenburg auszunutzen.
Aber die Intimität zwischen d'Avanx und Rodt in Münster
machte weithin Eindruck, besonders beim Kaiser und bei Schweden,
deren Absichten, so verschieden sie waren, dadurch gleichmäßig
bedroht schienen.
In Wien verfolgte man diesen Gang der Dinge mit
wachsender Sorge. Daß Friedrich Wilhelm den auf den 1. Angust
1642 nach Frankfurt berufenen Reichsdeputationstag erst gar
nicht beschickte, dann (Mai 1643) durch den in den Irrgängen
des Reichsrechts heimischen Matthias Wesenbeck alles thun ließ,
um seine Auflösung und die Zulassung aller Reichsstände zu den
Friedensverhandlungen durchzusetzen, sah man dort als einen
Akt der Rebellion an. Auch trat Gallas, der im Juni 1644
angeblich im Vormarsch gegen Pommern erschien, so drohend
auf, daß man sich des Schlimmsten versah. Schleunigst rüstete
man, sperrte die Pässe, zum Teil durch aufgebotene Bauern,
und sammelte die Truppen. Ueber Tangermünde und Arneburg
wollte Gallas nach Werben und über die Elbe nach Holstein.
Ob es Zufall war, daß im Teltowschen Kreise gerade Konrad
von Burgsdorss Gut Groß-Machenow geplündert wurde, wobei
etliche Kurfürstliche fielen? Ewald von Kleist wurde an Gallas
geschict. Was den Schweden recht, sei dem Keaiser billig,
meinte dieser und verlangte Einräumung etlicher fester Plätze
und das Gleiche an Proviant und Geld: wer Schweden
120 000 Thaler zahle, sei nicht ruiniert. Die kaiserlichen Kavaliere
aber meinten gar, sie würden den Kurfürsten, wenn
sie könnten, „beim Kopf nehmen". Plante man einen Handstreich
gegen dessen Person? Man riet ihm, sich in Küstrin in
Sicherheit zu bringen. Gab Gallas doch zu, er solle sich der
Festungen und anderer Orte in der Mark bemächtigen und
„also die schwedische Heirat zerstören"“. Dessen bedurfte es
nicht mehr: der Plan, von dem man in Nom den Untergang
des Hauses Oesterreich befürchtete, war bereits gescheitert. So
begnügte sich Gallas mit Lieferungen. Dennoch erhob der
Kurfürst in Wien energische Beschwerde, gab zugleich aber be-