Die Edelfrau. 243
hatte, lebte kurz darauf jene Landgräfin Elisabeth, welche
nach ihrem Tode von der Kirche heilig gesprochen wurde.
Sie war eine jener fraulichen Blumenseelen, die so voll
sind vom Thau des Himmels, daß für irdische Leidenschaften
und Wünsche kein Platz darin ist. Eine Tochter
des Königs Andreas des Zweiten von Ungarn, wurde sie
im J. 1218 mit dem Landgrafen Ludwig von Thüringen
vermählt, nach dessen Hingang sie von Seiten ihrer
Schwäger die roheste Behandlung zu befahren hatte.
Ueberhaupt schuf ihr die Gemeinheit und Undankbarkeit
der Menschen viele Leiden und überdies quälte ihr Beichtvater,
der marburger Mönch Konrad, ein Fanatiker,
welcher nur dadurch, daß ihn ein paar Stegreifritter im
Jahre 1233 todtschlugen, verhindert wurde, die Inquisition
förmlich in Deutschland einzuführen, die fromme
Frau mit seiner finsteren und unduldsamen Asketik. Die
Armen und Elenden zu schützen, zu speisen und zu pflegen
hat sie als ihre Lebensaufgabe betrachtet. Sie nahm und
erfüllte die Pflichten christlicher Milde im strengsten Sinne
und begnügte sich daher nicht, Hospitäler zu stiften, sondern
pflegte mit eigenen Händen die Miselsüchtigen (Aussätzigen),
welche damals fernab von bewohnten Stätten
in die Einöden verwiesen wurden. Erst vierundzwanzigjährig,
starb sie 1231, nachdem sie den Heiratsantrag,
welchen Kaiser Friedrich der Zweite an die Verwittwete
gerichtet, abgelehnt und in den letzten Lebensjahren ihren
Unterhalt durch Wollespinnen erworben hatte. Die dankbare
Volkssage hat Elisabeths Gestalt mit dem rosigen
Schimmer des Mythen= und Märchenhaften umwoben;
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