Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

97

wir  juden  ..  wundschen  unsern  brudern  gluck  und
heil  2.  Macc.  1,  1;  dein  schirm  und  schild,  dein  hulf
und  heil  PGerhard  119;  sie  sinnen  hilfe  und  heil
ihrem  getreuen  Freytag  Ahnen  1,  281;  etwas  schlägt
zu  eines  heil  aus,  einer  versucht  sein  heil  (ob  etwas
gelingt),  u.  ähnl.:  dasz  wir  beide  unser  heil  gegen
einander  versuchen  Galmy  58-;  versuch  dein  heil!
Heyse  20,  53;  auch  Ihrem  bruder  wird  es  nicht  zum
heile  gereichen  Freytag  Handschr.  1,  395;  da  ihm  hier
kein  heil  bluhen  wollte  Keller  Werke  2,57;  als  Wunschformel
  heil!  heil  dir!;  heil  Ihnen  über  diese  frage
Goethe  W.  Meister  7,  9;  heil,  wer,  wie  du,  das  weite
meer  befährt  Freiligrath  1,  23;  wie  schon  mhd.:  heil
dir,  sprach  er,  sune  min  Lamprecht  Alexander  398;
bei  Turnern  gut  heil!;  —  heil,  Rettung  aus  Gefahr
oder  Not:  herr,  ich  warte  auf  dein  heil  1.  Mos.  49,  18;
gleich  kehr  ich  zurück,  uns  allen  ist  heil  Goethe
Joh.  Sebus;  auch  im  geistlichen  Sinne:  heute  ist  diesem
hause  heil  widerfaren  Luc.  19,  10;  für  das  heil  seiner
seele  sorgen;  dein  heil,  o  christ,  nicht  zu  verscherzen
Gellert  2,  98;  euer  mund  soll  mir  das  heil  verkünden
Schiller  M.  Stuart  5,  7;  hier  bei  Klopstock  auch  ein
ungewöhnlicher  Plur.:  habe  der  heile  gottes  viel  emplangen
  Mess.  19,  582;  von  einem  Rettung  Bringenden:
gott,  mein  heil  Pf.  27,  9;  Jesu  Christ,  der  unser  heil
und  fürsprach  ist  Wackernagel  Kirchenlied  4,  S.  905;
da  sandte  gott  .  das  heil  der  welt,  dich,  seinen  sohn
Gellert  2,  154;  —  in  Namen  verschiedener  heilkräftiger
Pflanzen:  heil  allen  schaden,  Kreuzwurz;  heil  aller
welt,  Grundheil,  heil  aller  wunden,  fette  Henne,  heil
über  alles,  heidnisches  Wundkraut.  —  Zusammensetzungen:
  heilbringend,  Gesundheit,  Wohlfahrt,  Netiung
bringend:  heilbringende  arzneien,  maszregeln.  —  heillos,
  ohne  Heil;  in  älterer  Spr.  und  noch  oberdeutsch
mundartlich,  körperlich  entkräftet:  mein  vater  ist  ganz
heillos  Schmeller;  ohne  Wohlfahrt,  arm,  elend:  heillosz
  leut,  nicht  söllend,  liederlich  und  veracht  leut
Maalerz;:  in  sittlichem  Sinne,  niedrig,  nichtswert:  er
(Nabal)  ist  ein  heiloser  man,  dem  niemand  etwas  sagen
thar  1.  Sam.  25,  17;  du  heilloser,  erbärmlicher  prablhans
  Schiller  Räub.  1,  2;  ihr  seid  heillose  diebe  2,  3;
auch  milder  gemeint,  =  böse,  arg:  die  heillose  foppt
mich  Heinse  Ardingh.  2,  58;  —  von  Dingen,  nicht
zu  retten  oder  zu  bessern:  die  heillose  wirrnis  der  reichspolitik
  Treitschke  1,  111;  heillose  verworrenheit  des
streites  2,  317;  auch  hier  milder,  =  schlimm,  arg:  das
ist  eine  heillose  geschichte;  das  kostet  heilloses  geld;
(er)  verführte  ein  ganz  heilloses  maulwerk  Gaudy
Erz.  47;  mit  einer  ganz  heillosen  diskretion  Keller
Werke  1,  405.  —  Heilslehre,  f.  Lehre  vom  Heil,  im
theologischen  wie  in  weiterem  Sinne;  die  politischen
heilslehren  der  Franzosen  Treitschke  4,  438.—  Heilsordnung,
  k.  Ordnung,  nach  welcher  der  Sünder  göttliche
  Gnade  empfängt.  —  heilvoll,  voll  Heil:  heilvolle
tage;  die  heilvolle  ankunft  Christi.

Heiland,  m.  der  Erlöser,  Christus;  Part.  des  Präs.
von  dem  Verbum  heilen,  ahd.  heilan,  schon  seit  der
ahd.  Zeit  als  heilant  titelhaft  und  wie  ein  Eigenname
erstarrt  (ebenso  altsächs.  heliand  und  heland):  thu
ginemnis  sinan  namon  Heilant  Tat.  5,  8;  und  in  der
alten  Form  bis  jetzt  geblieben;  im  eigentl.  Sinne  nur
auf  Christus  bezogen:  das  dieser  ist  warlich  Christus,
der  welt  heiland  Joh.  4,  42;  gehorsam,  bis  zum  kreuze
sein,  diesz  war  des  heilands  grösze  Gellert  2,  205;
im  Ausrufe:  o  Jesu,  mein  heiland,  was  hab  ich  gethan?
  Bürger  des  Pfarrers  Tochter  v.  Taubenhain;
hilf  herr  und  heiland  Schiller  Kab.  2,  6;  in  der
Bibelspr.  auch  von  Gott:  gott,  der  du  mein  gott  und
heiland  bist  Ps.  51,  16;  frei,  von  Menschen:  des  kaisers
söhnlein,  der  ist  jetzt  ihr  heiland,  das  neu  aufgehende
gestirn!  Schiller  Picc.  2,  5.  —  heilbar,  zu  heilen:
heilbare  wunden;  welche  krankheit  heilbar  und  welche

M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  II.

heilbringend  —  heilbar.

98

totlich  sind  Frölich  Stob.  483;  dasz  es  der  einzige
Veg  sei,  Sie  zu  heilen,  wenn  Sie  heilbar  wären  Goethe
W.  Meister  8,  5;  in  älterer  Spr.  auch  —  heilsam,  mhd.
heilb  ere  Glück  bringend:  die  wurzel  Zarisa  ist  dem
stumpfen  gesicht  ganz  hailbar  Frölich  Stob.  479.
Heilen,  heil  machen  und  werden.  1)  tranf.,  gesund
machen,  herstellen  von  Krankheit,  ahd.  heilan,  mhd.
heilen,  altsächs.  helian,  altengl.  heelan:  einen  von  einer
krankheit,  eines  wunden,  krankheiten  heilen;  der  war
blind  und  stum,  und  er  heilet  ju  Matth.  12,  22;  ich
wil  sie  heilen  und  gesund  machen  Jer.  33,  6;  ich  hatt
einmahl  ein  geschwür  im  kopfe,  das  ist  nun  nicht  recht
geheilt  Hölty  237;  wunden.  die  das  schicksal  schlug,
heilet  sie  mit  küssen  Schiller  4,  11;  seine  brust  ist
wieder  geheilt;  übertragen  auf  das  Erlösen  von  der
Sünde:  heile  meine  seele,  denn  ich  habe  an  dir  gesündigt
  Pf.  41,  5;  so  wil  ich  euch  heilen  von  ewrem
ungehorsam  Jer.  3,  22;  auf  das  Befreien  von  allerlei
Gebrechen  oder  Leiden:  einen  von  seiner  schuchternbeit,
seinen  zweifeln  heilen;  die  entfernung  wird  deinen
kummer  heilen;  etwas  womit  ich  .  die  miszhandelte
ordnung  wiederum  heilen  kann  Schiller  Ränb.  5,2;
auch  ohne  Obj.:  ich  kan  schlagen  oder  heilen  5.  Mos.
32,  39;  wenn  das  vertrauen  heilt,  so  beil  ich  bald
Goethe  Tasso  3,  2;  von  Dingen,  ganz  machen:  heilet
er  den  altar  des  herrn,  der  zubrochen  war  1.  Kön.
8,  30;  die  schäden,  risse  eines  gebäudes  heilen,  in
volksmäßiger  Rede  Norddentschlands.  2)  intrans.,  gesund
  werden,  ahd.  beilsen,  seit  dem  Mhd.  mit  dem
Vorigen  der  Form  nach  zusammengefallen:  wenn  si
den  sämen  trinkent,  so  hailent  si  Megenberg  316,  12;
wenn  an  der  haut  eine  drus  wird,  und  wider  heilet
3.  Mos.  13,  18;  es  heilte  glucklich  bis  auf  die  wuste
narbe  Schiller  Räub.  4,  3.  —  In  Zusammensetzungen:
Heilanstalt,  f.  Anstalt  für  die  Heilung  Kranker.  —
Heilbad,  n.  Bad  zur  Heilung;  als  Einrichtung:  heilbäder
  nehmen,  als  Ort:  in  ein  h.  gehen.  —  Heilbrunnen,
  m.  Gesundbrunnen.  —  Heilkraft,  f.  Kraft  die
Heilung  bewirkt.  —  heilkräftig,  zu  heilen  kräftig:  heilkräftige
  mittel.  —  Heilkraut,  u.  heilendes  Kraut:  doch
wird  kein  heilkraut  ihn  (den  Zauber)  besiegen  Heyse
3,  118.  —  Heilkunde,  k.  Wissenschaft  zu  heilen.  —  Heilkunst,
  f.  Kunst  zu  heilen:  praktikus  in  der  heilkunst
Schiller  2,  347.  —  Heilmittel,  u.  Mittel  welches  heilt,
Arznei.  —  Heilquell,  m.  heilender,  heilkräftiger  Quell,
auch  -quelle,  f.  Heilstätte,  f.  Stätte  zur  Genesung
oder  Rettung.  —  Heiltrank,  m.  heilender  Trank.
Heilig,  Heil  habend  und  spendend;  eine  im  Goth.
nicht  sicher  bezeugte,  vielleicht  erst  von  späteren  deutschen
Heidenbekehrern  geschaffene  oder  doch  verwendete  Weiterbildung
  des  Adj.  heil,  in  engerem  Sinne  zunächst  bezogen
  auf  die  Unverletztheit  im  Kampfe  mit  dem  Teufel,
gesagt  von  den  Martyrern  und  Bekennern,  denen  die
himmlische  Krone  des  Sieges  zu  Teil  geworden,  dann
übertragen  auf  die  himmlischen  Personen  überhaupt;
über  alle  späteren  Dialecte  verbreitet  (abd.  heilag,  mhd.
heilec,  altsächs.  helag,  altengl.  halig,  altnord.  heilagr),
und  in  mannigfache  freiere  Verwendung  gekommen.
1)  in  engerem,  kirchlichem  Sinne:  joh  wir  thär  muazin
untar  in  blide  fora  gote  sin  fon  éwon  unz  in  é6won
mit  then  heilegon  selon  Otfrid  1,  28,  20;  den  heiligen
merterer  sanctum  Bläsium  Mgyst.  1,  83;  die  beiligen
engel  und  erzengel;  die  heiligen  drei  könige;  seinen
heiligen  aposteln  und  propheten  Eph.  3,  5;  die  heilige
jungfrau,  der  heilige  Christ,  gott,  u.  s.  w.;  einen  heilig
sprechen;  von  der  Kirche,  ihrem  Amte,  Festen,  Tagen,
Glauben,  Lehren,  u.  s.  w.:  die  heilige  kirche,  der  heilige
vater,  Papst,  die  heiligen  bischöfe;  unser  heiliger  glaube,
die  heiligen  feste,  das  heilige  abendmahl;  der  sonntag
ist  dem  herrn  heilig.  wird  heilig  gehalten;  der  heilige
abend,  Abend  oder  auch  ganzer  Tag  vor  einem  hohen
Feste;  heilige  2eiten,  hohe  kirchliche  Festzeiten;  in  einer
7

beilen  —  heilig.