Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LIX. Band. (59)

Samstag  den  6.  Januat.  1894.  59.  Jahrgang.  M  I.

Dr.  J.  A.  Herurffert.=Blätter

  für  Rechtganwendung

zunächst  in  Bayern.

Inhalt:  Dile  Vaterß  ektspermuthung=  nach  hamelnee  und  elherlchen  Hanbrecht.
  lithellungen  aus  der  #tsprechung  des  .  Bayher
SBhe#en  Lanbesceriche  in  München:  Ekollrecht.  —  2  .

Die  „Vaterschaftsvermuthung“  nach  gemeinem  und
Bayerischem  Landrecht.

Von  Amtsrichter  Dr.  Engelmann  in  München.

Seit  einer  Reihe  von  Jahren  hält  der  höchste  bayerische
  Gerichtshof  in  zahlreichen  Entscheidungen  an  der
Anschauung  fest,  daß  nach  Bayerischem  Landrecht,  wie
nach  gemeinem  Recht,  die  Illegitimität  eines  primär  als
ehelich  geltenden  Kindes  nur  durch  den  Nachweis  solcher
Thatsachen  dargethan  werden  könne,  welche  es  als  unmöglich
  erscheinen  lassen,  daß  die  Mutter  des  Kindes
innerhalb  der  kritischen  Zeit  mit  ihrem  Ehemann  geschlechtlichen
  Verkehr  gepflogen  habe;  alle  Beweismittel,
die  sich  als  ungeeignet  zur  Erhärtung  dieser  Unmöglichkeit
  darstellen,  seien  als  unerheblich  zurückzuweisen.

Dem  Loaien  ist  dies  an  sich  schwer  verständlich  zu
machen.  Aber  auch  für  den  Juristen  hat  es  auf  den
ersten  Blick  etwas  höchst  Befremdendes,  daß  es  in  dieser
Rechtsmaterie  entgegen  allen  sonstigen  Grundsätzen  nicht
gestattet  sein  soll,  auf  jedem  zur  Herbeiführung  der  richterlichen
  Ueberzeugung  geeigneten  Wege  zu  beweisen,  was
man  behauptet,  daß  vielmehr  hiezu  nur  ein  Kreis  von
wenigen  ganz  bestimmt  gekennzeichneten  Thatsachen  als
geeignet  gelten  soll.

Neue  Folge.  Band  XXXIX.