Anzeiger
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Rosenheimer Tagblakt
Amtkliches Bublikations-Organ
Sonntag. 24 Dezember 1916
Nummer 298 I ##ts: Adam und E ###lunti2 Abam und Eva 1 62. Jahrgang
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len am Mannaregen der heiligen Nacht.
Die brüte RKriegswrihnacht.
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Wer hätte im vorigen Jahre geglauot, daß
auch das kommende Weihnachtsfest noch unterm
Zeichen des Krieges stünde: Eines Krieges, der
die halbe Welt im Waffenlärm erzittern läßt
Nun ist das Unglaubliche eben doch Ereignis
geworden und wier müseen uns damit absinden:
Wir müssen auch Weihnachten 1916 im Kracg
feiern.
Kriegsweihnacht. Das Wort küngt wee ein
Widerspruch in sich selbst. Was laßt der Krieg
mit seinen wilden Greueln, seinem Morden und
Blutvergießen, seinen Verlustlisten und Not,
standsgefetzen noch übrig von oem süßen Duft,
von der ihe und Freude dieses Festes? Jit
er nicht ein Hohn auf dessen vedensbotschaft"
Höhlt er nicht dessen Wesen und Zwerl fast
ganz aus? Nicht wenige werden so und ähn
lich denken und fühlen. Denn beiondere zu Weih
nachten, beim Friedensfest, empfingen wir die
Spannung zwischen dem, was ist und dem, was
sein soll, besonders lebhaft und der klassende
Abgrund zwischen Ideal und Wirllichkeit wird
nicht nur von den Empfindsamen gemütdrückend
empfunden. Es ist das menschlitle Leden in
seiner brutalen Diesseitigkeit, in seinem schäristen
Gegensatz zum Gedanken des Reiches (botes.
Sollen wir deshalb klagend oder mißmutig
ber Seite stehen? Gewiß nicht. Die göttliche Verheißung
bieibt.
Andererseits hat der Krieg mit blutigem Finger
wieder auf den Er##t des Friedensfestes verwiesen.
In seinem Ernst aber liegt der Schküssel
zu seiner Freude. Die es am ernteiten nehmen,
trinlen seine Freude aus erster Quelle. Darum
sind die, denen der Krieg am härtesten zusetzt,
die Soldaten an der Front, unter der Erde
in den Meerestiefen und in ven Himmelslüften,
die Soldaten in den Lazaretien, mit brennenden
Wunden, mit leeren Augenhöhlen, mit verstümmelten
Gliedern, die Mätter, die ihre Söhne
beweinen, alle, welche gramgeveugt und sorgenschwer
das Joch des Krieges cchleppen, — sie
gerade sind die erstgelodenen, bevorrechteten
Wnm der Krieg den Ernst der Weihnacht
oifenbart, dem nimmt und trübt er nicht die
Freude:; er führt ihn za ihren ewigen Quellen.
Möchten diese Quellen den mit sooiel Blut#
und soriiei Tränen unte'mischten Strom unsere?
Voltslebens mieder klären und erfrischen und
ihn bald mit erustem. frohem, heiligen Wogen
schlag den ersehnten Gestaden des Friedens ent
gegenführen!
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Friede den Menschen auf Erden! Das sei
heuer der Weihnachtswunsch fur alle drauben
und daheim. Wir verstehen thn in zweifacher
Richtung! Haben diese Worte nicht gerade heuer
ihre ganz besondere Bedentung" Jeder Deutsche
fühlte im Innersten: Was unser Kaiser und
die mit ihm verbündeten Herrscher an denkwür
digen 12. Dezember Volk und Heer verkündet
und durch den Reich-kanzler den feindlichen
Mächien durch die Vertreter neutraicr# Stoaten
zu wissen gegeben haben, das war Friedensab:
absicht, Friedenomillc, zum Senen Aller! Was
haben wir bis heute über die Aufnahme dieses
Angebots auf seiten der (be## vernommen?
Lohn und Ablehnung. Verkennung und Berdrehung
der Absicht. Nur denen, die guten Wil
lens sind, wird der Friede auf Erden.
Haben wir auch alle den guten Willen, der
mm Freeden führt, der zum inneren Frieden,
zum gegenseitigen Vertrauen. Oe'fen, Sichverstehen
notmendig ist in Stadt und Lnad? Wir
haben ihn nicht alle und noch nicht in allem.
Aber unterm schlichten, deulichen Weihnacht--baum
des 3. Kriegsjahres 1916 wollen wir alle
im Gedenken an dic, die draunen für uns todesmutig
und unverzagt kämpfen, die draußen
längst in stiller Erde. viele davon in Feindes
erde ruhen, den Vorsatz fassen, im kommenden
Jahre mit gutem Willen dem Frieden entge
genzuarbeiten, durch Erfüllunn all denen, was
notwendig ist zum Durchhalten bie zum Frieden.
jedes an seinem Platz und nach seinem Vermo
gen. Dann können wir mit Vertrauen den Din
gen entgegensehen, wie sie sich auch gestalien.
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