Full text : Staatsrecht, Völkerrecht und Politik. Dritter Band. (3)

Die  Volksschule.  83

Friede  gewonnen.  Auf  ein  alsbaldiges  Nachgeben  der  Kirchengewalten
selbst  ist  nicht  zu  rechnen.  Der  hierarchische  Sturm  gegen  den  Staat  ist
noch  keineswegs  iım  Abnehmen  begriffen,  hat  vielleicht  seinen  Höhepunkt
noch  nicht  erreicht;  die  römische  Kurie  und  das  Episcopat  sind  zum  Wiedereinlenken
  noch  keineswegs  geneigt.  Diess  aber  ist  in  doppelter  Beziehung
  schlimn.  So  lange  von  den  Leitern  nicht  Friede  gemacht  werden
will,  verbietet  die  unbedingte  Abhängigkeit  der  untern  Geistlichkeit,  dass
sie  sich  gefügig  zeige,  selbst  wenn  sie  dazu  geneigt  wäre,  was  wohl  bei
Vielen,  namentlich  von  der  älteren  Generation,  innerlich  der  Fall  sein
möchte.  Und  dass  ein  grosser  Theil  der  ungebildeten  Klassen  blind  den
Befehlen  der  Geistlichkeit  auch  in  Dingen  folgt,  welche  ihres  Amtes  gar
nicht  sind,  haben  ebenso  unerwartete  als  betrübende  Erscheinungen  weit
und  breit  gezeigt.  Es  ist  also  ınöglich,  ja  es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass
ie  dargebotene  Hand  zunächst  noch  zurückgestossen  wird.  Allein  es  bleilt
doch  nichts  anderes  übrig,  als  bei  dem  für  wahr  und  nothwendig  Erkaunten
zu  beharren.  So  widrig  und  in  manchen  Beziehungen  störend  und  selbst
gefährlich  für  den  Staat  ein  Streit  mit  der  Kirche  auch  sein  mag,  so  kann
er  doch  nicht  nachgeben,  ohne  sich  selbst  zu  vernichten  und  ohne  seine
katholische  Bevölkerung  der  Gefahr  preiszugeben,  um  Jahrhunderte  zurückgeworfen
  zu  werden.  Auch  in  weltlichen  Angelegenheiten  kommt  ja  zuweilen
  die  leidige  Nothwendigkeit,  trotz  aller  Liebe  und  aller  Nothwendigkeit
  des  Friedens  doch  nicht  weiter  zurückzuweichen,  sondern  den  Kampf
um  das  Dasein  und  um  unschätzbare  Güter  aufzunehmen.  Wer  aber  schliesslich
  Sieger  bleiben  wird,  darüber  lässt  der  Gang  der  Weltgeschichte  doch
kaum  einen  Zweifel.

Mit  welchen  Waffen  dieser  Kampf  zu  führen  sein  wird,  hängt  natürlich
von  der  nach  Zeit  und  Ort  verschiedenen  Art  des  Angriffs  ab.  Inzwischen
wird  der  Staat  jedenfalls  wohl  thun,  sich  vorzubereiten  und  von  vorneherein
eine  Stellung  einzunehmen,  welche  ihm  einen  günstigen  Erfolg  erleichtert.
Hierzu  scheinen  denn  aber  zunächst  nachstehende  Mittel  zu  dienen.

Da  nur  durch  eine  Entstellung  der  Absichten  und  ‚der  Mittel  des
Staates  eine  Bewegung  in  den  Massen  gegen  ihn  in  dieser  Sache  hervorgerufen
  werden  kann,  so  ist  vor  Allen  für  eine  ausreichende  Belehrung
über  den  wahren  Stand  der  ganzen  Angelegenheit  zu  sorgen.  Es  wäre
sehr  verkehrt,  sich  im  Bewusstsein  der  guten  Sache  und  Absicht  in  ein
vornehmes  Schweigen  zu  hüllen  und  zu  hoffen,  dass  die  Vernunft  sich  schon
von  selbst  Bahn  brechen  werde.  Diess  möchte  vielleicht  allmählig  und  mehr
oder  weniger  der  Fall  sein,  wenn  man  es  nur  mit  einfacher  Unwissenheit
oder  Unbekümmertheit  der  Bevölkerung  und  einem  ruhig  seinen  Gang  nehmenden
  und  so  nach  und  nach  in  seinen  Folgen  zu  Tage  tretenden  Verhältnisse
  zu  thun  hätte.  Allein  es  ist  zu  bedenken,  dass  man  hier  wohl-6*