Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1876. (10)

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3)  ein  Deutscher,  welcher  im  Auslande  eine  Handlung  begangen  hat,  die
nach  den  Gesetzen  des  Deutschen  Reichs  als  Verbrechen  oder  Vergehen
anzusehen  und  durch  die  Gesetze  des  Orts,  an  welchem  sie  begangen
wurde,  mit  Strafe  bedroht  ist.

Die  Verfolgung  ist  auch  zulässig,  wenn  der  Thäter  bei  Begehung
der  Handlung  noch  nicht  Deutscher  war.  In  diesem  Falle  bedarf  es
jedoch  eines  Antrages  der  zuständigen  Behörde  des  Landes,  in  welchem
die  strafbare  Handlung  begangen  worden,  und  das  ausländische  Strafgesetz
  ist  anzuwenden,  soweit  dieses  milder  ist.

§.  5.

Im  Falle  des  §.  4  Nr.  3  bleibt  die  Verfolgung  ausgeschlossen,  wenn

1)  von  den  Gerichten  des  Auslandes  über  die  Handlung  rechtskräftig  erkannt
  und  entweder  eine  Freisprechung  erfolgt  oder  die  ausgesprochene
Strafe  vollzogen,

2)  die  Strafverfolgung  oder  die  Strafvollstreckung  nach  den  Gesetzen  des
Auslandes  verjährt  oder  die  Strafe  erlassen,  oder

3)  der  nach  den  Gesetzen  des  Auslandes  zur  Verfolgbarkeit  der  Handlung
erforderliche  Antrag  des  Verletzten  nicht  gestellt  worden  ist.

§.  6.
Im  Auslande  begangene  Uebertretungen  sind  nur  dann  zu  bestrafen,  wenn
dies  durch  besondere  Gesetze  oder  durch  Verträge  angeordnet  ist.

§.  7.
Eine  im  Auslande  vollzogene  Strafe  ist,  wenn  wegen  derselben  Handlung
im  Gebiete  des  Deutschen  Reichs  abermals  eine  Verurtheilung  erfolgt,  auf  die
zu  erkennende  Strafe  in  Anrechnung  zu  bringen.

§.  8.
Ausland  im  Sinne  dieses  Strafgesetzes  ist  jedes  nicht  zum  Deutschen
Reich  gehörige  Gebiet.
§. 9.

Ein  Deutscher  darf  einer  ausländischen  Regierung  zur  Verfolgung  oder
Bestrafung  nicht  überliefert  werden.
§.  10.

Auf  deutsche  Militärpersonen  finden  die  allgemeinen  Strafgesetze  des
Reichs  insoweit  Anwendung,  als  nicht  die  Militärgesetze  ein  Anderes  bestimmen.

§.  11.

Kein  Mitglied  eines  Landtags  oder  einer  Kammer  eines  zum  Reich
gehörigen  Staats  darf  außerhalb  der  Versammlung,  zu  welcher  das  Mitglied
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Reichs-Gesetzbl.  1876.