Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Uebergewicht  zu  foͤrdern  verstand;  auch  an  andern  Orten  im  Reiche  fehlte  es
nicht  an  Versuchen,  unter  dem  Schein  des  Rechtes,  ja  selbst  gegen  alles  Recht,
die  Anhänger  des  Protestantismus  zu  unterdruͤcken.

Schon  hatte  Ferdinand  von  Steiermark  mit  seinem  Freunde  und  Jugend-Genossen
  Maximilian  von  Baiern  ihre  Antireform  in  den  von  ihnen  beherrschten
Landen  begonnen,  und  während  die  evangelischen  Fürsten  ihren  katholischen
Unterthanen  in  Deutschland  meistentheils  freie  Gewähr  ließen,  ward  von  jenen
mit  aller  Gewalt  die  verhaßte  Lehre  unterdrückt,  und  der  weithin  ausgedehnten
östreichischen  Herrschaft  ein  ähnliches  Schicksal  in  Aussicht  gestellt.

Allein  Joachim  Friedrich  fühlte  sich  auch  schon  in  der  Gegenwart  von
schweren  Sorgen  gedrückt.  Sein  Vater  hatte,  aus  Zärtlichkeit  für  die  dritte
Gemahlin  und  ihre  Söhne,  durch  ein  Testament  das  ehemalige  Gebiet  seines
Oheims,  die  Neumark,  als  ein  besonderes  Fürstenthum  von  der  übrigen  Erbschaft
  gesondert.  Joachim  Friedrich,  aus  der  ganz  richtigen  Ansicht,  daß  des
Gesammtlandes  Wohl  durch  eine  solche  Zerstückelung  leiden  würde,  hatte  durch
seinen  Kanzler  verkündet,  daß  er  niemals  in  die  Abtretung  der  Neumark  an
irgend  ein  Mitglied  der  Familie  willigen  würde.  Die  Stände  ihrerseits  erklärten
sich  mit  ziemlicher  Gleichgültigkeit  über  diesen  Streit,  denn  sie  mochten  wohl
noch  im  Andenken  haben,  wie  wohl  sie  sich  unter  der  gesonderten  Regierung
des  Markgrafen  Johann  befunden  hatten,  und  der  Gedanke  an  einen  mächtigen
Gesammtstaat  konnte  natürlich  zu  jener  Zeit  in  ihnen  noch  nicht  erwachen.  Sie
erklärten,  es  würde  ihnen  lieb  sein,  wenn  Markgraf  Georg  Friedrich  von  Franken,
  der  vormundschaftliche  Regent  des  Herzogthums  Preußen,  zum  Schieds-Kichter
  in  diesen  Streitigkeiten  angenommen  würde.

Hart  beschwerte  sich  der  Kurfürst  bei  dem  Kaiser  Rudolph  I).,  daß  er
einem  für  seine  Rechte  so  nachtheiligen  Testamente  die  kaiserliche  Bestätigung
ertheilt  habe;  jedoch  suchte  dieser  diesen  Akt  seiner  oberherrlichen  Macht  als
ganz  unverfänglich  darzustellen,  indem  er  auf  die  Klage  erwiederte,  es  seien  in
der  Bestätigung  ausdrücklich  die  Worte:  „Jedermann  an  seinen  Rechten  unbeschadet“
  hinzugefügt;  freilich  eine  sonderbare  Entschuldigung  für  einen  Fürsten,
der  oberster  Hort  und  Schirmvogt  des  Gesetzes  im  Reiche  sein  sollte,  und  wie
ein  unredlicher  Advokat  durch  dunkle  Ausdrücke  das  Recht  in  ein  zweideutiges
Licht  gestellt  hatte.

Zum  Glück  für  den  Frieden  des  Landes  befand  sich  der  als  Vermittler
empfohlene  und  angenommene  Markgraf  Georg  Friedrich  in  der  Lage,  eine
friedliche  Ausgleichung  des  Streites  herbeizuführen.  Er  war  der  letzte  Nachkomme
  der  durch  Albrecht  Achilles  Hausordnung  in  den  fränkischen  Herrschaften
eingesetzten  Markgrafen,  und  stellte  die  Fürstenthümer  Anspach  und  Baireuth
nach  seinem  Abgange  als  Ausgleichungsmittel  für  die  Kinder  der  dritten  Gemahlin
  des  verstorbenen  Kurfürsten  zur  Verfügung.  Durch  die  Uebereinkunft
beider  regierenden  Herren  wurde,  da  der  Kaiser  ihnen  in  seiner  Erklärung  freie
Hand  gelassen  hatte,  zu  Gera  ein  Vergleich  geschlossen  (1598),  nach  welchem